


























Sprechroboter, Sockenpuppen, Lobbyvertreter – die Zahl der Beleidigungen für sich allzu ungelenk ausdrückende Politiker ist groß. Wer sich. Vor Kameras stellt. Und Halbsätze wie diese hier. Zerhackt vorträgt. Um keinen Fehler. Zu machen: Der zeigt, dass er höchst unsicher ist. Möglichst wenig Angriffsfläche, nur das allernötigste an politischer Position – und bloß keine persönliche Haltung.
Das ist dann in der Tat roboterhaft. Umso angenehm überraschter war ich vom Auftreten Karsten Wildbergers, dem wohl viele mit seiner bisher überwiegend in der Privatwirtschaft angesiedelten Karriere wenig Politgeschick zugetraut haben. Egal, ob im Bundestag, bei seinem inzwischen traditionellen Auftritt auf der re:publica oder in Talkshows: Der Mann kann flüssig reden und weiß meist sogar wovon. Falk Steiner hat sein erstes Amtsjahr kritisch beleuchtet und kommt im Auftreten zu einem ähnlichen Ergebnis.
Nico Ernst schreibt seit über 20 Jahren über IT-Themen und gelegentlich auch über Musik. Hardware, Wirtschaft und Netzpolitik sind seine bevorzugten Themen. Da er mit ZX81, C64 und Atari VCS aufwuchs kann er sich auch einem gelegentlichen Spiel noch immer nicht entziehen.
Umso unnötiger erscheint es da, dass jemand mit diesem Talent sich sowohl Reden wie auch Gastbeiträge für renommierte Medien in manchen Fällen offenbar komplett von einer KI schreiben lässt. Oder, noch wahrscheinlicher, seinen Redenschreiber das tun lässt. Das womöglich ausgebliebene Hinterfragen von Prozessen im eigenen Haus wäre hier ein erster politischer Kritikpunkt.
Noch schwerer wiegt aber, dass Wildberger das nicht transparent gemacht hat. Wenn jemand etwas als seine Gedanken verkauft, das ein Chatbot sich ausgedacht hat, liegt der Verdacht nahe: Der Mann hat gar keine eigenen Ideen. Durch sein bisheriges Handeln ist diese Annahme bei Wildberger wohl unangebracht. Aber was wäre das für ein Beleg für die Nützlichkeit von KI gewesen: „Liebe Leser, das Handelsblatt wollte einen Artikel von mir. DingsGPT hat mir etwas vorformuliert, hier ist der Prompt. Ich habe das selbst von Hand überarbeitet, und hinter dem Ergebnis stehe ich persönlich. Viel Spaß beim Lesen.“
Damit hätte ein Digitalminister glaubwürdig digitale Werkzeuge vorführen können. Wie in anderen Fällen, die gerade durch Tools, die KI-Texte entdecken, öffentlich wurden, ist die mangelnde Transparenz das eigentliche Problem. Insbesondere, wenn ein Minister politische Leitlinien aufzeigen will, muss man als Bürger davon ausgehen dürfen, dass die seiner eigenen Überzeugung und der seiner Partei entsprechen. Und, diese Einschränkung muss noch sein: Das gilt insbesondere für Reden im Bundestag. Da hat schlicht eine Person zu stehen, die das selbst ausdrückt, was sie selbst für richtig hält.
Wenn Politiker diese minimale Transparenz um die eigenen gesellschaftsrelevanten Beiträge in politischen Entscheidungsprozessen nicht aufbringen, sondern sich hinter KI-Outputs verstecken: Dann sind sie wirklich nur Roboter, die etwas nachplappern. Karsten Wildberger täte gut daran, schnell aufzuklären, wie es zu seinen nicht gekennzeichneten KI-Beiträgen kam. Die ersten dürren Stellungnahmen reichen da nicht. Und für die Zukunft muss der Minister Regeln zum KI-Einsatz aufstellen – nicht nur für sein Haus. Dann hätte er sogar als Digitalminister in seinem Fach etwas Gutes erreicht. Wenn das nicht erfolgt, steht nicht nur der branchenübliche Redeschreiber im Verdacht, die eigentlichen Richtlinien deutscher Politik vorzugeben. Sondern irgendeine höchst intransparente KI in einem US-Rechenzentrum.
(nie)
此内容由惯性聚合(RSS阅读器)自动聚合整理,仅供阅读参考。 原文来自 — 版权归原作者所有。