惯性聚合 高效追踪和阅读你感兴趣的博客、新闻、科技资讯
阅读原文 在惯性聚合中打开

推荐订阅源

量子位
cs.AI updates on arXiv.org
cs.AI updates on arXiv.org
Threat Intelligence Blog | Flashpoint
Threat Intelligence Blog | Flashpoint
Security Latest
Security Latest
Latest news
Latest news
C
Cyber Attacks, Cyber Crime and Cyber Security
K
Kaspersky official blog
H
Help Net Security
T
Threatpost
宝玉的分享
宝玉的分享
NISL@THU
NISL@THU
L
Lohrmann on Cybersecurity
I
Intezer
Simon Willison's Weblog
Simon Willison's Weblog
云风的 BLOG
云风的 BLOG
T
Tenable Blog
F
Fortinet All Blogs
雷峰网
雷峰网
P
Privacy & Cybersecurity Law Blog
CTFtime.org: upcoming CTF events
CTFtime.org: upcoming CTF events
N
News | PayPal Newsroom
TaoSecurity Blog
TaoSecurity Blog
让小产品的独立变现更简单 - ezindie.com
让小产品的独立变现更简单 - ezindie.com
Recorded Future
Recorded Future
cs.CV updates on arXiv.org
cs.CV updates on arXiv.org
V
Visual Studio Blog
H
Heimdal Security Blog
Webroot Blog
Webroot Blog
V
Vulnerabilities – Threatpost
人人都是产品经理
人人都是产品经理
F
Full Disclosure
IT之家
IT之家
L
LangChain Blog
Y
Y Combinator Blog
M
MIT News - Artificial intelligence
Cyber Security Advisories - MS-ISAC
Cyber Security Advisories - MS-ISAC
Schneier on Security
Schneier on Security
有赞技术团队
有赞技术团队
N
News and Events Feed by Topic
Scott Helme
Scott Helme
博客园 - 【当耐特】
freeCodeCamp Programming Tutorials: Python, JavaScript, Git & More
爱范儿
爱范儿
博客园 - 叶小钗
A
About on SuperTechFans
Help Net Security
Help Net Security
S
SegmentFault 最新的问题
钛媒体:引领未来商业与生活新知
钛媒体:引领未来商业与生活新知
L
LINUX DO - 最新话题
月光博客
月光博客

