Beim Paschinger GPS-Tracker-Hersteller Tractive kommt es einem Bericht von ORF zufolge nach der Übernahme durch den italienischen Tech-Konzern Bending Spoons zu einem Stellenabbau. Das gab das Unternehmen am Montag bekannt. Wie viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sind, wurde nicht kommuniziert. Den Beschäftigten sei ein Abfindungspaket angeboten worden, um den Übergang zu unterstützen, hieß es in der Stellungnahme.
Bending Spoons hatte Tractive erst vor wenigen Monaten übernommen – der Kaufpreis soll Berichten zufolge zwischen rund 300 Millionen und bis zu einer Milliarde Euro gelegen haben. Nach eigenen Angaben analysierte der Konzern im Anschluss Organisation und Produktportfolio des oberösterreichischen Unternehmens. Mit einer „schlankeren Organisation“ könne man langfristig fokussierter und flexibler agieren, so die Begründung. An den Plänen für Tractive und am Ausbau der Kernfunktionen – Ortung und Gesundheitsüberwachung von Haustieren – wolle man festhalten.
Ein wiederkehrendes Prozedere
Der Schritt entspricht einem Vorgehen, das bei Bending Spoons aus früheren Akquisitionen bekannt ist. Das 2013 in Mailand gegründete Unternehmen kauft etablierte digitale Dienste auf und unterzieht sie tiefgreifenden Umstrukturierungen – häufig verbunden mit erheblichen Personaleinschnitten.
Besonders viel Aufmerksamkeit erregte in der DACH-Region die Übernahme der Potsdamer Outdoor-App Komoot im März 2025. Wenige Wochen später, Anfang Juni 2025, informierte Bending Spoons die Belegschaft, dass etwa 75 bis 85 Prozent der Mitarbeitenden entlassen werden – das entspricht grob 110 bis 130 Personen der zuvor rund 150-köpfigen Belegschaft. Ähnliche Wellen gab es bei anderen Zukäufen: Dem Kauf von WeTransfer folgte die Ankündigung, 75 Prozent der Belegschaft zu kündigen, und nach der Übernahme von Evernote entließ Bending Spoons alle Angestellten in den USA. Auch bei der Videoplattform Vimeo, die der Konzern für 1,38 Milliarden US-Dollar erwarb, sowie bei Filmic Pro und der Mosaic Group kam es zu umfangreichen bis vollständigen Entlassungen.
Vor dem Hintergrund dieser Konsolidierung steht ein größerer strategischer Schritt: Bending Spoons bereitet einen Börsengang vor. Bei der US-Börsenaufsicht SEC reichte das Unternehmen ein Registrierungsformular für einen IPO ein und beantragte die Zulassung am Nasdaq Global Select Market unter dem Tickersymbol „BSP“. Als Lead-Bookrunner fungieren Goldman Sachs International, J.P. Morgan und Allen & Company; das Bankenkonsortium umfasst zudem zahlreiche europäische Institute. Zeitpunkt, Aktienzahl und Preisspanne stehen noch nicht fest.
Branchenbeobachter werten Effizienzmaßnahmen wie den Tractive-Stellenabbau auch als Teil der Vorbereitung auf das IPO: Eine straffe Kostenstruktur und verbesserte Profitabilitätskennzahlen gelten als Argumente, mit denen sich ein Unternehmen Investorinnen und Investoren vor dem Börsengang attraktiver präsentieren kann. Bending Spoons selbst hat einen Zusammenhang zwischen dem Personalabbau und dem geplanten IPO nicht hergestellt.
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