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Ausprobiert: So einfach kannst du dank Google jetzt selbs...
Holger Eilhard · 2026-05-30 · via inside digital

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Für lange Zeit warst du darauf angewiesen, Apps zu benutzen, die andere Personen entwickelt haben. Das bedeutet, dass diese Apps in der Regel für eine große Masse von Nutzern gemacht sind. Das ändert sich langsam. Dank KI können Chatbots dir mittlerweile dabei helfen, eine persönliche App zu bauen, die vielleicht nur für dich interessant ist. Für Besitzer von Android-Smartphones bietet Google das sogenannte AI Studio an, welches dir genau hierbei hilft. Ich habe das ausprobiert und innerhalb weniger Minuten diverse eigene Apps programmieren lassen.

Google AI Studio: Vibecoden und installieren eigener Apps leicht gemacht

Schon seit einigen Monaten kursiert das Wort „Vibecoden“ durchs Internet. Statt meist komplizierte Anwendungen zu nutzen, die dir beim Programmieren von Apps helfen, beschreibst du hierbei einem Chatbot deine Wünsche in ganz normalen Sätzen. Mit Googles AI Studio funktioniert das Ganze mittlerweile auch für Android-Apps. Darüber hinaus erlaubt es dir auch, die so erstellten Anwendungen auf deinem eigenen Smartphone zu installieren. Das erfordert ein paar Anpassungen am Handy, gelingt aber innerhalb von nur vier Schritten, die dir Google ebenfalls kurz und einfach erklärt.

Ich habe das Ganze anhand von einigen einfachen Apps ausprobiert. Zu meinen Versuchen gehörte unter anderem eine App, die mir beim Tracking der Kosten meines Autos helfen soll. In nur 53 Wörtern und mit der Auswahl, dass ich eine Android-App haben will, habe ich Googles AI Studio meine Idee beschrieben:

  • Ich hätte gerne eine App, die mir beim Tracking der Kosten für mein Auto hilft. Also Spritkosten beim Tanken inklusive Kilometerstand, Werkstattbesuche sowie anfallende Versicherungs- und Steuerzahlungen detailliert erfasst. Zudem sollte eine monatliche Auswertung grafisch übersichtlich dargestellt werden. Bitte bau keine unnützen KI-Funktionen ein. Fokus liegt rein auf Funktionalität und einer übersichtlichen Bedienoberfläche.

Wie du in den Screenshots siehst, schlägt dir der Assistent bereits einige Features vor, die vielleicht noch interessant und direkt Teil des ersten Prompts sein könnten. Ist deine grundsätzliche Idee komplett, kannst du Googles Helfer mit dem Bau der App beginnen lassen. Bereits nach wenigen Sekunden und während der Assistent noch aktiv arbeitet, schlägt er dir aber auch einige Designs für die App vor. Danach werden dir noch einige weitere Funktionen vorgeschlagen, die vielleicht für die beschriebene App nützlich sein könnten.

Anhand des Beispiel-Prompts hast du vielleicht auch schon ein Merkmal der Apps erkannt, die Googles AI Studio erstellt. Der Assistent liebt es geradezu, irgendwelche KI-Features in die Apps zu integrieren. Das kann hilfreich sein, in meinen Versuchen waren die Ergebnisse aber durchwachsen und nicht wirklich sinnvoll. Wenn du genau das nicht willst, genügt es, das explizit im Prompt zu erwähnen. Dieses explizite Erwähnen von Dingen, die du dir wünscht – oder eben nicht – ist etwas, das bei der Nutzung dieser Helfer immer wieder hilfreich ist.

Ist die erste Version der App fertig, kannst du sie direkt im Browser ausprobieren. Es ist dabei ganz normal, dass Googles AI Studio einige Details deines Prompts falsch verstanden oder interpretiert hat. Das ist aber kein Problem, denn du kannst einfach nach den gewünschten Änderungen fragen.

In meinem Fall habe ich mir zum Beispiel noch einen Assistenten gewünscht, der beim ersten Start nach den notwendigen Fahrzeugdaten fragt. Außerdem wollte ich eine Möglichkeit, um manuell zwischen Light und Dark Mode umschalten zu können. Diese Wünsche erfüllte Google innerhalb weniger Minuten.

Manche Probleme bemerkt man außerdem erst dann, wenn man die App auf einem realen Smartphone ausprobiert und nicht im Emulator im Browser. Google macht das wie bereits beschrieben denkbar einfach. Du musst hierzu lediglich den Entwicklermodus und USB-Debugging aktivieren. Danach verbindest du dein Handy mit deinem Computer und Chrome installiert deine App innerhalb weniger Sekunden auf deinem Handy. In meinem Versuch hatte ich schon nach ein paar Minuten eine lauffähige App auf meinem Pixel 10 Pro.

