Die Wiener Börse AG hat das Geschäftsjahr 2025 mit Bestzahlen abgeschlossen: Der Konzernumsatz erreicht 90,1 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern steigt auf 53,4 Millionen Euro. Beide Werte markieren neue Rekorde.
„Aktienmarkt befindet sich auf Rekordhoch“
Parallel dazu liefert der ATX eine Performance ab, die international für Aufsehen sorgt: ein Plus von 52,17 Prozent inklusive Dividenden. Der tschechische PX-Index legt sogar 61,42 Prozent zu. Drei neue Listings im direct market plus für KMU und zwei IPOs in Prag unterstreichen die Dynamik.
„Österreichs Aktienmarkt befindet sich auf Rekordhoch und sticht auch im internationalen Vergleich hervor. Um es passend zur Fußball-WM zur formulieren: Die Dividende ist der Spielmacher unseres Marktes – weltweit angesehen und begehrt“, sagte CEO Christoph Boschan bei der Präsentation der Jahreszahlen am Montag.
Wiener Börse aktivster Listingplatz Europas
Die Handelsvolumina der Börsengruppe erreichen 84 Milliarden Euro. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 74 Milliarden Euro im Vorjahr. Auf Wien entfallen 67 Milliarden Euro, auf Prag 18 Milliarden Euro. Neben dem Kerngeschäft Handel und Listing tragen das Verwahrgeschäft in Tschechien (Central Securities Depository Prague) und der Datenverkauf wesentlich zum Erfolg bei.
Mit rund 31.500 Primärlistings im Anleihen-Bereich ist die Wiener Börse nach eigenen Angaben der aktivste Listingplatz Europas. Die geplante Registrierung des direct market plus als EU-KMU-Wachstumsmarkt soll den Kapitalmarktzugang für kleinere Unternehmen weiter erleichtern. Die Börsengruppe beschäftigt durchschnittlich 169 Mitarbeiter:innen in Vollzeitäquivalenten.
Wertpapierbesitz wächst auch ohne Anreize
Doch die politischen Rahmenbedingungen halten mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Der Wertpapierbesitz in Österreich wächst trotz fehlender steuerlicher Anreize. Laut dem aktuellen Aktienbarometer (eine Studie von Industriellenvereinigung, Aktienforum und Wiener Börse) besitzen mittlerweile 31 Prozent der österreichischen Bevölkerung Wertpapiere. Gegenüber der ersten Erhebung 2023 entspricht das einem Anstieg um rund 25 Prozent.
Angelika Sommer-Hemetsberger, Vizepräsidentin des Aufsichtsrates der Wiener Börse AG, kommentiert: „Der steigende Wertpapierbesitz in Österreich zeigt, dass viele Menschen die Chancen des Kapitalmarkts langst erkannt haben. Nun gilt es, dieses Interesse durch bessere politische Rahmenbedingungen weiter zu fördern.“ Die Reform der betrieblichen Altersvorsorge und die Umsetzung des EU Listing Act seien positive Schritte, ersetzen aber keine umfassende Kapitalmarktstrategie.
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„Hebel liegt in Stärkung der privaten Vorsorge“
Der ATX durchbricht 2025 mehrere „Tausender-Marken“ und überschreitet im laufenden Jahr erstmals die Schwelle von 15.000 Punkten. Die hohe Volatilität an internationalen Märkten befeuert die Handelsaktivität. Doch während österreichische und tschechische Aktien gefragt sind, liegt ein enormes Potenzial brach: Über 350 Milliarden Euro parken in niedrig verzinsten Einlagen oder Bargeld.
Boschan fordert konkrete Maßnahmen: „Der Hebel liegt klar in der Stärkung der privaten Vorsorge. Hier gilt es schlicht, der Empfehlung der Europäischen Union zu folgen und Spar- und Investitionskonten mit steuerlichen Vorteilen zu etablieren.“
Deutschland und Polen gehen mit steuerlich begünstigten Sparkonten voran, Tschechien stellt Kursgewinne nach drei Jahren Haltefrist steuerfrei. Österreich hingegen belastet eigenverantwortliche Vorsorge mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer auf bereits versteuertes Arbeitseinkommen. Boschan nennt das rekordverdächtig.
Die Wiener Börse sieht hier den entscheidenden Ansatzpunkt, um die steigende Beteiligung am Kapitalmarkt auch mit nennenswerten Anlagevolumina zu unterlegen und langfristig Wachstum, Standortstärkung und generationenübergreifenden Wohlstand zu sichern.
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