






















Die Behauptung, dass sich die Expansion des Universums gar nicht beschleunigt, sondern sogar verlangsamt, beruht auf einem „wissenschaftlichen Missverständnis“ und wurde widerlegt. Das sagt ein renommiertes Forschungsteam, das die im Herbst publik gemachte Behauptung überprüft hat und jetzt zurückweist. Das Forschungsteam aus Südkorea hat demnach Fehler bei der Ermittlung des Alters von Sternen gemacht, die an ihrem Ende in einer bestimmten Art von Supernova explodiert sind.
Auch die Ermittlung der Masse von Galaxien verlief demnach nicht korrekt: „Die bisherigen, allgemein anerkannten Messungen waren in der Tat korrekt, und unser derzeitiges Verständnis vom Schicksal des Universums ist nach wie vor fundiert“, meint Forschungsleiter Phil Wiseman.
Das Forschungsteam um Chul Chung von der Yonsei University in Seoul hat im November behauptet, dass die sogenannten Supernovae des Typs Ia keine konsistente Helligkeit haben. Das hätte weitreichende Konsequenzen für die Astronomie, denn diese Konsistenz ist eine Grundlage für kosmische Distanzmessungen. Supernovae des Typs Ia gelten als sogenannte Standardkerzen, weil man davon ausgeht, dass sie vorhersehbar ablaufen und eine konsistente Helligkeit haben. Deshalb wurden sie systematisch für kosmische Distanzmessungen über große Entfernungen herangezogen. Hätte das Team aus Südkorea recht gehabt, hätte es dabei seit Jahrzehnten einen systematischen Fehler gegeben, wodurch sich das grundlegende Bild unseres Universums geändert hätte.
„Zum Glück haben wir diese Krise abgewendet“, meint Wiseman. Die große Frage, warum sich die Expansion des Universums beschleunigt, bleibe aber bestehen. Nachdem man jetzt gezeigt habe, dass die alten Messungen korrekt waren, könne man sich jetzt wieder der Frage nach der Natur der Dunklen Energie widmen. An der Arbeit waren jetzt auch die Nobelpreisträger Adam Riess und Brian Schmidt beteiligt. Sie haben den höchsten Wissenschaftspreis 2011 eben für die Entdeckung jener Beschleunigung bekommen, mit der jetzt vorgelegten Erwiderung haben sie also auch einen Teil ihres Lebenswerks verteidigt. Veröffentlicht wurde diee Arbeit in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society.
In der Arbeit heißt es, dass der Behauptung des Teams aus Südkorea eine falsche Ermittlung des Alters der explodierten Sterne zugrunde gelegen habe: Die Gruppe habe fälschlicherweise angenommen, dass die Sterne jeweils so alt waren wie ihre Galaxien. Auch die Masse dieser Galaxien sei nicht in die Berechnungen eingeflossen. Wenn man diese Fehler korrigiert, würde sich der Widerspruch auflösen. Wäre das nicht gelungen, dann hätte die Arbeit aus Südkorea die Forschungsarbeit aus fast drei Jahrzehnten über den Haufen geworfen, ordnet das Team die Tragweite noch ein. Die Arbeit habe eine gute Gelegenheit dargestellt, noch einmal alle alten Annahmen zu überprüfen und dabei habe man sie bestätigt, ergänzt Co-Autor Brodie Popovic. Die großen Fragen zur Dunklen Energie harren derweil weiter einer Antwort.
(mho)
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