heise online News

Machine Learning mit Python – KI und Deep Learning in 5 Sessions erklärt Porsche-Chef Leiters plant umfassenden Konzernumbau Studie: KI bleibt oft im Testlauf stecken iX-Workshop: Grundlagen und Prinzipien eines modernen IT-Managements Missing Link: Aus für De-Mail – warum das „@“ das eingekringelte „e“ besiegte Top 10: Android Auto & Carplay nachrüsten – das beste Display fürs Auto im Test BOS-Funk: ETSI standardisiert Funk für Behörden Repair-Cafés jubeln: Bundestag beschließt Ökodesign-Reform für Nachhaltigkeit Google wehrt sich gegen Monopol-Urteil CERN-Rat beschließt Strategie-Update: FCC-ee soll LHC-Nachfolger werden Product Owner AI Day 2026: Konferenz und Workshop für KI im Produktmanagement Taskforce sieht keine Knappheit bei Kerosin Aus dem Weg! E-Scooter Navee UT5 Max mit Kuhfänger und brachialer Power im Test Krankenhaus-IT: Geldmangel und schlechte Prozesse gefährden Digitalisierung „The Boroughs“: Opa entdeckt Stranger Things iX-Workshop: Lokales Active Directory gegen Angriffe absichern Google Pics und Tiger-Selfies – die Fotonews der Woche 21/2025 Fitbit-App bekommt großes Update auf Version 5.0 und heißt jetzt Google Health Zwischen Wellen, Weite und Wissenschaft: Die Bilder der Woche 21 Sonnenenergie effizient speichern und nutzen | c’t uplink Cyberangriff auf Abrechnungsdienstleister betrifft viele Kliniken Lizenzstreit und Cloud-Zwang: Bambu Lab unter massivem Druck Vom Postweg ins BundID-Konto: Bundestag stimmt für digitales Führungszeugnis Windows 11 ist ein kompletter Verkehrsunfall Europol legt VPN-Dienst lahm TV-Deals zur WM: Die besten Fernseher von OLED bis XXL zum Tiefstpreis Nvidia will mit Vera-Prozessoren nach der CPU-Krone greifen Googles XR-Brillen auf der I/O: Project Aura & Prototyp ausprobiert Proxmox VE 9.2 mit Dynamic Load Balancer und Linux Kernel 7.0 Großstadt blockiert Überwachungssoftware Palantir Gelöscht und doch nicht weg: Signal speichert Nachrichten länger als erwartet SADAS: Neue Software warnt Fahrer vor Gefahrenzonen im Straßenraum Drei Fragen und Antworten: Wann sich KI-Coding wirklich rechnet Metas KI-Brillen helfen Blinden im Alltag – und werfen neue Fragen auf Fotoanbieter Portraitbox: Erpressung nach Sicherheitsvorfall? KI-Update: Google I/O-Fazit, Anthropic, Nvidia, Gehirn und KI-Parallelen Avatare und Augmented Reality: Apple schnappt sich kleines Start-up Won’t fix! – Teil 1: Warum Softwareschätzungen so zuverlässig falsch sind Virtual OS Museum: Über 1700 alte Betriebssysteme in einer VM Navee XT5 Max Test: Brachialer E-Scooter mit 2200 Watt ist Outdoor-Testsieger Airbnb personalisiert App mit KI IT-Ausfälle immer teurer für große Unternehmen Betrug im App Store: Apple stoppt laut eigenen Angaben Milliarden-Verluste TGIQF: Das Quiz rund um Hubschrauber Verbraucherschützer fordern Schadensersatz für Nutzer bei Smart-Meter-Problemen Citroën kündigt Elektroauto mit dem Namen „2CV“ an Software Testing: So ändert Agentic Engineering die Softwareentwicklung Post zum Freitag: Clever durch den Urlaub – schlauer reisen, entspannter surfen iX-Workshop: Sicherer Betrieb von Windows 11 im Unternehmen Camunda: ProcessOS optimiert Geschäftsprozesse mit KI macOS kann bald barrierefreien Sony-Access-Controller nutzen Elektro-Sportenduro Radian EXR vorgestellt: Viel Kraft aus Wechselakkus Voice Control in iOS 27: Accessibility-Feature sagt Siri-App-Steuerung voraus Stellantis stellt neue Plattform für neuen Strategieplan vor Spotify: Neue Desktop-App erstellt personalisierte KI-Podcasts Zum Jahresende: Bundestag beschließt Ende der De-Mail Bluesky: Russische Akteure kapern angeblich Accounts und verbreiten Propaganda Dell PowerEdge: Bis zu 70 Prozent mehr Leistung für Rechenzentren Forscher nutzen Vakuumprozess zur Herstellung von effizienten Tandemsolarzellen Jubiläum: Apple Retail Stores seit 25 Jahren im Geschäft Spotify kündigt KI-generierte Remixe und Podcasts an IT Summit 2026: heise-Konferenz zu Digitaler Souveränität „Helldivers 2“: DLSS 4.5, FSR 4 und XeSS 3.0 kommen am 27. Mai Passend zur Fußball-WM: Apple verbessert Sports-App „Gemini built in“: Google bietet Referenzdesigns für Smart-Home-Geräte an Neu in .NET 10.0 [24]: LINQ-Operatoren RightJoin() und LeftJoin() in EF Core Drei „Tomb Raider“-Klassiker im Epic Games Store kostenlos Apache-Airflow-Komponenten: Angreifer können Datenbank modifizieren Notepad++: Update bessert Schwachstelle im Installer aus Halbleiter-Ökosystem: Studie beschreibt EU-Problemzonen Stellantis-Umbau: Fokus auf Kernmarken und Kapazitätsabbau in Europa Cisco stopft Sicherheitsleck mit Höchstwertung in Secure Workload „GTA 6“ erscheint wie geplant am 19. November Samsung: Abstimmung über Boni von Hunderttausenden Euro pro Mitarbeiter Vier Arme sind besser als zwei: Humanoider Roboter für die Schwerelosigkeit Kopfhörer mit KI-Chip made in Germany: Soundcore Liberty 5 Pro ausprobiert iX-Workshop: Sicheres Active Directory – Adminrechte mit Tiering schützen Destiny-Ära endet: Bungie beendet Entwicklung von „Destiny 2" Riesenrakete Starship: SpaceX hat den nächsten Testflug erneut verschoben Trend Micro Apex One und Langflow: Warnung vor Angriffen Kann WhatsApp verschlüsselte Nachrichten einsehen? Texas reicht Klage ein Passiv-PC Arctic senza AI 370 im Test: Schnell, lautlos, unsichtbar Warhammer Skulls 2026: Die volle Ladung „Warhammer“-Videospiele Freitag: Robotaxi-Probleme in den USA, Australiens Kinderschutz-Strafe gegen X Vorsicht, Kunde! – Wenn der Gutschein plötzlich wertlos wird Waymo stoppt Autobahnfahrten und Robotaxi-Dienste in Städten mit Starkregen Privacy Guardrail: Chrome-Erweiterung will sensible Daten vor Chatbots schützen Mit dem Deutschland-Stack samt Zertifizierung zur digitalen Souveränität X kooperierte nicht mit Behörde: Höhere Strafe in Australien GMX bringt KI ins Postfach: Wir haben den Assistenten ausprobiert Digitale Souveränität: OpenDesk laut Studie keine volle Microsoft-Alternative Digitale Souveränität: Bund vergibt 250-Millionen-KI-Cloud-Auftrag Kupfer-Glas-Migration: „Homes connected macht keinen Sinn“ Teure Kultur: Justizministerin Hubig kündigt Kampf gegen Ticketwucher an Top 10: Der beste Wireless Charger mit Qi2 im Test – Magsafe-Ladegerät für alle AMDs offizieller Mini-PC kostet 3999 US-Dollar WordPress: Offizielles Plug-in bindet Blogs direkt ins Bluesky-Protokoll ein KI beweist: Mathematiker lagen falsch re:publica: Große Fragen, kaum Antworten Fritz Labor 8.40 bereitet Fritzboxen auf Matter vor
TÜV zu MDR: „Wir sollen Produkte zertifizieren, die wir nie gesehen haben“
Marie-Claire Koch · 2026-06-16 · via heise online News

