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Archäologie: Homo erectus hat schon vor über 1,7 Millione...
DER SPIEGEL · 2026-06-17 · via DER SPIEGEL - Schlagzeilen

Vor etwa 400.000 Jahren lernten unsere Vorfahren, Feuer zu kontrollieren. Natürliche Brände hingegen machten sie sich bereits viel früher zunutze. Wie viel früher, dazu machen Archäologen unterschiedliche Angaben.

Ein internationales Forschungsteam will nun Belege gefunden haben, dass menschliche Vorfahren schon relativ früh mit Feuer hantierten: nämlich vor bis zu 1,79 Millionen Jahren. Das sollen Funde aus der Wonderwerk-Höhle in Südafrika zeigen. Die Studie  erschien in der Fachzeitschrift »PLOS One«.

Bereits eine Studie  von 2012 berichtete von Feuerresten aus derselben archäologischen Stätte, die die Forschenden damals auf die Zeit vor einer Million Jahren datierten. Neue Forschungen in der Wonderwerk-Höhle verlängern die Zeitleiste weiter nach hinten.

»Feuerbelege an so alten Fundstätten sind oft kaum wahrnehmbar und schwer nachzuweisen«, sagt die Archäologin Liora Kolska Horwitz von der Hebräischen Universität Jerusalem, die das Wonderwerk-Höhlenprojekt mit leitet. »Unsere Studie liefert neue Methoden zur Identifizierung von Spuren alter Verbrennungen und zeigt, dass tief im Inneren der Wonderwerk-Höhle wiederholt Feuer vorhanden war.«

Frühmenschen haben Feuer in die Höhle geholt

Die Forschenden untersuchten Hunderte winzige Knochen, die von Eulen stammen, die einst in der Höhle nisteten. Diese bestrahlten sie mit Licht einer bestimmten Wellenlänge. Knochen, die intensiver Hitze ausgesetzt worden sind, leuchten dabei auf bestimmte Art, erklären die Studienautoren. Diese neuartige Lumineszenztechnik kombinierte das Team mit etablierten chemischen Analysen. Auf diese Weise fand es den Angaben zufolge deutliche Anzeichen von Verbrennungen.

Die Funde stammen dabei aus einer archäologischen Schicht, die den Angaben zufolge dem frühen Acheuléen zugeordnet werden muss, einer Kulturstufe aus der Altsteinzeit. Das grenzt die Funde auf den Zeitraum von vor 1,07 bis 1,79 Millionen Jahren ein. Daraus schließen die Forschenden, dass die Funde vom Homo erectus stammen, einer frühen Art der Gattung Homo und einer der Vorfahren des Homo sapiens.

Wichtig sei, dass die verbrannten Überreste etwa 30 Meter tief in der Höhle entdeckt wurden, heißt es, weit außerhalb der Reichweite natürlicher Waldbrände. Auch Selbstentzündung schließen die Forschenden aus. Dass die Frühmenschen das Feuer absichtlich entfachten, geht aus den Belegen aber nicht hervor.

Die Forschenden gehen vielmehr davon aus, dass der Homo erectus natürlich auftretende Brände, etwa durch Blitzeinschläge, genutzt habe. Diese Feuer hätten die Frühmenschen mehrfach in die Höhle geholt und sie dort am Leben gehalten. Das Gewölle der Eulen könnten sie als Brennstoff genutzt haben, was zur Verbrennung der winzigen Knochen führte.

»Diese Entdeckungen zeigen, dass frühe Menschen nicht einfach passive Beobachter natürlicher Brände waren«, sagt Kolska Horwitz. »Sie setzten sich aktiv mit Feuer auseinander und integrierten es in ihr Leben.«