






















Das chinesische KI-Labor DeepSeek hat seine erste externe Finanzierungsrunde abgeschlossen und dabei mehr als 50 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 7,4 Milliarden US-Dollar, eingesammelt. Die Bewertung liegt bei über 50 Milliarden Dollar – damit ist das Unternehmen aus Hangzhou laut übereinstimmenden Berichten Chinas wertvollstes KI-Startup. Im internationalen Vergleich bleibt die Zahl dennoch bescheiden: US-Konkurrent OpenAI schloss zuletzt eine Runde über 122 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von rund 852 Milliarden Dollar ab, Anthropic sammelte 65 Milliarden Dollar ein.
Die Diskrepanz ist im Wesentlichen geopolitisch bedingt. DeepSeek kann nur in China Kapital aufnehmen und hat eingeschränkten Zugang zu amerikanischer Hardware. Es sei für das Unternehmen daher wenig sinnvoll, mit den Multi-Milliarden-Dollar-Compute-Budgets der US-Rivalen mithalten zu wollen, wird ein Analyst von Reuters zitiert.
DeepSeek war bis zu dieser Runde ohne externe Investoren ausgekommen. Gegründet wurde das Labor im Juli 2023 von Liang Wenfeng, der das nötige Kapital aus seinem Quant-Hedgefonds High-Flyer und privaten Mitteln bezog. Anders als westliche Wettbewerber, die früh auf Risikokapital oder Cloud-Subventionen großer Tech-Konzerne setzten, finanzierte sich DeepSeek bislang vollständig selbst.
Der größte Geldgeber der aktuellen Runde ist der Gründer selbst: Liang steuerte nach Angaben mit der Sache vertrauter Personen rund 20 Milliarden Yuan (etwa 3 Milliarden Dollar) bei. Tencent investierte rund 10 Milliarden Yuan (etwa 1,4 Milliarden Dollar), der Batteriehersteller CATL etwa 5 Milliarden Yuan. Hinzu kommt Chinas National Artificial Intelligence Industry Investment Fund – das staatliche Vehikel, über das Peking Kapital in strategische Technologiesektoren lenkt.
Bemerkenswerter als die Summe ist die Konstruktion der Runde. Die kommerziellen Investoren mussten ihr Kapital nicht direkt in DeepSeek einbringen, sondern in eine Limited Partnership, die von CEO Liang Wenfeng verwaltet wird. Damit erhalten sie keine direkten Anteile am Unternehmen, keine Stimmrechte und unterliegen einer fünfjährigen Lock-up-Frist – Sekundärverkäufe oder schnelle Exits sind ausgeschlossen. Tencents 1,4-Milliarden-Dollar-Scheck bringt dem Konzern entsprechend keinerlei Governance-Einfluss.
Eine einzige Ausnahme gibt es: Der staatliche National Artificial Intelligence Industry Investment Fund erhielt direkte Unternehmensanteile, Stimmrechte und ist von der Lock-up-Frist befreit. Er umgeht die Limited-Partnership-Konstruktion vollständig. Berichten zufolge prüfte Liang zudem persönlich die Identität der Geldgeber hinter den investierenden Fonds, um auszuschließen, dass unbekanntes – etwa ausländisches – Kapital an Anteile gelangt.
Die Struktur ist erkennbar darauf ausgelegt, die Kontrolle des Gründers zu sichern und den Investorenkreis abzuschotten. Beobachter werten die Runde, getragen vom Gründer und einer Riege heimischer Großkonzerne, daher ebenso als strategisches wie als finanzielles Signal. Offen bleibt, ob Liangs enger Kontrollanspruch – ohne externes Board, ohne Investorendruck – zum Vorteil oder zur Belastung wird, wenn DeepSeek weiter skaliert. Kritiker verweisen zudem auf die Personalfluktuation: Mehrere Schlüsselforscher haben das Unternehmen zuletzt zugunsten höher bezahlter Positionen bei Xiaomi oder ByteDance verlassen.
DeepSeeks Aufstieg gründet auf einem offenen Modellansatz: Durch die freie Veröffentlichung der Modellgewichte hat das Labor die Modellebene faktisch zur Massenware gemacht und den Markt zu einem Wettbewerb über Kosteneffizienz statt über reine Leistungsfähigkeit gezwungen.