Die Europäische Kommission will die Medizinprodukteverordnung (MDR) und die Verordnung für In-vitro-Diagnostika (IVDR) überarbeiten. Hersteller sollen entlastet, Verfahren beschleunigt und Bürokratie reduziert werden. Der TÜV-Verband sieht die Vorschläge mit großer Skepsis.

Mark Küller

Mark Küller ist Referent für Medizinprodukte und Leiter des Bereichts Finanzen & Verwaltung beim TÜV-Verband e.V.

(Bild: Tobias Koch)

Im Gespräch erläutert Mark Küller, Referent für Medizinprodukte beim TÜV, warum unangekündigte Audits aus seiner Sicht unverzichtbar sind, weshalb technische Dokumentationen oft erhebliche Mängel aufweisen, welche Herausforderungen durch Cybersecurity und künstliche Intelligenz entstehen und warum die geplanten Änderungen die europäische Medizinprodukteüberwachung grundlegend verändern könnten.

Der TÜV-Verband hat die geplante MDR-Reform ungewöhnlich deutlich kritisiert. Warum?

Weil wir den Eindruck haben, dass in der aktuellen Diskussion vieles unter dem Schlagwort Bürokratieabbau zusammengefasst wird, obwohl es in Wirklichkeit um Sicherheitsmechanismen geht. Natürlich gibt es in der MDR Anforderungen, die man vereinfachen könnte. Das sehen wir auch so. Die Verordnung ist an manchen Stellen über das Ziel hinausgeschossen. Aber viele der Vorschläge, die derzeit diskutiert werden, betreffen eben nicht bloß Verwaltungsaufwand, sondern zentrale Elemente der Sicherheitsüberwachung.

