



















Die Grazer Deep-Tech-Firma Emerald Horizon AG geht am 26. Juni 2026 an die Wiener Börse. Das Unternehmen hat einen wesentlichen Meilenstein dafür erreicht: Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat den Kapitalmarktprospekt gebilligt, zugleich wurde der Antrag auf Zulassung der Aktien zum Handel gestellt.
Der angestrebte Referenzpreis liegt bei 760 Euro je Aktie. Gehandelt wird die Aktie unter der ISIN AT0000A3UZE1 und voraussichtlich unter dem Tickersymbol SMRX. Auständig ist noch das Ja der Wiener Börse zu dem IPO, dieser soll vorausslichtlich am 24. Juni erfolgen und gilt als Formalität.
Mit der Prospektbilligung durch die FMA und dem Zulassungsantrag sind die zentralen formalen Voraussetzungen für das Listing gesetzt.
CEO Florian Wagner ordnet den Schritt so ein: „Der Gang an die Wiener Börse ist für uns ein Bekenntnis zu Transparenz, Verbindlichkeit und langfristiger Verantwortung. Es ist aber auch ein Bekenntnis zu Österreich und zu Europa. Wir brauchen auf diesem Kontinent sichere, planbare und saubere Energie, und wir wollen mit SMRX dazu einen substanziellen Beitrag leisten.“ Eine börsennotierte Emerald Horizon AG sei ein starkes Signal an Kundschaft, Partner und Aktionärinnen und Aktionäre, dass man „ein Unternehmen baut, das den strengen Maßstäben des Kapitalmarkts standhält“.
Mit der Notiz in Wien setzt das Unternehmen ein bewusstes Zeichen gegen den Trend, dass europäische Tech-Firmen ihren Börsengang in den USA suchen. Eine US-Tochter sondiert bereits den nordamerikanischen Markt; ein späteres Zweit-Listing in den Vereinigten Staaten könnte Teil der langfristigen Strategie sein.
Beim IPO strebt Emerald Horizon eine Bewertung von rund 790 Millionen Euro an. Der Free Float soll einen Marktwert von etwa 200 Millionen Euro erreichen. Zur Sicherstellung der Liquidität sollen drei Market Maker das Listing begleiten, flankiert von Research Coverage und einem internationalen Marketing-Programm. Das angepeilte tägliche Handelsvolumen liegt bei über 500.000 Euro.
Damit wäre Emerald Horizon deutlich größer als der jüngste österreichische Börsengang aus dem Innovationsumfeld: Der auf Insektenzucht spezialisierte Reploid kommt aktuell auf eine Bewertung von 187 Millionen Euro.
Unter der Marke SMRX bündelt Emerald Horizon zwei sich ergänzende Technologielinien: integrierte Energiespeicher-Infrastrukturen sowie modulare Kleinreaktoren einer neuen Generation. Gemeinsam zielt das Portfolio auf skalierbare, kohlenstoffarme Grundlast-Energiesysteme.
Den schon heute bestehenden Bedarf an planbarer, dezentraler Energie adressiert das hybride Speichersystem DUALstore PLUS – eine Kombination aus Batterie- und Wärmespeicher mit KI-gestützter Steuerung. Neben dem von einem Drittanbieter zugekauften Batteriespeicher Estore ist CALstore zentraler Bestandteil von DUALstore PLUS. CALstore entwickelt Emerald Horizon selbst als Wärmespeichersystem auf Basis von geschmolzenem Salz.
Parallel arbeitet das Unternehmen mit ADES an einem thoriumbasierten Reaktor der nächsten Generation – nach eigenen Angaben ohne Uran, ohne Plutonium und ohne langlebigen transuranen Abfall. Small Modular Reactors (SMR) gelten als kompaktere, modular fertigbare Alternative zu klassischen Großreaktoren und stehen derzeit im Zentrum europäischer und US-amerikanischer Energiepolitik; zuletzt hat die EU eine eigene Förderung für SMRs aufgelegt.
Das Geschäftsmodell setzt auf „Energy-as-a-Service“: Kunden leisten keine Vorabinvestitionen, sondern zahlen über Contracting-Modelle monatlich für gelieferte Energie. Technologierisiko und Vorfinanzierung verbleiben beim Unternehmen – ein kapitalintensiver Ansatz, der laut Emerald Horizon der primäre Treiber für den Börsengang ist. Als Partner nennt das Unternehmen die niederländische VDL Gruppe (ihrerseits Zulieferer von ASML) sowie eine akademische Kooperation mit der TU Graz. Erklärtes Ziel ist es, Europas Abhängigkeit von Energieimporten aus China, Russland und den USA zu verringern.
Besondere Relevanz erhält die SMR-Technologie durch eine Entwicklung, die kaum zu übersehen ist: KI-Rechenzentren im Gigawatt-Bereich. Solche Anlagen sollen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa entstehen – und werfen die Frage auf, woher sie eine stabile Stromversorgung beziehen sollen. Konzerne wie Meta, Microsoft oder Amazon setzen dafür künftig auf SMRs, die direkt neben die Rechenzentren gebaut werden sollen.
Für Emerald Horizon bedeutet dieses Umfeld zweierlei: einerseits hohes Investoreninteresse an SMR-Themen mit politischem Rückenwind, andererseits ein anspruchsvolles Vergleichsuniversum. Bei bereits notierten SMR-Aktien zeigt sich nach einer extremen Rallye ein gemischtes Bild. NuScale Power ist seit Anfang 2024 um mehr als 400 Prozent gestiegen, Oklo um nahezu 600 Prozent; auf dem Höhepunkt 2025 lagen beide Titel zeitweise mehr als 1.000 Prozent im Plus, bevor sie 2026 rund 20 Prozent korrigierten. Beide Unternehmen haben bislang keinen kommerziellen Reaktor in Betrieb, weshalb ihre Bewertungen primär Wetten auf künftige Umsätze sind.
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