Sie gehörten eine Zeit lang zu jener Kohorte von Scale-ups in Österreich, die stark wuchsen, aber das ist nun vorbei: Über das Vermögen der Metaloop Europe GmbH (vormals ROMSH GmbH) wurde am Landesgericht Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das gibt der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) heute bekannt. Betroffen sind rund 153 Gläubiger mit Gesamtforderungen von etwa 11,08 Millionen Euro sowie zehn Dienstnehmer. Das Unternehmen will fortgeführt und saniert werden.
Den Gläubigern wird eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent angeboten, zahlbar innerhalb von zwei Jahren nach Annahme des Sanierungsplans. Finanziert werden soll diese Quote zunächst über den Abbau von Lagerbeständen und die Einziehung offener Forderungen, in weiterer Folge aus den laufenden Erträgen des Geschäftsbetriebs. Der AKV weist darauf hin, dass der Vorschlag derzeit lediglich den gesetzlichen Mindesterfordernissen entspricht, und prüft, ob er verbessert werden kann.
Digitaler Handel mit Altmetall
Metaloop ist im internationalen Handel mit Sekundärmetallen tätig, mit Schwerpunkt auf Kupfer, Aluminium und Edelstahl. Als Vermittlerin verbindet das Unternehmen industrielle Quellen mit Abnehmern wie Hütten- und Schmelzbetrieben und übernimmt dabei den gesamten Handelsprozess – von der Preisfestlegung über die Organisation der Transporte bis zur finanziellen Abwicklung. Basis dafür ist eine eigens entwickelte IT-Lösung für den Metallhandel. Sitz ist Graz, wo Geschäftsleitung, operativer Handel und Logistik angesiedelt sind; in Wien befindet sich der Finanzbereich. Die Löhne und Gehälter wurden bis inklusive Mai ausbezahlt.
Die heutige Metaloop Europe GmbH entstand durch die Verschmelzung der Schrott24 GmbH mit der ROMSH GmbH (Eintragung 14. November 2025). Die 2016 gegründete Schrott24 GmbH war unter der Marke Metaloop im Metallrecycling aktiv und wurde mit der Verschmelzung gelöscht. Die 2024 gegründete ROMSH GmbH wurde am 14. November 2025 in Metaloop Europe GmbH umbenannt und führt das operative Geschäft fort.
Die Gründe
Ursprünglich als eigenkapitalfinanziertes Startup aufgebaut, durchlief das Unternehmen laut eigenen Angaben eine verlustreiche Aufbauphase mit steigenden Umsätzen und erreichte Anfang 2026 den Break-even. Seither arbeitet es – durch die Fokussierung auf margenstärkere Geschäfte und effizientere Strukturen – leicht profitabel.
Die Liquidität blieb jedoch angespannt, weil weitere Eigenkapitalzuführungen ausblieben. Das führte zu höherem Aufwand im Tagesgeschäft, eingeschränkter Geschäftsentwicklung und einem Vertrauensverlust bei Partnern. Zusätzlich belasteten eine schwache Industriekonjunktur, volatile Rohstoffmärkte und strengere regulatorische Vorgaben das Umfeld. Trotz positiver operativer Entwicklung reichen die Mittel nach Unternehmensangaben nicht aus, um anstehende Kreditrückzahlungen zu bedienen. Mangels weiterer Finanzierung bestehe daher keine positive Fortbestehensprognose.
Die Aktiva bewertet die Schuldnerin mit rund 10,2 Millionen Euro – darunter Waren und Vorräte von etwa 2,66 Millionen Euro sowie offene Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 6,44 Millionen Euro. Dem stehen Passiva von rund 11,08 Millionen Euro gegenüber.
Hintergrund
Das Grazer Startup, gegründet von Jan Pannenbäcker und Alexander Schlick, hatte zuvor Risikokapital eingesammelt. Im September 2023 schloss Schrott24 für die Marke Metaloop eine überzeichnete Series-A-Finanzierung über mehr als 16 Millionen Euro ab, angeführt vom New Yorker Technologieinvestor FirstMark Capital, mit Beteiligung von Silence VC sowie den Bestandsinvestoren Statkraft Ventures und FJ Labs. Das Kapital sollte das internationale Wachstum und den Ausbau der Softwareplattform vorantreiben.
Metaloop: Grazer Scale-up, früher als Schrott24 bekannt, holt 16 Millionen Euro
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