




















In Deutschland rauchen nach Schätzungen rund 17 Millionen Menschen. Die genaue Zahl schwankt je nach Erhebung, doch eines ist sicher: Es sind unglaublich viele. Und nicht wenige greifen morgens zum Kaffee und zur ersten Zigarette. Die nächste folgt in der Arbeitspause, eine weitere nach dem Essen, vielleicht noch eine gegen den Stress, gegen die Langeweile oder einfach aus Gewohnheit. Für viele Raucher ist die Zigarette längst kein besonderes Genussmittel mehr, sondern ein stiller Begleiter des Alltags. Im Schnitt wird dabei oft mit einer Schachtel pro Tag gerechnet – also 20 Zigaretten.
Und genau diese scheinbar harmlose Schachtel entwickelt über die Jahre eine erstaunliche finanzielle Sprengkraft. Denn sie kostet inzwischen durchschnittlich etwa 9,40 Euro. Wer täglich raucht, überweist damit jedes Jahr rund 3.400 Euro an Tabakkonzerne und den Fiskus. Geld, das buchstäblich in Rauch aufgeht. Geld, das weder Zinsen erwirtschaftet noch jemals wieder auf dem Konto auftaucht. Die spannende Frage lautet deshalb: Was wäre, wenn dieses Geld stattdessen für einen arbeiten würde?
Dass Rauchen teuer ist, überrascht niemanden mehr. Doch die Größenordnung wirkt selbst dann absurd, wenn man sie schwarz auf weiß vor sich sieht. Nach zehn Jahren summieren sich die Kosten bereits auf gut 40.800 Euro. Nach zwanzig Jahren wird die 100.000-Euro-Marke überschritten. Und wer drei Jahrzehnte lang jeden Tag eine Schachtel raucht, landet – bei weiter steigenden Preisen – bei rund 186.000 Euro. Das ist kein Kleinwagen mehr. Das ist in vielen Regionen Deutschlands eine Eigentumswohnung. Oder die Summe, für die andere Menschen jahrzehntelang sparen.
Die Berechnungen basieren auf einer durchschnittlichen Preissteigerung von 3,8 Prozent pro Jahr und stammen aus einer Modellrechnung des Vergleichsportals Verivox. Doch genau hier beginnt das eigentliche Gedankenexperiment. Was passiert, wenn man dieses Geld nicht anzündet, sondern investiert?
Die Rechnung ist verblüffend einfach. Wer das Rauchen aufgibt und die frei werdenden 286 Euro pro Monat stattdessen in einen ETF auf den weltweiten Aktienindex MSCI World investiert, könnte langfristig ein beachtliches Vermögen aufbauen. Grundlage der Modellrechnung ist eine durchschnittliche Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr – also ungefähr die historische Marktrendite nach Kosten.
Auch die Sparrate steigt dabei jedes Jahr mit den Zigarettenpreisen um 3,8 Prozent. Mit anderen Worten: Das Geld, das früher für immer teurer werdende Zigaretten ausgegeben worden wäre, fließt stattdessen in den Vermögensaufbau. Die Wirkung wirkt zunächst unspektakulär. Nach zehn Jahren läge das Depot bei rund 58.800 Euro. Nach zwanzig Jahren wären aus eingezahlten 100.000 Euro bereits rund 200.000 Euro geworden. Und nach dreißig Jahren zeigt der Zinseszins, warum Investoren ihn gerne als achtes Weltwunder bezeichnen: Das Depot läge bei rund 549.000 Euro. Davon stammen lediglich 186.000 Euro aus eigener Tasche. Der Rest wurde vom Kapitalmarkt erwirtschaftet.
Das Faszinierende daran: Irgendwann arbeitet nicht mehr hauptsächlich der Sparer. Das Geld beginnt, selbst Überstunden zu machen. Während der Raucher jeden Monat neue Scheine im Aschenbecher versenkt, erzeugen die bereits erzielten Gewinne neue Gewinne, die wiederum neue Gewinne erzeugen. Langsam, unspektakulär, und etwas langweilig, aber enorm wirkungsvoll.
Natürlich hat die Rechnung einen Haken. Die Börse ist keine Gelddruckmaschine. Die angenommenen 7,5 Prozent Rendite sind kein Versprechen, sondern ein historischer Durchschnittswert. In der Realität schwanken Kurse, manchmal heftig. Es gibt Crashs, Krisen und Jahre, in denen Anleger lieber nicht ins Depot schauen möchten.
Wer das Rauchen aufgibt, kann deshalb auch den konservativen Weg wählen und das Geld auf ein Tagesgeldkonto legen. Dort lagen die durchschnittlichen Zinsen in den vergangenen zehn Jahren meist zwischen ein und zwei Prozent, teilweise sogar darunter. Das Ergebnis fällt entsprechend nüchterner aus.
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Nach dreißig Jahren würde das Vermögen je nach Zinsniveau auf etwas mehr als 220.000 bis 240.000 Euro anwachsen. Auch das ist deutlich mehr als die ursprünglich ausgegebenen Zigarettenkosten von 186.000 Euro. Aber es zeigt zugleich den Unterschied zwischen Sparen und Investieren: Das eine bewahrt Geld. Das andere lässt es wachsen.
Eine halbe Million Euro, nur weil man keine Zigaretten mehr kauft? Die Zahl klingt zunächst wie eine dieser Rechnungen, die Finanzberater gerne auf Hochglanzbroschüren drucken. Doch mathematisch ist sie durchaus plausibel. Selbst nach Steuern bleibt erstaunlich viel übrig. Werden die ETF-Anteile nach dreißig Jahren vollständig verkauft, fällt auf die Gewinne Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag an. Trotzdem verblieben dem ehemaligen Raucher in dieser Modellrechnung noch rund 482.000 Euro.
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Am Ende geht es nicht um Moral und auch nicht um die Frage, ob Raucher schlechte Entscheidungen treffen. Es geht um Opportunitätskosten – also um das Leben, das man mit demselben Geld alternativ hätte finanzieren können. Jede Zigarette kostet nicht nur 47 Cent im Hier und Jetzt. Sie kostet auch die Rendite, die dieses Geld in den nächsten drei Jahrzehnten hätte erwirtschaften können. Oder anders gesagt: Die teuerste Eigenschaft einer Zigarette ist nicht, dass sie abbrennt. Sondern dass sie nie die Chance bekommt, für ihren Besitzer zu arbeiten.
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