
























Nur wenige Tage nach seinem historischen Börsengang zieht SpaceX die angekündigte Übernahme tatsächlich durch: Der Raumfahrt- und KI-Konzern von Elon Musk kauft das KI-Coding-Startup Cursor in einem reinen Aktien-Deal im Wert von 60 Milliarden US-Dollar. Das geht aus einem regulatorischen Filing hervor, das SpaceX am Dienstag eingereicht hat. Damit wird der Zukauf weniger als zwei Monate nach der ersten Ankündigung einer Zusammenarbeit der beiden Unternehmen besiegelt.
Der Kaufpreis wird komplett in SpaceX-Aktien bezahlt, also nicht mit Teilen jener 85,7 Milliarden Dollar, die Musks Unternehmen beim IPO eingenommen hat.
Mit dem Milliarden-Deal will Musk seine KI-Sparte gegen die führenden Labs in Stellung bringen. Diese Sparte ist rund um xAI aufgebaut – jene KI-Firma Musks, mit der SpaceX Anfang des Jahres fusioniert hatte. Erklärtes Ziel ist es, den Rückstand auf die großen Player wie Anthropic und OpenAI aufzuholen.
Ausgerechnet diese KI-Einheit, die SpaceX im Zuge des IPO als zentrales Versprechen vermarktet hatte, steckt jedoch mitten in einer Restrukturierung. Vorausgegangen waren wiederholte Kontroversen – unter anderem, weil Nutzer:innen über die Tools nicht-einvernehmliche Deepfakes von Frauen und Kindern erzeugen konnten.
Den Investor:innen hatte SpaceX im Vorfeld des Börsengangs eine gewaltige Marktchance in Aussicht gestellt: einen adressierbaren Markt für KI-Produkte im Volumen von 26 Billionen US-Dollar – das entspricht in etwa der gesamten Wirtschaftsleistung der USA. Der Abschluss der Cursor-Übernahme soll laut SpaceX voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres erfolgen. Cursor wird dann zur hundertprozentigen Tochter des Konzerns.
Die Einzelheiten gehen aus dem Form 8-K hervor, das SpaceX bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichte. Demnach schlossen Space Exploration Technologies Corp., deren hundertprozentige Tochter X67 Inc. sowie die Cursor-Mutter Anysphere am 16. Juni 2026 ein Verschmelzungsabkommen (Agreement and Plan of Merger). Rechtlich handelt es sich um eine klassische Reverse-Triangular-Merger-Konstruktion: Die Tochter X67 verschmilzt auf Cursor, das die Fusion als hundertprozentige SpaceX-Tochter überdauert.
Bezahlt wird ausschließlich in Aktien. Zum Stichtag der Wirksamkeit werden sowohl jede Stammaktie als auch jede Vorzugsaktie von Cursor automatisch in einen Anspruch auf Class-A-Stammaktien von SpaceX umgewandelt. Grundlage der Umrechnung ist ein impliziter Eigenkapitalwert von Cursor in Höhe von 60,0 Milliarden US-Dollar.
Entscheidend für das tatsächliche Umtauschverhältnis ist die Bewertung der SpaceX-Aktie: Herangezogen wird der volumengewichtete durchschnittliche Schlusskurs (VWAP) der Class-A-Aktie über die sieben aufeinanderfolgenden Handelstage unmittelbar vor dem Closing. Für die frisch gelisteten SpaceX-Papiere bedeutet das, dass die Zahl der an die Cursor-Eigentümer:innen ausgegebenen Aktien erst kurz vor Abschluss feststeht – ein potenzieller Hebel, falls der Kurs in dieser Phase stark schwankt.
Der Vollzug steht unter den im Abkommen festgelegten Bedingungen, darunter insbesondere die erforderlichen behördlichen Genehmigungen. Der vollständige Vertragstext liegt dem 8-K als Exhibit 10.1 bei. SpaceX rechnet weiterhin mit einem Abschluss im dritten Quartal 2026.
Bevor SpaceX anklopfte, war Cursor auf dem besten Weg, eine Finanzierungsrunde über zwei Milliarden Dollar abzuschließen – unter anderem mit Andreessen Horowitz, Thrive und Nvidia. Diese Runde hätte das Startup mit 50 Milliarden Dollar bewertet, wie TechCrunch berichtete. Musks Unternehmen kam dem mit einem ungewöhnlichen Angebot zuvor: Bereits im April – noch vor dem IPO – sicherte sich SpaceX das Recht, Cursor für 60 Milliarden Dollar in Aktien zu kaufen, oder im Fall eines Scheiterns eine Break-up-Fee von 10 Milliarden Dollar zu zahlen.
Cursor wird von der San-Francisco-Firma Anysphere entwickelt und gilt als einer der populärsten KI-Coding-Assistenten am Markt. Ein wesentlicher Reiz für SpaceX dürfte die breite „Distribution zu erfahrenen Software-Engineers“ sein, wie der Konzern es selbst beschreibt – sprich: der Zugang zu einer neuen, hochwertigen Nutzerbasis.
Cursor selbst hatte bei der ersten Ankündigung in Aussicht gestellt, dank der Partnerschaft mit der SpaceX-Tochter xAI künftige KI-Produkte auf dem riesigen Rechenzentrumskomplex Colossus im US-Bundesstaat Tennessee (Memphis) zu entwickeln.
Das 2022 gegründete Startup hat maßgeblich dazu beigetragen, den Trend des sogenannten „Vibe Coding“ loszutreten – jene Entwicklung, bei der KI-Assistenten zunehmend selbst die Arbeit von Programmierer:innen übernehmen.
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