



















Das Fashion-Tech-Startup MYNE aus der Schweiz hat ein System entwickelt, das standardisierte BH-Größen überflüssig machen soll. Die Gründerin Linda Durisch, Textilingenieurin mit über 15 Jahren Erfahrung in Passformtechnologie, setzt auf KI-gestütztes Smartphone-Scanning, algorithmische Schnittkonstruktion und automatisierte On-Demand-Produktion.
Statt Frauen in starre Größenkategorien zu pressen, will MYNE jeden BH individuell für den Körper der Trägerin designen. Gemeinsam mit ihrem Mann Mathias Durisch, Industriedesigner, hat Linda Durisch MYNE ins Leben gerufen.
Der globale BH-Markt basiert auf standardisierten Größenrastern, die vor knapp hundert Jahren für industrielle Massenproduktion entwickelt wurden. „Viele Frauen glauben, ihr Körper sei das Problem“, sagt Durisch. „Dabei funktioniert schlicht das System nicht.“
Zwei Frauen mit derselben Größe können demnach völlig unterschiedliche Körperformen, Proportionen und Bedürfnisse haben. Das Founder-Paar kennt die Branche von innen: Seit 2012 arbeiten Linda und Mathias gemeinsam an Produkten für Marken wie Uvex, Red Bull oder X-Bionic. 2018 gründeten sie ihre eigene Agentur. Mit MYNE entwickeln sie nun erstmals ein Produkt in eigener Sache.
Der Prozess startet mit einem Smartphone-Scan ohne App-Download, der innerhalb von Sekunden Hunderte Messpunkte des Körpers erfasst. Die Daten werden anonymisiert verarbeitet, Gesicht und Hintergrund automatisch entfernt. Ein Algorithmus übersetzt die Körperdaten direkt in ein individuelles Produktionsfile. Der BH entsteht nicht aus vorgefertigten Standardschnitten. Er ist digital exakt für diesen einen Körper konstruiert.
„Viele Unternehmen haben versucht, individuelle Passform zu entwickeln“, sagt Durisch. „Aber sie haben nie den Produktionsprozess selbst neu gedacht.“ MYNE setzt auf Robotik, um Maßanfertigung wirtschaftlich in Europa zu produzieren. Selbst den klassischen Metallbügel hat das Startup durch einen flexiblen Custom Silikon Frame ersetzt.
Die Zahlen besagen, dass das System funktioniert: Während Branchenstudien des EHI Retail Institute für Fashion & Accessoires durchschnittliche Retourenquoten von bis zu 50 Prozent ausweisen, liegt MYNE aktuell bei unter einem Prozent. Seit dem Start zählt das Startup mehr als 1.000 Kundinnen, 45 Prozent kaufen ein zweites Mal.
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Das Startup produziert nur, was bestellt wurde. Lagerbestände und Überproduktion entfallen. Die Kollektion umfasst die Modelle Mia und Ella, benannt nach den Töchtern des Gründerpaars, jeweils in zwei Ausführungen und sechs Farben. Aktuell entstehen Größen bis 90D, größere Größen sind in Entwicklung.
Besonders bestätigt fühlt sich das Startup bei den Kundinnenfeedbacks. Eine 89-jährige Kundin schrieb laut MYNE, sie habe zum ersten Mal in ihrem Leben einen BH gefunden, der wirklich passe. „Solche Rückmeldungen zeigen uns, dass wir nicht einfach ein Produkt verkaufen“, sagt Durisch. „Wir lösen ein Alltagsproblem, das viele Frauen viel zu lange hingenommen haben.“
MYNE denkt das System von Anfang an global und sucht Wachstumskapital sowie strategische Partner für die Skalierung. Im Kern versteht sich das Startup nicht als klassische Lingerie-Brand, sondern als Technologieanbieter für individualisierte Bekleidung.
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