Aus unserer Sicht würde sich das System dadurch von einer präventiven Kontrolle hin zu einem deutlich stärker reaktiven Ansatz entwickeln. Probleme würden dann häufig erst sichtbar werden, wenn bereits etwas passiert ist. Die MDR wurde nach den bekannten Medizinprodukteskandalen bewusst so aufgebaut, dass Risiken möglichst früh erkannt werden. Wenn man nun zentrale Überwachungsmechanismen zurückfährt, verändert man den Charakter des gesamten Systems.

Die Kommission möchte regelmäßige unangekündigte Audits weitgehend abschaffen. Warum halten Sie das für einen Fehler?

Unangekündigte Audits wurden nicht mit der MDR eingeführt, sondern bereits 2013. Damals hatte die Europäische Kommission festgestellt, dass es Schwächen im bestehenden Überwachungssystem gab. Die unangekündigten Audits waren eine direkte Reaktion darauf.

Die Kritik lautet häufig, dass dabei nie ein großer Skandal aufgedeckt wurde. Das stimmt sogar. Aber das ist auch gar nicht ihr eigentlicher Zweck. Der Sinn dieser Audits besteht darin, dass Hersteller jederzeit damit rechnen müssen, kontrolliert zu werden. Und unangekündigt bedeutet tatsächlich unangekündigt. Wir dürfen nicht eine Stunde vorher anrufen, wir dürfen nicht einen Tag vorher Bescheid geben. Wir stehen vor der Tür. Allein dieser Mechanismus sorgt dafür, dass Hersteller gezwungen sind Prozesse dauerhaft einzuhalten und nicht erst in Vorbereitung auf eine angekündigte Überwachungsmaßnahme.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der tatsächlichen Produktion. Ein Produkt kann auf dem Papier perfekt sein. Die technische Dokumentation kann vollständig sein, alle Prozesse können beschrieben sein. Aber wenn die Produktion nicht den Vorgaben entspricht, entstehen Risiken, die man in der Dokumentation nicht erkennt. Ein einfaches Beispiel wäre die sterile Verpackung eines Produkts. Die Unterlagen können völlig korrekt sein. Wenn Mitarbeitende aber die vorgeschriebene Schutzkleidung nicht tragen oder Produktionsräume nicht den Anforderungen entsprechen, entstehen Risiken, die nur vor Ort sichtbar werden. Genau solche Dinge entdeckt man bei Audits.

Man darf außerdem nicht vergessen, dass wir längst nicht nur über deutsche oder europäische Hersteller sprechen; die im Übrigen auch nicht fehlerfrei arbeiten. Mehr als die Hälfte der Hersteller, die wir zertifizieren, sitzt außerhalb der EU. Darunter sind Unternehmen aus den USA, China, Indien, Pakistan oder Südostasien. Dort gibt es teilweise ein anderes Verständnis von Qualitätsmanagement, Produktions- oder Hygienestandards als in Europa. Das bedeutet nicht, dass diese Hersteller schlecht arbeiten, aber es bedeutet, dass man hier genau hinschauen muss.

Warum spielt die technische Dokumentation so eine wichtige Rolle?

Weil sie der zentrale Sicherheitsnachweis eines Medizinprodukts ist. Darin findet sich praktisch alles: Produktbeschreibung, Risikobewertung, klinische Daten, Gebrauchsanweisungen, Marktüberwachungsinformationen und viele weitere Nachweise. Bei komplexen Produkten reden wir über hunderte oder sogar tausende Seiten Dokumentation.

Die meisten Hersteller arbeiten seriös und bemühen sich, alle Anforderungen zu erfüllen. Trotzdem finden wir regelmäßig Abweichungen. Das können fehlende klinische Daten sein, unvollständige Risikoanalysen, Mängel in der Gebrauchsanweisung oder andere sicherheitsrelevante Punkte. Deshalb halten wir die Prüfung dieser Unterlagen für so wichtig.

