


























Das belgische Software-Startup Timefold hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 13 Mio. US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom Münchner Venture-Capital-Fonds Alstin Capital, als Co-Investor steigt Kompas VC ein. Die Bestandsinvestoren Lakestar und Smartfin beteiligen sich ebenfalls. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen mit Sitz in Gent vor allem seine Expansion in den USA vorantreiben und die Produktentwicklung der Plattform beschleunigen.
Timefold positioniert sich als Entwicklerplattform für APIs zur Routen- und Schichtplanung. Die Idee dahinter: Softwareteams – etwa im Außendienst- oder Personalmanagement – sollen Planungsoptimierung in ihre eigenen Anwendungen einbetten können, ohne dafür ein eigenes Team aus Mathematikern oder Optimierungsexperten aufbauen zu müssen. Technische Basis ist nach Unternehmensangaben eine Open-Source-Optimierungs-Engine, die in modulare, von Unternehmen einsetzbare Produkte verpackt wurde.
Den Kern seines Geschäfts beschreibt Timefold über die Grenzen generativer KI. Mit dem Aufkommen von KI-Agenten entstehe eine neue Generation von Software, die Anfragen verstehen und Zeitpläne erstellen könne – allerdings arbeiteten große Sprachmodelle (LLMs) probabilistisch, weshalb von ihnen generierte Zeitpläne in der Praxis nicht zuverlässig funktionierten.
Timefold setzt nach eigenen Angaben stattdessen auf einen deterministischen Algorithmus, der komplexe Terminplanungsprobleme lösen soll. Damit ließen sich Entscheidungen automatisieren, etwa welcher Techniker zu welchem Kunden fährt, wie auf den krankheitsbedingten Ausfall eines Mitarbeiters reagiert wird oder wie ein Schichtplan aussieht, der fair, regelkonform und vollständig besetzt ist.
Besonders anspruchsvoll sei diese Aufgabe im Außendienst, wo täglich Tausende Einsätze koordiniert werden müssen – unter Berücksichtigung von Qualifikationen, Service-Level-Vereinbarungen, arbeitsrechtlichen Vorgaben, Fahrtzeiten, Kundenverfügbarkeiten und kurzfristigen Störungen. „Was bei der Planung unternehmenskritischer Abläufe zählt, ist nicht Kreativität, sondern Korrektheit“, formuliert es Alexander Meyer-Scharenberg, Partner bei Alstin Capital. Ein Schichtplan oder eine Route müsse jedes Mal korrekt, vorschriftsmäßig und reproduzierbar sein – etwas, wofür LLMs nicht ausgelegt seien.
Die Finanzierung folgt auf ein nach Unternehmensangaben starkes Wachstumsjahr: 2025 habe Timefold seinen wiederkehrenden Jahresumsatz (ARR) vervierfacht. Als Treiber nennt das Startup Unternehmen und Softwareanbieter, die seine APIs in geschäftskritische Planungsabläufe integriert haben. Zum Kundenkreis zählen laut Timefold unter anderem NEC Software Solutions (NECSWS), der Immobiliendienstleister CBRE, die Lufthansa, Thales, Subaru, Orange Telecom und ADP.
Belegen will Timefold den Nutzen mit Praxisbeispielen, deren Zahlen vom Unternehmen stammen: Ein globales Immobilienunternehmen habe mit der Routing-Lösung Fahrzeiten um bis zu 33 Prozent und zurückgelegte Strecken um 43 Prozent reduziert und Überstunden vollständig abgeschafft. Ein großer US-Personaldienstleister für den Einzelhandel habe einen zuvor zehnwöchigen Planungsprozess auf zehn Minuten verkürzt.
CEO Maarten Vandenbroucke ordnet das Geschäft in einen größeren Trend ein: Da Software zunehmend autonom agiere, werde Optimierung zu einer grundlegenden Infrastruktur. „Zeitpläne regieren die Welt“, sagt er – Millionen von Frontline-Beschäftigten seien darauf angewiesen, dass die Planung funktioniere.
Timefolds erklärtes Ziel ist es, zur Standardplattform für die Entwicklung, Bereitstellung und den Betrieb von Modellen zur Planungsoptimierung zu werden. Ob das Unternehmen diese Kategorie tatsächlich besetzen kann, wird sich im Wettbewerb und mit der angekündigten US-Expansion zeigen müssen.
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