






















Sportliche Großereignisse bringen regelmäßig technische Neuerungen mit sich, die Entscheidungen transparenter machen sollen. In der Vergangenheit haben die damit einhergehenden Regeländerungen jedoch oft zu Diskussionen geführt. Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko hat nicht nur mehr Spiele als jede WM zuvor, die FIFA hat auch eine Vielzahl an Regel- und technischen Änderungen im Gepäck. So wurde die halbautomatische Abseitserkennung an mehreren Stellen weiterentwickelt, der Spielball „Trionda“ trägt erstmals einen seitlich eingebetteten Sensor, alle 1.248 Spieler wurden vorab individuell als 3D-Avatare gescannt, der Video Assistant Referee (VAR, Video-Assistent) erhält erweiterte Befugnisse, und obligatorische Trinkpausen in der 22. und 67. Minute verändern den Spielfluss. Hinzu kommen diverse neue Regeln (siehe Kasten). Ob all dies tatsächlich zu mehr Gerechtigkeit und weniger Diskussionen führt, darf bezweifelt werden. Die Fußball-WM 2026 ist Technik, Show und Sport in einem, allerdings nicht unbedingt immer zur Freude der Fußball-Puristen.
Seit der WM 2022 in Katar steckt in jedem Spielball ein IMU-Chip (Inertial Measurement Unit), entwickelt von Adidas gemeinsam mit der Münchner Firma Kinexon. Diese Connected Ball Technology erfasst 500 Mal pro Sekunde Geschwindigkeit, Richtung, Spin und den exakten Moment der Ballberührung – und überträgt diese Daten per Funk an Empfänger im Stadion.
Der Sensor bestimmt diesen Kontaktmoment zwar mit einer Zeitauflösung von 2 ms, sodass die Abseitsentscheidung extrem präzise sein könnte. Praktisch begrenzt wird die Genauigkeit jedoch durch die Trackingkameras, die bei der WM mit nur 50 Bildern pro Sekunde arbeiten – das ergibt ein Zeitfenster von 20 ms zwischen zwei Frames. Bei einem Sprint mit 10 m/s kann sich der Ball in dieser Zeit um bis zu 20 cm bewegen. Der Ballsensor liefert also den exakten Passzeitpunkt, aber die Kameras müssen die zugehörige Spielerposition aus dem nächstgelegenen Frame interpolieren. Bei knappen Entscheidungen ist das der Unterschied zwischen Tor und Abseits. Ob dieser Aufwand technisch zwingend ist, kann diskutiert werden – die Premier League trackt Abseitssituationen seit der vergangenen Saison übrigens mit 100-Hz-Kameras, ganz ohne Ballsensor. Dazu später mehr.
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