Das österreichisch-schweizerische Fintech Talentir hat eine Seed-Finanzierung über vier Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom europäischen Venture-Capital-Geber Redstone. Das Unternehmen automatisiert internationale Auszahlungen mithilfe von künstlicher Intelligenz und einer Stablecoin-basierten Settlement-Infrastruktur.
Während die Annahme von Zahlungen durch Anbieter wie Stripe oder Adyen weitgehend standardisiert ist, gilt die Auszahlungsseite vieler Geschäftsmodelle nach wie vor als komplex, langsam und teuer. Besonders Plattformen, Marktplätze, Creator-Economy-Unternehmen und internationale Freelancer-Netzwerke müssen Erlöse häufig über viele Empfänger, Länder, Währungen und Steuerregime hinweg verteilen. Genau dieses „Money-Out“-Problem will Talentir lösen.
Von der Creator Economy zur Auszahlungsplattform
Die Technologie von Talentir entstand ursprünglich in der Musik- und Creator-Branche, wo Einnahmen regelmäßig auf Künstler, Produzenten, Agenturen und Rechteinhaber aufgeteilt werden müssen. Daraus entwickelte das Unternehmen eine Plattform, die den gesamten Auszahlungsprozess automatisiert: von der Datenverarbeitung über Compliance- und Steueranforderungen bis hin zum Empfänger-Onboarding und der eigentlichen Transaktion.
Ein zentrales Element ist die Rolle als Merchant of Record auf der Auszahlungsseite. Talentir übernimmt damit regulatorische Aufgaben wie Compliance-Prüfungen, steuerliche Behandlung und Empfängerverwaltung, sodass Kundenunternehmen diese Prozesse auslagern und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.
KI und Stablecoins als technische Basis
Technologisch kombiniert Talentir künstliche Intelligenz mit einer eigenen, Stablecoin-basierten Settlement-Infrastruktur. Auszahlungen sollen dadurch innerhalb von Sekunden statt Tagen abgewickelt werden – bei zugleich niedrigeren Transaktionskosten und geringerem operativem Aufwand. Stablecoins, lange vor allem mit dem Kryptomarkt assoziiert, etablieren sich zunehmend als Infrastruktur für internationale Finanztransaktionen.
Nach eigenen Angaben wickelt das Unternehmen bereits heute mit einem Team von sechs Personen täglich Auszahlungen im siebenstelligen Euro-Bereich ab. Als nächstes Ziel nennt Talentir ein jährliches Auszahlungsvolumen von 100 Millionen Euro.
Die Investoren
Angeführt wird die Runde von Redstone, einem europäischen VC mit rund 600 Millionen US-Dollar verwaltetem Vermögen; auf Seiten des Lead-Investors war Richard Würl beteiligt.
Mit an Bord ist Inovia Capital, eine global agierende Multi-Stage-Firma mit rund 2,5 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen, vertreten durch Christophe Morbee (zugleich NewSchool.vc). Über Inovia kommen der frühere Google-CFO und ehemalige Twitter-Chairman Patrick Pichette sowie der ehemalige Deliveroo-CFO Raif Jacobs in die Runde.
Zu den weiteren Kapitalgebern zählen Shapers rund um Philippe Teixeira da Mota (zuvor bei Hedosophia) gemeinsam mit Inês Melo e Castro und Thomas Teixeira da Mota, der Schweizer Fintech-Hub Tenity mit Oliver Sjöstedt und Guillermo Forteza sowie NOIA Capital, BFC und Cambrena Capital, die die Runde nach Angaben der Gründer früh initiierten. Als Angel-Investor beteiligt ist zudem Mark Ransford, ehemaliger Managing Director bei Apax Partners und Business Angel unter anderem bei Payhawk, Wayflyer und Zego.
Verwendung des Kapitals
Mit dem frischen Kapital will Talentir seine KI-native Plattform ausbauen, die Merchant-of-Record-Infrastruktur weiterentwickeln und international expandieren. Das Unternehmen positioniert sich dabei bewusst als europäische Alternative zu US-dominierten Finanzinfrastrukturen und kündigte an, weiter zu wachsen und Personal aufzubauen.
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