Eigentlich hätte GPT-5.6 ja bereits am Mittwoch präsentiert werden können, aber nun kommt es anders: Die US-Regierung greift direkt in den Produktfahrplan von OpenAI ein. Wie das Branchenmedium The Information berichtete, hat die Trump-Administration das Unternehmen gebeten, die Veröffentlichung seines nächsten KI-Modells GPT-5.6 zu staffeln, statt es sofort breit auszurollen. OpenAI hat dem Vernehmen nach zugestimmt.
Konkret soll GPT-5.6 zunächst nur als begrenzte Preview für eine kleine Gruppe von Unternehmenskunden erscheinen. Ungewöhnlich ist vor allem das Verfahren dahinter: Laut einem internen Memo, aus dem mehrere Medien zitieren, will die Regierung den Zugang in dieser Phase „customer by customer“ – also Kunde für Kunde – freigeben. CEO Sam Altman informierte die Belegschaft demnach in einem Q&A am Mittwoch. Ein breiterer Rollout soll folgen, sofern die Prüfung gut verläuft – laut Altman „ein paar Wochen später“.
Angst vor Zugriff aus China
Den Anstoß gaben dem Vernehmen nach mehrere Behörden: das Office of the National Cyber Director (ONCD) und das Office of Science and Technology Policy (OSTP). Berichten zufolge riet auch Handelsminister Howard Lutnick davon ab, ohne ressortübergreifende Freigaben zu starten. Hintergrund sind Sorgen, dass besonders leistungsfähige Modelle bestehende Cyber-Abwehrmechanismen aushebeln, kritische Infrastruktur stören oder in die Hände gegnerischer Staaten wie China gelangen könnten.
Die Bitte fügt sich in eine Executive Order ein, die Trump Anfang Juni unterzeichnet hatte. Sie sieht einen freiwilligen Rahmen vor, in dem die Regierung besonders leistungsfähige Modelle bis zu 30 Tage vor dem Release auf Sicherheitsrisiken prüfen kann. Eine verbindliche Zulassungspflicht gibt es bislang nicht – die Regierung interveniert von Fall zu Fall.
Anthropic traf es härter
Für den Rivalen Anthropic fiel die staatliche Intervention zuletzt deutlich rigoroser aus. Mitte Juni zwang die Trump-Administration das Unternehmen per Export-Kontroll-Direktive, seine jüngsten Modelle Fable 5 und Mythos 5 vollständig offline zu nehmen. Die Anordnung untersagte „foreign nationals“ – also Personen ohne US-Staatsbürgerschaft – den Zugriff; in der Folge setzte Anthropic die Modelle für sämtliche Nutzer aus. Das GPT-5.6-Arrangement gilt im Vergleich als permissiver: OpenAI darf ausliefern, wenn auch kontrolliert und nur an genehmigte Kunden.
Bemerkenswert ist die Verschiebung dahinter. Über Jahre haben die KI-Labore selbst darüber gestritten, wie offen sie ihre Systeme veröffentlichen. Zunehmend fällt diese Entscheidung in Washington. Mit dem Kunde-für-Kunde-Verfahren beansprucht die Regierung faktisch ein Mitspracherecht darüber, wer ein kommerzielles Spitzenmodell zuerst nutzen darf – ein Vorgang, der zum Muster für künftige Releases anderer Anbieter werden könnte.
Offen bleibt, was die Prüfung im Detail umfasst und wie lange sie dauert. OpenAI und das Weiße Haus haben sich zu den Berichten bislang nicht offiziell geäußert.
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