


























Das österreichische Logisitk-Scale-up byrd hat eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen. Das hat Trending Topics exklusiv in Erfahrung gebracht. Sie kommt von den bestehenden Investoren, wobei die Höhe nicht kommuniziert wird. Wofür das Kapital eingesetzt wird, ist hingegen klar: byrd launcht einen KI-Connector (er heißt „byrdAI Connector“), über den Händler:innen ihre Logistikdaten künftig direkt aus Tools wie Claude oder ChatGPT in natürlicher Sprache abfragen und verarbeiten können, und eröffnet einen zusätzlichen Lagerstandort in Polen.
Mitgründerin Petra Dobrocka erklärt im Gespräch, wie byrd via „Model Context Procotol“ (MCP) seine Logistikdaten zu KI-Chatbots wie ChatGPT oder Claude bringt, und warum mit dem frischen Kapital ein neuer Standort in Polen aufgemacht wird.
Petra Dobrocka: Zum einen launchen wir einen KI-Connector für unsere Kund:innen. Sie greifen über bestehende Tools wie Claude oder ChatGPT auf byrd zu und fragen in natürlicher Sprache ab – etwa: „Ich plane eine Aktion für diese SKU, reicht der Lagerbestand auf Basis der historischen Daten?“ Sie arbeiten also direkt im Dialog mit ihrem Tool, können byrd mit anderen Systemen verbinden und ganze Workflows bauen. Das zweite Thema ist ein neuer Lagerstandort in Polen.
Genau. Man verbindet das mit Claude oder einem anderen Tool und fragt etwa den Lagerstand ab. Das Besondere: Wir hinterlegen den byrd-Kontext. Claude rechnet dann auf Basis der historischen Absatzzahlen mit – in welchen Ländern verkauft wurde, was Versandkosten und Lieferzeiten waren. Diese Kombination aller Daten ist das Starke daran. Wir bekommen oft Fragen wie: „Wir versenden viel von Deutschland nach Frankreich – lohnt sich ein eigenes Lager in Frankreich?“ Solche Diskussionen führst du mit Claude oder ChatGPT viel besser als im Dashboard. Daten herunterladen konntest du immer, aber die bisherige Arbeitsweise kommt an ihre Grenzen.
Das war eine bewusste Entscheidung. Wir haben uns die Chatbot-Idee angesehen, aber in unserem Bereich gilt: Je besser es läuft, desto seltener loggst du dich ein. Kund:innen näher an uns heranzuziehen, ist also gar nicht naheliegend. Sie verbringen viel Zeit in Tools wie Shopify, wo oft auch das CRM steckt – dort soll die Arbeit stattfinden. Das Dashboard kann weiterhin viel, aber wir haben Millionen Datenpunkte, und die Arbeit damit verlagert sich. Das alte Muster – einloggen, Report ziehen, copy-pasten – wird sich nicht mehr verstärken. Unsere Händler:innen automatisieren in Shop-Systemen und vielen Prozessen längst mit KI. Warum sollten sie bei der Logistik aufhören, wenn alle Daten da sind?

Er zielt vor allem auf Kund:innen, die den deutschen Markt bedienen und seit Jahren unter Kostendruck stehen. Das Interesse wächst, aus Ländern mit geringeren Kosten zu fulfillen – aber trotzdem etwa in Deutschland bei DHL einzuliefern und so dieselben Konditionen und schnellen Zustellzeiten zu sichern. Wir gehen das mit einem bestehenden Partner an, der Lager und Mitarbeiter:innen stellt, und bringen unsere Softwarekund:innen mit. So starten wir einen zusätzlichen Standort nahe der deutschen Grenze.
Nein, seit Jahren nicht mehr. Das läuft immer in Partnerschaft mit langfristigen Verträgen – mal mittelständische, mal große internationale Unternehmen. Beim neuen Standort ist das genauso.
Genau, beides mit starkem Effizienzgedanken für die Händler:innen. Viele struggeln, weil die Marketingkosten steigen und vernünftige Unit Economics schwerfallen. Die Leitfrage war: Wie ermöglichen wir ihnen, weiter zu wachsen? Deshalb einerseits der Standort, andererseits KI.
Von Bestandsinvestoren. Einige sind schon seit 2021 dabei und haben jetzt nachgelegt – alle sind weiter an Bord, das Volumen haben wir etwas erhöht.
Nein. Die Einordnung ist gerade gar nicht entscheidend. Es ist zusätzliches Kapital, das wir sinnvoll einsetzen wollen. Der Zeitpunkt ist gut: Mit dem Geld lässt sich heute viel bewegen, mit den verfügbaren Tools ist man enorm produktiv. Diese Chance nutzen wir für den nächsten großen Schritt – vor ein, zwei Jahren wäre das so nicht gegangen.
Dazu kann ich keine Zahl nennen.
Ja, und mit Polen verstärken wir das internationale Setup. Für manche Brands macht ein einziger, weltweit versandoptimierter Standort Sinn; andere haben ein Inventar, das sich besser auf mehrere Standorte aufteilen lässt.
Beim Einkaufen durch Agents bin ich ehrlich gesagt unsicher. Aber im Hintergrund, für die Händler:innen, ist das Optimierungspotenzial enorm. Varianten gegeneinander testen, Kombinationen durchspielen – dafür hättest du früher tausende Euro an eine Agentur gezahlt oder es nicht in Echtzeit umsetzen können. Das Kernproblem der meisten Händler:innen sind die hohen Kundengewinnungskosten. Wenn du viel ausprobieren kannst – neue Tests, verschiedene Newsletter-Versionen –, adressierst du genau das. Auch Händler:innen ohne Agenturbudget können plötzlich viel mehr.
Genau. Den Newsletter schickst du etwa gezielt an Kund:innen, die das Produkt schon gekauft haben, an jene mit hohen Warenkörben oder an Länder mit besonders hoher Marge. Oder ein Produkt ist low in stock – und du triggerst automatisch die Nachbestellung beim Produzenten. Auch Fragen wie „Lohnt sich der teurere Express-Versand oder der günstigere mit mehr Spielraum?“ lassen sich so in Echtzeit prüfen und direkt in die nächste Aktion einspeisen. Das Schöne: Du findest kleine Hinweise, die du dann voll skalieren kannst.
Es ist ein langfristiger Trend nach oben. Dazu kommen Logistikkosten wie die laufend angepassten Dieselzuschläge. Das gesamte Umfeld macht es Online-Händler:innen nicht leicht. Einige haben das gut im Griff; bei anderen funktioniert das Geschäftsmodell irgendwann nicht mehr, wenn Kosten und Aufwände gleichzeitig steigen.
Genau, diese Kanäle sind online die stärksten. Vieles läuft über Marktplätze, aber dort musst du wieder werben – dasselbe Spiel an anderem Ort. Bewährt hat sich eine Subscription-Strategie: auch weniger offensichtliche Produkte im Abo anzubieten. Selbst bei kleiner Quote wird es planbarer, und die Endkund:innen kommen wieder.
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