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Nach 88 Tagen: Iran beendet längste Internetsperre der Ge...
Martin Holland · 2026-05-27 · via heise online News

Die historische Internetblockade im Iran ist tatsächlich nach 88 Tagen weitgehend beendet worden, lediglich große soziale Netzwerke bleiben weiterhin gesperrt. Das zeigen die Daten von verschiedenen Beobachtungsstellen, auch Netblocks hat das Land zurück im Internet begrüßt. Zwar seien die schon vorher üblichen Filter weiter in Kraft, die könnten aber umgangen werden, hat die Organisation auf Mastodon erklärt. Erst am Montag hat der iranische Präsident Massud Peseschkian angeordnet, die Internetsperre aufzuheben und sich dabei auf eine Empfehlung des iranischen Onlinerats (Supreme Council of Cyberspace) berufen. Danach hat es Hinweise auf Uneinigkeit in der Führung der Islamischen Republik gegeben, weshalb unklar war, ob die Internetsperre tatsächlich enden würde.

Nach dem Beginn der israelischen und US-amerikanischen Luftangriffe auf den Iran hat das Regime die eigene Bevölkerung weitestgehend vom Internet abgeschnitten. Ausnahmen gab es nur wenige. Anfang März war die Internetblockade zur längsten geworden, die jemals für einen gesamten Staat verhängt wurde. Daran hat dann auch die inzwischen geltende Waffenruhe nichts geändert. Nach 60 Tagen sah sich das Präsidialamt gezwungen, die Maßnahme gegen massive Kritik zu verteidigen. Erst nach insgesamt 2093 Stunden wurde die Sperre jetzt aufgehoben, hat Netblocks ermittelt. Ob die Freigabe Bestand haben wird, ist unklar. Die iranische Justiz hat die Aufhebung zwischenzeitlich per Gerichtsentscheid gestoppt, berichtete Euronews. Trotzdem kam das Internet zurück. Weil das Internet schon im Januar nach Massenprotesten gesperrt war, kamen die Menschen im Iran in diesem Jahr an mehr als 110 von 147 Tagen nicht ins Internet.

Die Nachrichtenagentur dpa zitiert iranische Medien mit der Erklärung, dass der Zugang zum internationalen Internet für alle privaten und geschäftlichen Kunden der nationalen Telekommunikationsgesellschaft über die Breitbandanschlüsse wiederhergestellt worden sei. Aus dem Iran gab es demnach Berichte, dass Menschen wieder Freunde und Familien im Ausland erreichen konnten. Andere blieben weiter offline, vor allem solche, die nur mobil online gehen können. Während der Internetsperrung waren für die meisten Menschen im Iran nur inländische Dienste verfügbar, wichtige Kommunikationskanäle wie vor allem Instagram konnten aber nicht benutzt werden. Das dürfte einen enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet haben, dessen Ausmaß aber noch unklar ist.

(mho)