Die zweite App: Das „StyleFit Studio“ und Stolperfallen beim Vibecoden

Während das erste Beispiel eher ein kleines Werkzeug ist, das dir im Alltag helfen kann, habe ich eine kleine Idee meines Kollegen Blasius ausprobiert. Mein Prompt, basierend auf seinem Vorschlag:

  • Eine App, mit der ich mein Gesicht bzw. Kopf fotografiere und in der ich dann verschiedene Hutmodelle durchswipen kann, um zu sehen, welche Form zu meiner Gesichtsform passt. Mit Empfehlungen und Farben, die zu meinem Hauttyp passen. Das Gleiche mit Sonnenbrillen.

Das ist also eine etwas kreativere Idee, die unter anderem die Kamera des Smartphones benutzt. Gleichzeitig muss das aufgenommene Bild auch analysiert werden, um das Gesicht zuverlässig zu erkennen und entsprechend einen Hut oder eine Sonnenbrille zu skalieren. Das war in der ersten Runde nicht der Fall und benötigte mehrere Anläufe, bis der Assistent und die App halbwegs brauchbar waren.

Um Googles Assistenten dabei unter die Arme zu greifen, kannst du nicht nur Texteingaben mit den gewünschten Änderungen hinterlegen, sondern auch zum Beispiel Screenshots aus der App mit dem Problem hochladen. Diese kann das AI Studio dann analysieren, in der Hoffnung, dass das Problem schneller erkannt wird.

Manchmal hilft es auch, den Assistenten explizit aufzufordern, Features zu entfernen. In meinem Beispiel gab es standardmäßig einen Comic-Charakter, der stark an die South-Park-Welt erinnerte, dem du einen Hut oder eine Brille aufsetzen konntest. Das war zwar gut gemeint, aber nicht wirklich nützlich. Ich wollte nur die Möglichkeit, mit echten Selfies zu arbeiten. Das „Feature“ konnte also weg.

Die erste Version der „StyleFit“-App hatte ihre Probleme
Die erste Version der „StyleFit“-App hatte ihre Probleme. Nur bei genauem Hinsehen ist die „klassische Fedora“ zu erkennen. Image source: Holger Eilhard / inside digital

Meine von Google als „StyleFit Studio“ getaufte App lief erst nach vielen Prompts halbwegs brauchbar. Am Ende wäre jedoch noch deutlich mehr Aufwand nötig gewesen, um eine App zu haben, die wirklich nützlich ist. All das machen die KI-Helfer deutlich schneller klar als der traditionelle Weg beim Entwickeln einer App.

Am besten startest du mit einer einfachen App und fügst neue Funktionen erst nach und nach hinzu. Genau so wäre es auch bei der klassischen Entwicklung ohne KI-Helfer. All das erfordert jedoch Erfahrung, die du dir erst mit der Zeit aneignest.

Ähnliche Hürden gab es auch bei der Kosten-App fürs Auto. Bei fast jedem Update wurden die zuvor eingetippten Daten entfernt. Der Grund waren Anpassungen durch Googles AI Studio an der Datenbank, welche einfach zurückgesetzt und nicht migriert wurde. Auch das ist ein Problem, das ein normaler Entwickler schnell bemerkt und versteht. Ein Laie wundert sich, und regt sich darüber auf. Aber: Dieser Fehler kann mit einem einfachen Prompt behoben werden. Du musst nur fragen, warum die Daten verschwinden.

Problematisch kann es auch dann werden, wenn deine Idee externe Daten erfordert. Willst du beispielsweise eine Wetter-App oder eine aktuelle Übersicht von Benzinpreisen in deiner Nähe, bist du beziehungsweise deine Traum-App auf die notwendigen Daten angewiesen. Das erfordert unter Umständen deutlich mehr Aufwand, welche simple Prompts im AI Studio nicht bieten können. Hier bewegst du dich schnell in der Welt echter Programmierer, inklusive API-Keys und externer Datenquellen, die für Laien sehr komplex sein kann.

App-Entwicklung wird einfacher, hat aber noch viele Probleme

Googles AI Studio zeigt eindrucksvoll, wie die Zukunft von Apps aussehen könnte. Hast du einen Wunsch oder eine Idee für eine eigene Anwendung, kann es dir schnelle Ergebnisse liefern. Vor allem die einfache Installation auf dem eigenen Smartphone ist dabei eine wichtige Hürde, die jetzt genommen wurde.

In Googles Play Store kannst du dich außerdem schon heute für Googles AI-Studio-App registrieren, das direkt auf dem Handy laufen wird. Damit könnte die Umsetzung eigener Ideen noch einfacher werden – ganz ohne Browser oder Computer.

Die Versuche zeigen jedoch gleichzeitig schnell die aktuellen Grenzen. Wie alle Dinge im Leben, lernst du mit jedem Prompt neue Dinge und Eigenschaften. So sind die ersten 80 Prozent einer App vielleicht leicht erreichbar. Die letzten 20 Prozent sind jedoch der Grund, warum gute Entwickler und Designer weiterhin gefragt sind und nicht von heute auf morgen verschwinden werden. Wenn es aber lediglich um kleine Helfer-Apps geht, reicht es vielleicht, wenn die App nur 80 oder 85 Prozent erreicht.

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