Heute prüfen wir nicht jedes einzelne Produkt und nicht jede einzelne technische Dokumentation. Die MDR sieht einen risikobasierten Stichprobenansatz vor. Dabei gibt es enorme Unterschiede zwischen den Unternehmen. Manche Hersteller haben nur wenige Produkte auf dem Markt. Bei kleinen Herstellern mit überschaubarem Portfolio entsteht dadurch eine sehr engmaschige Überwachung.

Auf der anderen Seite gibt es Hersteller mit tausenden Produkten. Natürlich muss man dabei differenzieren. Wenn ein Unternehmen denselben Handschuh in verschiedenen Farben oder Größen anbietet, muss man nicht jede Variante separat prüfen. Ein Handschuh bleibt ein Handschuh, unabhängig davon, ob er blau, grün oder rot ist. Ähnlich verhält es sich bei vielen Produktvarianten, die technisch nahezu identisch sind.

Große Hersteller verfügen allerdings häufig über ein sehr breites Produktportfolio mit vielen unterschiedlichen Produktgruppen und Risikoklassen. Dort macht ein risikobasierter Ansatz Sinn, weil man die verfügbaren Ressourcen gezielt auf die Produkte mit dem größten Risikopotenzial konzentriert. Bei Hochrisikoprodukten, beispielsweise Herzschrittmachern oder anderen implantierbaren Produkten, prüfen wir jede technische Dokumentation. Das soll auch künftig so bleiben.

Bei Produkten mit mittlerem bis hohem Risiko sollen wir jedoch künftig nur noch sehr wenige technische Dokumentationen stichprobenartig prüfen beziehungsweise nur Prüfungen vornehmen, wenn es Gründe dafür gibt. Eine risikobasierte stichprobenartige Prüfung der Produktportfolios wäre bei den meisten Herstellern nicht mehr möglich, mit allen daraus resultierenden Risiken.

Wo sehen Sie die größte Gefahr der geplanten Reform?

Bei der Reduzierung der Dokumentationsprüfungen. Die Kommission schlägt vor, technische Dokumentationen nach der Erstzertifizierung nur noch bei konkreten Verdachtsfällen zu prüfen. Das klingt zunächst harmlos, verändert das System aber grundlegend.

Künftig könnte es passieren, dass ein Hersteller hunderte oder sogar tausende Produkte unter einem Zertifikat hat und wir nur einen sehr kleinen Teil davon jemals sehen. Die übrigen Produkte würden unter Umständen nie von einer Benannten Stelle geprüft. Wir sollen aber trotzdem bestätigen, dass diese Produkte unter das Zertifikat fallen.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Hersteller können sehr genau abschätzen, welche Produkte wir mit hoher Wahrscheinlichkeit prüfen werden. Wenn künftig nur noch wenige Stichproben gezogen werden, wird natürlich genau dieses Produkt besonders sorgfältig vorbereitet. Die Frage ist dann, was mit den vielen anderen Produkten passiert, die niemals geprüft werden.

Aus unserer Sicht verschiebt sich das System dadurch von einer präventiven Kontrolle zu einem deutlich stärker reaktiven Ansatz. Heute schauen wir vorab hin. Künftig würde vielfach erst reagiert, wenn bereits ein Vorfall aufgetreten ist. Das ist nicht im Sinne der Sicherheit von Patientinnen und Patienten. Wir müssen bedenken: Oft handelt es sich bei Patientinnen und Patienten um vulnerable Gruppen, die sich darauf verlassen können müssen, dass sie durch Ärztinnen und Ärzte bestmöglich behandelt werden und das mit den besten und sichersten Produkten, die dafür zur Verfügung stehen. Es besteht das Risiko, dass Letzteres mit den geplanten Maßnahmen in Frage gestellt wird.

Viele Menschen wissen gar nicht genau, was Benannte Stellen eigentlich tun.

