




















Der Höhenflug der SpaceX-Aktie ist vorerst gestoppt. Am Montag gab das Papier um 16,43 Prozent auf rund 154 US-Dollar nach – den tiefsten Stand seit dem ersten Handelstag. Im nachbörslichen Handel machte die Aktie lediglich rund zwei Prozent wieder gut.
Damit hat sich für die ersten Anlegerinnen und Anleger das Bild gedreht: Mit 154 Dollar notiert die Aktie nun unter den rund 160 Dollar, die am ersten Handelstag an der Börse erzielt wurden. Wer also bereits am Debüt eingestiegen ist, sitzt aktuell auf Verlusten.
Wie schnell sich die Stimmung gedreht hat, zeigt der Blick auf die Marktkapitalisierung. Auf dem Höhepunkt war SpaceX am 16. Juni mit rund 2,7 Billionen US-Dollar bewertet – damals erreichte die Aktie ein Allzeithoch von 225,64 Dollar. Eine Woche später liegt die Bewertung nur noch bei etwa 2,03 Billionen Dollar. Innerhalb von sieben Tagen sind damit fast 700 Milliarden Dollar an Börsenwert verschwunden.
In der Rangliste der wertvollsten Unternehmen der Welt bedeutet das einen Abstieg: SpaceX fällt damit auf Rang sieben zurück, Konzerne wie TSMC und Amazon sind wieder deutlich höher bewertet.
Ungeachtet der jüngsten Verluste notiert die Aktie aber weiterhin klar über dem Ausgabepreis von 135 Dollar, zu dem SpaceX beim Rekord-Börsengang am 12. Juni an die Nasdaq gegangen war. Die ersten Handelstage waren von hoher Volatilität geprägt – typisch für Neuemissionen mit geringem Streubesitz und starkem Interesse von Privatanlegern: Nur rund vier bis fünf Prozent der ausstehenden Aktien sind frei handelbar.
Unmittelbarer Auslöser ist die Ankündigung, erstmals Investment-Grade-Anleihen zu begeben. Geplant ist eine Emission unbesicherter vorrangiger Schuldverschreibungen (Senior Unsecured Notes) im Volumen von mindestens 20 Milliarden Dollar. Organisiert wird die Transaktion von einem Bankenkonsortium aus Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley.
Die Erlöse sollen vor allem einen im September 2027 fälligen Brückenkredit ablösen, der aus der Übernahme von Musks KI-Firma xAI stammt. Hinzu kommen Gebühren und allgemeine Unternehmenszwecke. Für sich genommen ist ein solcher Schritt eine routinemäßige Optimierung der Kapitalstruktur – kurzfristige Bankkredite werden durch langfristige, niedriger verzinste Anleihen ersetzt. Der heikle Zeitpunkt direkt nach dem Börsengang verfehlte an den Märkten dennoch seine Wirkung nicht.
Der Markt las aus der Anleihe vor allem ein Signal: SpaceX wird seinen enormen Kapitalbedarf für KI-Infrastruktur und orbitale Rechenzentren künftig stärker über Schulden finanzieren. Analysten von Oppenheimer prognostizierten, dass die Nettoverschuldung von derzeit rund 13 Milliarden Dollar bis 2031 auf über 400 Milliarden Dollar anschwellen könnte. Das nährt Sorgen über die künftige Bilanzqualität und die Cash-Burn-Rate des Konzerns.
Zwar verfügt SpaceX laut eigener Mitteilung über einen hohen Liquiditätspuffer von rund 100,8 Milliarden Dollar (Stand 19. Juni), und die großen Ratingagenturen haben Investment-Grade-Noten vergeben (Moody’s Baa1, Fitch BBB+, S&P BBB). Doch der Markt wertete zunächst die Finanzierungsfolgen neu – nicht die Wachstumsstory.
Selbst nach dem Rücksetzer bleibt SpaceX nach klassischen Kennzahlen teuer: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt jenseits des 90-Fachen – gegenüber rund 3,7 beim S&P 500 – bei einem Unternehmen, das zwar wächst, unter dem Strich aber Verluste schreibt. Skeptiker wie der durch die Finanzkrise 2008 bekannt gewordene Investor Michael Burry vergleichen die aktuelle Welle großer KI-Börsengänge mit der Dotcom-Blase. Morningstar-Analyst Nicolas Owens senkte seine Fair-Value-Schätzung zuletzt deutlich – unter anderem wegen einer rund 3,4-prozentigen Verwässerung durch die in Aktien bezahlte, 60 Milliarden Dollar schwere Übernahme des KI-Coding-Startups Cursor/Anysphere.
Der niedrige Free Float von nur vier bis fünf Prozent wirkt in beide Richtungen: Er hatte den explosiven Anstieg nach dem Börsengang befeuert – und verstärkt nun den Absturz. Weil kaum Liquidität zum Abfedern vorhanden ist, bewegen schon moderate Verkaufsorders den Kurs um mehrere Prozent. Hinzu kommt der Blick auf das Auslaufen der Lock-up-Fristen ab Ende 2026, das zusätzliches Angebot in den Markt bringen dürfte.
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