In den aktuellen Rankings positionieren sich die DeepSeek-Modelle als preislich attraktivste Option im Bereich nahe der Spitze, ohne diese ganz zu erreichen. Auf der Chatbot Arena (LMArena), die auf Millionen verblindeter Nutzervergleiche basiert, bewegen sich die Spitzenmodelle in einer Elo-Spanne von rund 1.450 bis 1.560; DeepSeeks Reasoning-Modelle reihen sich am unteren Rand dieses Frontier-Bereichs ein und punkten vor allem in den Kategorien Mathematik und Logik.
Beim Intelligence Index von Artificial Analysis, der Reasoning, Geschwindigkeit und Kosten kombiniert, liegt DeepSeek V4 Pro deutlich über dem Median vergleichbarer Open-Weight-Modelle, bleibt in der absoluten Spitze aber hinter den führenden proprietären Systemen von Anthropic, OpenAI und Google. Sein zentrales Verkaufsargument ist der Preis: Mit rund 0,45 Dollar je Million Input-Token zählt DeepSeek V4 Pro zu den günstigsten Modellen im Frontier-nahen Segment und unterbietet die Top-Anbieter um etwa eine Größenordnung. Auf spezialisierten Vergleichslisten chinesischer Modelle führt DeepSeek V4 Pro vor Wettbewerbern wie GLM-5.1, Kimi K2.6 und Qwen.
Kurz: leistungsstark und extrem günstig, aber an der absoluten Spitze noch nicht ganz angekommen.
Über DeepSeek liegt allerdings ein Vorwurf, der im Februar 2026 für erhebliche Aufmerksamkeit sorgte. Der US-Anbieter Anthropic, Entwickler des Modells Claude, beschuldigte DeepSeek gemeinsam mit den chinesischen Laboren Moonshot AI und MiniMax in einem Blogbeitrag, in „industriellem Maßstab“ Fähigkeiten aus Claude extrahiert zu haben. Konkret sollen die drei Firmen über rund 24.000 betrügerisch angelegte Accounts mehr als 16 Millionen Interaktionen mit Claude generiert haben – ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen und die regionalen Zugangsbeschränkungen, da Claude in China kommerziell nicht verfügbar ist. Um die Sperren zu umgehen, sollen die Unternehmen auf kommerzielle Proxy-Dienste zurückgegriffen haben.
Im Zentrum steht der Begriff der Destillation: ein Verfahren, bei dem ein kleineres „Schüler“-Modell auf den Ausgaben eines stärkeren „Lehrer“-Modells trainiert wird. Anthropic betont, dass Destillation ein verbreitetes und legitimes Trainingsverfahren sei – etwa, wenn Labore eigene Modelle verkleinern. Illegitim werde sie erst, wenn Wettbewerber damit fremde Fähigkeiten in einem Bruchteil der Zeit und Kosten abschöpften. Den Großteil des Datenverkehrs ordnete Anthropic dabei MiniMax zu (über 13 Millionen Interaktionen); DeepSeek soll rund 150.000 gezielte Austausche durchgeführt haben, die auf Claudes Reasoning-Fähigkeiten und auf zensurkonforme Antworten zu sensiblen Themen abzielten. Anthropic stützt die Zuordnung nach eigenen Angaben auf IP-Korrelationen, Metadaten, Infrastrukturindikatoren und Hinweise von Industriepartnern.
Anthropic verband die Vorwürfe mit nationaler Sicherheit: Illegal destillierte Modelle könnten zentrale Sicherheitsvorkehrungen vermissen lassen und etwa für offensive Cyberoperationen, Desinformation oder Massenüberwachung eingesetzt werden. Das Unternehmen forderte KI-Firmen, Cloud-Anbieter und Gesetzgeber zu einer koordinierten Reaktion auf.
Aus Datenschutz-Gründen ist dieser Inhalt ausgeblendet. Die Einbettung von externen Inhalten kann in den Datenschutz-Einstellungen aktiviert werden:
此内容由惯性聚合(RSS阅读器)自动聚合整理,仅供阅读参考。 原文来自 — 版权归原作者所有。