























Das iranische Wirtschaftsministerium arbeitet einem Bericht der staatsnahen Nachrichtenagentur Fars News zufolge an einem Modell, das die Kontrolle über die Straße von Hormus durch ein maritimes Versicherungssystem absichern soll. Zahlungen sollen dabei in Bitcoin abgewickelt werden. Die Plattform trägt den Namen „Hormuz Safe“.
Laut einem internen Dokument, das Fars vorliegt, verfolgt das Wirtschaftsministerium einen Ansatz, der die Verwaltung der Meerenge durch Versicherungsprodukte ermöglichen soll. Das Modell soll international rechtlich tragfähig sein und gleichzeitig Iran eine dauerhafte Kontrolle über den Schiffsverkehr sichern.
Konkret würden Schiffseigner und Frachtunternehmen keine direkte Durchfahrtsgebühr zahlen, sondern maritime Versicherungspolicen sowie Zertifikate über finanzielle Haftung erwerben. In einer ersten Phase soll die Versicherung Risiken aus Schiffsinspektion, Festhalten und Beschlagnahme abdecken. Schäden durch Waffeneinsatz sind ausdrücklich ausgeschlossen.
„Das Modell würde die Verwaltung der Straße von Hormus durch Versicherungen ermöglichen, was für andere Länder in Friedenszeiten akzeptabel wäre und Iran gleichzeitig die Kontrolle über die Meerenge sichert.“ (Fars News, unter Berufung auf ein internes Dokument des Wirtschaftsministeriums)
Ein zentrales Element des Plans ist die Abwicklung aller Zahlungen in Bitcoin. Hintergrund ist der Druck durch umfassende US-Sanktionen, die Iran vom Dollar-basierten Finanzsystem weitgehend ausschließen. Bitcoin gilt aus iranischer Perspektive als besonders geeignet, da digitale Vermögenswerte dieser Art nicht eingefroren oder beschlagnahmt werden können.
Laut Fars sollen Policen schnell ausgestellt, kryptografisch verifiziert und unmittelbar nach Zahlungsbestätigung aktiv werden. Frachtinhaber würden anschließend einen signierten digitalen Nachweis erhalten.
Das Wirtschaftsministerium beziffert das Einnahmepotenzial des Modells auf über zehn Milliarden US-Dollar. Im Vergleich dazu würde ein klassisches Mautsystem nach Einschätzung des Ministeriums unter günstigsten Bedingungen lediglich rund zwei Milliarden Dollar einbringen, zudem mit erheblichen politischen Kosten verbunden sein.
Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels verlaufen durch die Straße von Hormus. Iran hatte bereits im März 2026 ein Gesetz zur Verwaltung der Meerenge verabschiedet, das ein Transitsystem unter Aufsicht der Revolutionsgarden formalisierte. Die Versicherungsplattform soll dieses System nun ergänzen und auf eine breitere rechtliche Grundlage stellen.
Ob „Hormuz Safe“ bereits operativ ist oder erste Policen ausgegeben wurden, ließ sich zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht unabhängig bestätigen. Die im Bericht genannte Website zeigte lediglich eine Einstiegsseite ohne vollständige Vertragsbedingungen, Angaben zu Versicherern oder Schadensabwicklungsverfahren.
Für internationale Schifffahrtsunternehmen und Frachtinhaber birgt eine Nutzung der Plattform erhebliche Compliance-Risiken. Zahlungen an iranische staatlich verbundene Stellen können unabhängig vom verwendeten Zahlungsmittel Sanktionsverstöße auslösen.
Der Plan des Wirtschaftsministeriums steht im Kontext einer langjährigen iranischen Strategie, alternative Finanzstrukturen außerhalb des westlich dominierten Systems aufzubauen. Iran hatte industrielles Bitcoin-Mining bereits 2019 legalisiert und zeitweise bis zu 4,2 Prozent der globalen Rechenleistung des Netzwerks gestellt. Mit „Hormuz Safe“ würde Bitcoin erstmals als Abrechnungswährung für ein staatlich gesteuertes Versicherungsprodukt an einem der strategisch bedeutsamsten Seehandelskorridore der Welt eingesetzt.
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