Das stimmt. Wir sind keine Behörden. Wir dürfen nur das prüfen, was gesetzlich vorgesehen ist. Gleichzeitig tragen wir aber eine erhebliche Verantwortung, weil wir Zertifikate ausstellen, die den Marktzugang ermöglichen.

Die Risiken für Benannte Stellen würden durch die Reform deutlich steigen. Wenn wir Produkte zertifizieren sollen, die wir nie gesehen haben, stellt sich irgendwann die Frage, wie wir diese Verantwortung übernehmen können. Und man darf auch nicht vergessen: Wenn später Schäden auftreten, geraten nicht nur Hersteller in den Fokus. Dann schauen auch Gerichte und Anwälte auf die Benannten Stellen. Deshalb betrachten wir diese Diskussion nicht nur aus fachlicher Sicht, sondern auch aus Haftungs- und Verantwortungsgründen.

Die Kommission argumentiert, dass dadurch Kosten für die Hersteller sinken würden.

Das stimmt kurzfristig möglicherweise. Die Frage ist aber, ob man damit langfristig tatsächlich etwas gewinnt. Die Zertifizierungskosten bei Benannten Stellen machen nach Angaben der Industrie selbst nur einen vergleichsweise kleinen Teil der gesamten Compliance-Kosten aus. Gleichzeitig sprechen wir hier über sicherheitsrelevante Kontrollen.

Wenn man an diesen Stellen spart, verschiebt man Risiken in andere Bereiche. Entstehen später Probleme, entstehen Kosten für Krankenhäuser, Gesundheitssysteme, Hersteller, Versicherungen und letztlich für die Gesellschaft. Diese Kosten können exponentiell höher sein als die Kosten für die Zertifizierung.

Deshalb halten wir es für fragwürdig, ausgerechnet an den Überwachungsmechanismen anzusetzen.

Medizinprodukte werden immer digitaler und vernetzter. Wie verändert das Ihre Arbeit?

Massiv. Wir beschäftigen inzwischen Spezialisten für Cybersecurity, Penetrationstests, Interoperabilität und künstliche Intelligenz. Die Bewertung eines modernen Medizinprodukts ist längst keine Aufgabe einzelner Prüfer. Je nach Produkt sitzen Ärzte, Biologen, Ingenieure, Softwareexperten und IT-Sicherheitsspezialisten gemeinsam an einer Bewertung.

Ein wiederkehrendes und befürchtetes Szenario ist ja auch, dass zum Beispiel bei implantierbaren Medizinprodukten wie Herzschrittmachern ein Mensch zu Schaden kommt…

Ja. Dabei muss man immer die Risiko-Nutzen-Abwägung berücksichtigen. Bei Medizinprodukten gilt nicht das Prinzip „Null Risiko“. Ein Herzschrittmacher muss klein sein, energieeffizient arbeiten und viele Jahre im Körper funktionieren. Manche Geräte sind schon so lange im Körper, dass eine Operation, um Änderungen am Gerät vorzunehmen oder sie auszutauschen, ein größeres Risiko für den Patienten bedeuten würde als ihn sicherheitstechnisch nicht auf den neuesten Stand zu bringen.

Deshalb geht es immer darum, Risiken so weit wie möglich zu reduzieren und gleichzeitig den medizinischen Nutzen zu erhalten bzw. zu maximieren. Das unterscheidet Medizinprodukte von vielen anderen Produktgruppen.

Sie kritisieren auch die aktuelle Diskussion um den AI Act.

Ja. Die Europäische Kommission möchte die Medizinprodukte aus dem Anwendungsbereich des AI Acts herauslösen. Das Problem ist jedoch weniger der AI Act selbst als die fehlende Abstimmung mit MDR und IVDR. Der AI Act ist eine horizontale Regulierung. Er soll für viele unterschiedliche Produktgruppen gelten. Daraus resultieren natürlich Probleme bei der Umsetzung. Medizinprodukte sind eben etwas anderes als Aufzüge, Spielzeuge oder Maschinen.

