





























Kurz nach dem Börsengang von SpaceX hat der KI-Forscher Yann LeCun Elon Musks KI-Unternehmen xAI deutlich kritisiert. In einem Interview mit dem US-Sender CNBC, das am Rande der Technologiekonferenz VivaTech in Paris geführt wurde – dem Standort, an dem auch sein eigenes Unternehmen AMI Labs seinen Hauptsitz hat –, bezeichnete LeCun xAI als „eine Art Scheitern“ („kind of a failure“). Er gehe nicht davon aus, dass das Unternehmen an der Spitze der KI-Entwicklung mit OpenAI und Anthropic mithalten könne.
LeCun, der früher Chef-KI-Wissenschaftler bei Meta war und wegen seiner frühen Arbeiten in dem Feld häufig als einer der „Godfathers of AI“ bezeichnet wird, begründete seine Einschätzung vor allem mit personellen Abgängen. Über das vergangene Jahr hätten mehrere Mitgründer xAI verlassen. Dadurch sei Musk nun in einer „sehr, sehr schwierigen“ Lage, wenn es darum gehe, Top-Talente in der KI zu rekrutieren – auch, weil er sich gegenüber dem früheren Team nicht gut verhalten habe.
Die Aussagen knüpfen an eine seit Längerem schwelende Auseinandersetzung zwischen den beiden an. LeCun und Musk geraten seit Jahren öffentlich aneinander, unter anderem über KI-Themen und über das, was LeCun als „Verschwörungstheorien“ des Tesla-Chefs in den sozialen Medien beschrieb. Musk wiederum warf LeCun vor, schon lange den Anschluss an die KI verloren zu haben.
Im Februar hatte Musk SpaceX mit xAI verschmolzen – in einem Deal, der das Unternehmen mit 1,25 Billionen US-Dollar bewertete. Im ersten Quartal (bis 31. März) verbuchte das KI-Segment von SpaceX, zu dem xAI zählt, nach den vorliegenden Zahlen einen operativen Verlust von 2,5 Milliarden US-Dollar.
LeCun verwies zudem auf die „riesige Infrastruktur“ von xAI – gemeint sind die Rechenzentren Colossus 1 und Colossus 2 im US-Bundesstaat Tennessee (Memphis). Diese vermiete xAI an andere Unternehmen, um die Kosten wieder hereinzuholen; sowohl Google als auch Anthropic hätten dort Rechenkapazität angemietet. „Ich bin nicht sehr optimistisch, was die Aussichten von xAI angeht“, so LeCun.
Sein eigenes Unternehmen AMI Labs hatte im März eine Finanzierungsrunde über eine Milliarde US-Dollar abgeschlossen – bei einer Pre-Money-Bewertung von 3,5 Milliarden Dollar. AMI Labs arbeitet an sogenannten World Models, die LeCun als entscheidend für die nächste Stufe der KI-Entwicklung sieht.
Über xAI hinaus äußerte sich LeCun grundsätzlich skeptisch zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Branche. KI erweise sich als teurer als erwartet; OpenAI-CEO Sam Altman habe die Kosten zuletzt als „großes Thema“ bezeichnet. Zwar stiegen die Preise für KI-Dienste, doch sänken die Betriebskosten nicht schnell genug. Die Anbieter machten Verluste, die Nutzung werde im Wesentlichen von Investoren finanziert – „das kann nicht ewig so weitergehen“, sagte LeCun.
Labore wie OpenAI und Anthropic müssten daher die Preise erhöhen oder die Kosten senken – andernfalls drohe eine „große Blasen-Explosion“.
LeCun gilt als prominenter Kritiker der Grenzen von Large Language Models (LLMs), der Grundlage der aktuellen Generation führender KI-Produkte. Stattdessen setzt er auf World Models: Diese verfolgen einen anderen Ansatz und versuchen, ein Verständnis dafür aufzubauen, wie die reale oder simulierte Welt funktioniert – inklusive Objekten, Ursache und Wirkung sowie Handlungen.
„Ich persönlich glaube nicht, dass wir verlässliche, generalisierte agentische Systeme bekommen werden, bevor sie auf World Models basieren“, sagte LeCun. LLMs seien zwar für Bereiche wie Programmierung oder Mathematik nützlich. Doch die Kosten, solche Systeme mit dieser Leistung zu betreiben, seien sehr hoch – gemessen an dem, was Nutzerinnen und Nutzer dafür zu zahlen bereit seien.
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