Der weltgrößten Kryptobörse Binance droht der Verlust des Marktzugangs in der Europäischen Union. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters steht der von Binance in Griechenland gestellte Antrag auf eine MiCA-Lizenz vor der Ablehnung – mit Folgen für alle 27 Mitgliedsstaaten. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten Reuters, dass die griechische Kapitalmarktkommission (Hellenic Capital Market Commission, HCMC) den Antrag voraussichtlich zurückweisen werde. Binance widerspricht dieser Darstellung.
Worum es bei MiCA geht
Hintergrund ist die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (Markets in Crypto Assets, kurz MiCA), die einen einheitlichen Rechtsrahmen für Kryptodienstleister in der EU schafft. Die Regulierung sieht ein einheitliches Zulassungssystem vor: Wer von einer einzigen nationalen Aufsichtsbehörde in der EU genehmigt wird, erhält sogenannte Passporting-Rechte – also das Recht, Dienste in allen 27 Mitgliedsstaaten anzubieten, ohne separate Genehmigungen in jedem Land zu benötigen. Eine Zulassung in einem Land wirkt damit für die gesamte Union – das gilt jedoch im Umkehrschluss auch bei einer Ablehnung.
Die Übergangsfrist, innerhalb derer Kryptofirmen eine solche nationale Zulassung erlangen müssen, läuft Ende Juni 2026 ab; ab dem 1. Juli greift der neue Rahmen vollständig. Ohne MiCA-Lizenz dürfte Binance seine Dienste in der EU ab diesem Zeitpunkt nicht mehr anbieten.
Der Antrag in Griechenland
Binance hatte seinen Antrag im Januar 2026 über die griechische Aufsichtsbehörde eingereicht und Griechenland zuvor als bevorzugten Regulierungsstandort in Europa benannt – mit Verweis auf die Arbeitskräfte und Sicherheitsvorteile des Landes. Co-CEO Richard Teng, der zuvor regulatorische Funktionen in Singapur und Abu Dhabi innehatte, hatte Griechenland noch im Februar öffentlich als bevorzugten Standort beworben und sich zuversichtlich gezeigt, die Anforderungen zu erfüllen.
Eine Sprecherin der HCMC lehnte unter Verweis auf Verschwiegenheitspflichten einen Kommentar zum Antrag ab. Auch die europäische Wertpapieraufsicht ESMA äußerte sich öffentlich nicht.
Binance widerspricht
Die Börse selbst bestätigt die drohende Ablehnung nicht und stellt den Sachverhalt anders dar. Nach eigenen Angaben verfolgt Binance die MiCA-Lizenz seit rund 18 Monaten und hat in dieser Zeit konstruktiv mit den Aufsichtsbehörden zusammengearbeitet, einschließlich eines umfassenden Antragsverfahrens bei der HCMC. Das Unternehmen erklärt, sein Verständnis sei, dass die HCMC die Prüfung des Antrags abgeschlossen und ihn als mit den MiCA-Anforderungen vereinbar eingestuft habe – und dass der Antrag auch auf ESMA-Ebene geprüft worden sei.
Binance geht zudem davon aus, dass die griechische Kommission die ESMA über ihre positive Bewertung informiert und beabsichtigt habe, die Lizenz bei einer kommenden Sitzung zu genehmigen. Auf der Plattform X bekräftigte das Unternehmen, „uneingeschränkt an dem Ziel festzuhalten, die MiCA-Lizenz zu erhalten und unter einem einheitlichen europäischen Rahmen zu operieren“. Nach eigenen Angaben zählt Binance weltweit mehr als 300 Millionen registrierte Nutzer.
Die Börse erklärte, ihre Priorität liege darin, Beeinträchtigungen für die Nutzer zu minimieren, und kündigte an, vor dem 30. Juni 2026 weitere Details zu nächsten Schritten und verfügbaren Optionen direkt an die Kundinnen und Kunden zu kommunizieren. Die Folgen reichten dabei über Binance hinaus und berührten auch breitere Fragen wie die Liquidität in den europäischen Märkten, die Wettbewerbsfähigkeit und die Steuerbasis, so das Unternehmen.
Einordnung: Test für die MiCA-Durchsetzung
Der Fall gilt als Gradmesser dafür, wie streng die europäischen Behörden den neuen Rahmen durchsetzen. Mehrere andere Kryptofirmen haben bereits Lizenzen in EU-Mitgliedsstaaten erhalten; unter anderem haben Aufsichtsbehörden in Deutschland und den Niederlanden Anbieter zugelassen. Eine ablehnende Entscheidung könnte lizenzierten Wettbewerbern wie Coinbase und Kraken im europäischen Markt zugutekommen.
Bestätigt ist die Ablehnung bislang nicht – weder die griechische Aufsicht noch die ESMA haben sich offiziell geäußert. Klarheit dürfte spätestens die angekündigte Binance-Mitteilung bringen. Bis zum Ablauf der Frist sind es nur noch wenige Tage.
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