Schon bei den Definitionen entstehen Probleme. Der Risikobegriff des AI Acts unterscheidet sich teilweise vom Risikobegriff der MDR. Das klingt theoretisch, hat aber enorme praktische Auswirkungen. Wenn unterschiedliche Gesetze dieselben Begriffe unterschiedlich verwenden, entstehen Unsicherheiten. Und genau diese Unsicherheit sehen wir derzeit.

Solche Umsetzungsprobleme ließen sich jedoch verhältnismäßig leicht durch weitere Vorgaben lösen. Die Lösung darf nicht sein, den AI Act, mit den vielen wichtigen Vorgaben, die er enthält, nicht für Medizinprodukte gelten zu lassen. Die Durchdringung des Gesundheitswesens mit AI nimmt immer mehr zu. AI hat enorme und teils ungeahnte Potenziale, gleichzeitig, aber auch besondere Risiken. Dem muss eine gute Gesetzgebung Rechnung tragen. Daher sollten die relevanten Anforderungen des AI Acts auch künftig für Medizinprodukte gelten.

Unternehmen können sich auf strenge Regeln einstellen. Womit Unternehmen schlecht umgehen können, ist Unsicherheit. Momentan wissen viele Hersteller nicht genau, welche Anforderungen langfristig gelten werden. Das betrifft übrigens nicht nur die Industrie, sondern auch Benannte Stellen und Behörden.

Es gab in der Vergangenheit immer wieder Forderungen von Medizintechnikverbänden nach selbstlernenden Medizinprodukten. Sind diese zulassungsfähig?

Das hängt davon ab, wie man selbstlernend definiert und wann ein Produkt noch dasselbe Produkt bleibt. Es gibt bereits heute Produkte, die innerhalb definierter Grenzen lernen dürfen. Entscheidend ist, dass der Hersteller genau festlegt, was das System lernen darf und was nicht.

Der Verwendungszweck darf sich dabei nicht verändern. Wenn ein Produkt ursprünglich für eine bestimmte Patientengruppe entwickelt wurde, darf es sich nicht eigenständig zu einem Produkt für völlig andere Patientengruppen weiterentwickeln. Denn dann entstehen neue oder andere Risiken. Diese Risiken müssen bewertet werden.

Deshalb braucht man hier klare Grenzen. Selbstlernende Systeme sind grundsätzlich möglich, aber sie können nicht unbegrenzt und unkontrolliert lernen.

Sie sagen selbst, dass die MDR an manchen Stellen zu weit gegangen ist. Wo konkret?

Ein Beispiel sind klinische Daten. Heute werden teilweise sehr umfangreiche klinische Nachweise auch für Produkte mit vergleichsweise geringem Risiko verlangt. Hier könnte man differenzierter vorgehen.

Ein weiteres Beispiel sind bestimmte Berichtspflichten und Dokumentationsanforderungen, die Aufwand erzeugen, ohne einen erkennbaren Sicherheitsgewinn zu bringen. Also ja: Es gibt durchaus Bereiche, in denen Bürokratie abgebaut werden kann. Aber eben an den richtigen Stellen.

Was wäre aus Ihrer Sicht der größte Fehler, den die Politik jetzt machen könnte?

Sicherheit und Bürokratie gleichzusetzen. Es gibt Anforderungen, die man vereinfachen kann. Aber unangekündigte Audits, technische Dokumentationsprüfungen und regelmäßige Überwachung gehören aus unserer Sicht nicht dazu. Das sind Sicherheitsmechanismen.

Die Kosten unsicherer Produkte entstehen am Ende trotzdem und sind potenziell viel höher. Wenn Produkte Probleme verursachen, zahlen Patienten, Gesundheitseinrichtungen und letztlich die Gesellschaft den Preis.

Deshalb sollte die Diskussion nicht lauten: Sicherheit oder Wirtschaftlichkeit. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Versorgungssicherheit, Innovation und Patientenschutz in ein sinnvolles Gleichgewicht zu bringen.

Und genau diese Balance sehen wir durch die aktuellen Reformvorschläge gefährdet. Sicherheit ist keine Bürokratie. Das ist aus unserer Sicht der entscheidende Punkt in der gesamten Debatte.

(mack)