























Einer der größten Exits der österreichischen Startup-Geschichte ist nun offiziell vollzogen: Die Übernahme des oberösterreichischen Pet-Tech-Scale-ups Tractive aus Oberösterreich durch das Mailänder Tech-Unternehmen Bending Spoons ist abgeschlossen. Das gab Tractive-Mitgründer Michael Hurnaus heute via LinkedIn bekannt. Gleichzeitig kündigte er an, nach einer Übergangsphase als CEO abzutreten.
Die Transaktion war Ende März 2026 angekündigt worden. Zum Kaufpreis gibt es weiterhin keine offiziellen Angaben; Branchenschätzungen bewegen sich im hohen dreistelligen Millionenbereich, andere Quellen nennen eine Spanne zwischen 300 und 500 Millionen Euro. Tractive war 2012 in Pasching gegründet worden, beschäftigt rund 300 Mitarbeitende und betreut nach eigenen Angaben über 1,4 Millionen aktive Nutzer:innen in Europa und Nordamerika. 2024 lag der Umsatz nach Aussagen von Hurnaus deutlich über 100 Millionen Euro, für 2025 wurde ein weiteres Wachstum von 35 bis 40 Prozent in Aussicht gestellt.
In seinem Posting blickt Hurnaus auf 13,5 Jahre Aufbauarbeit zurück. Gemeinsam mit Michael Lettner, Michael Tschernuth und seiner Frau Verena habe man 2012 begonnen – „naiverweise“ in der Annahme, es könne nicht so schwierig sein. „Es war 1.000-mal schwieriger, als ich erwartet hatte, aber es wurde auch um ein Vielfaches erfolgreicher, als wir es uns je zu träumen gewagt hätten“, schreibt Hurnaus.
Besonders dankt er den frühen Wegbegleitern: Den Runtastic-Mitgründern Florian Gschwandtner, Alfred Luger, Christian Kaar und Rene Giretzlehner, die beim Bau der ersten Prototypen halfen, sowie Business Angel Hansi Hansmann, der kurz darauf einstieg. „Hansi war immer Mentor, und ohne ihn wären wir nicht annähernd dort, wo wir heute sind“, so Hurnaus. Als Wendepunkte bezeichnet er den Einstieg von COO Wolfgang Reisinger und seinem Bruder Dominik Hurnaus sowie 2016 den Einstieg von Schlumberger-Erbe Harold Primat – damals habe er erstmals das Gefühl gehabt, dass „daraus tatsächlich etwas Größeres werden könnte“. Hansmann habe ihm vor der Unterschrift gesagt: „Du musst ihm sagen, dass daraus eines Tages ein 100-Millionen-Euro-Business werden könnte.“ Bei der damaligen Unternehmensgröße sei ihm das selbst schwer vorstellbar gewesen.
In den Folgejahren stiegen über Secondaries Monkfish Equity, 468 Capital und Adjacent ein, später folgte die erste Primary-Runde mit Guidepost Growth Equity und Attila Balogh.
Zur Auswahl von Bending Spoons als Käufer schreibt Hurnaus, man habe sich nach umfangreichem Inbound-Interesse bewusst gegen einen klassischen Private-Equity-Investor oder einen strategischen Käufer entschieden. „Wir sind sicher, dass es die richtige Entscheidung war, einen ‚Forever Owner‘ mit einem Wachstums- und Abo-Mindset zu haben. Tractive war immer langfristig gebaut, und wir freuen uns, einen Partner in Europa gefunden zu haben.“
Bending Spoons, 2013 in Mailand gegründet, hat sich in den vergangenen Jahren durch eine aggressive Übernahmestrategie als einer der prominentesten europäischen Tech-Konsolidierer positioniert. Im Portfolio befinden sich unter anderem WeTransfer, Evernote, AOL, Vimeo, Meetup, Brightcove, Streamyard, Eventbrite, MileIQ, Komoot und Remini. CEO Luca Ferrari hatte gegenüber Reuters für 2026 ein bereinigtes EBITDA von 1,4 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Außerdem gibt es Gerüchte, dass das italienische Unternehmen mit einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar an eine US-Börse gehen will.
Als zentralen Erfolgsfaktor nennt Hurnaus das Team. „Die 4-Tage-Woche und die Mallorca-Trips hatten einen positiven Effekt, aber der wahre Schlüssel waren Teammitglieder aus fast 50 Ländern, die wirklich gerne miteinander arbeiten und sich gegenseitig respektieren und unterstützen.“ Dieser Spirit lasse sich durch Führung fördern, aber nur dann wachsen, wenn das Team ihn selbst trage.
Mit Blick auf die kommende Phase räumt Hurnaus ein, dass Veränderung Unsicherheit mit sich bringe, „aber mit Veränderung kommen auch Chancen“. Er ermutige das Team, weiter an exzellenten Produkten für Tierhalter zu arbeiten.
Für ihn persönlich endet die Tractive-Reise nach einer Übergangsphase. „Ich werde mich zwingen, nicht sofort in das nächste Vorhaben zu springen – aber ich bin überzeugt, dass ich meinen unternehmerischen Drang nicht lange zurückhalten werde.“
Wer die Rolle des CEO bei Tractive übernehmen wird, ist bislang nicht kommuniziert. COO Wolfgang Reisinger hatte zum Zeitpunkt der Deal-Ankündigung erklärt, das Fundament sei „felsenfest“, und es sei der richtige Zeitpunkt, „den Staffelstab an einen Partner mit erheblicher Expertise in der Skalierung großer Verbraucherunternehmen weiterzugeben“.
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