
























Das österreichische Startup Ora Computing hat eine Seed-Runde über 3,5 Millionen Euro abgeschlossen. Constructor Capital und Greencode Ventures führen die Finanzierung an, XISTA Science Ventures bleibt als Gründungsinvestor an Bord. Ora entwickelt Software, die KI-Foundation-Modelle komprimiert und optimiert. Damit adressiert die Jungfirma eines der drängendsten Probleme der AI-Industrie: explodierende Inferenz-Kosten.
KI-Inferenz, also der Prozess, bei dem ein trainiertes Modell tatsächlich Outputs generiert, verschlingt mittlerweile zweistellige Millionenbeträge pro Monat bei größeren Deployments. Die Modelle wachsen, der Compute-Bedarf steigt, und für Edge-Anwendungen in Autos oder Industrieanlagen sind viele Modelle schlicht zu groß.
Ora setzt genau hier an: Die Software schrumpft Modelle um bis zu 80 Prozent und beschleunigt sie um den Faktor vier. Dabei soll der Genauigkeitsverlust nur zwischen null und fünf Prozent liegen. Bei nur einem Prozent Marktdurchdringung könnte die Technologie laut Unternehmensangaben über 50.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.
Anders als bestehende Lösungen funktioniert Oras Ansatz Hardware-agnostisch und integriert sich direkt in Standard-Inferenz-Frameworks. Das geschieht ohne Custom-Software-Layer, ohne kostenintensives Retraining, ohne Änderungen an der bestehenden Infrastruktur.
Während konkurrierende Ansätze binäre Entscheidungen zwischen Komprimierungsstufen erzwingen, mappt Oras Algorithmus kontinuierlich den Trade-off zwischen Modellgröße und Genauigkeit. Das Startup hat das mit einem 70-Milliarden-Parameter-Modell demonstriert, das in wenigen Stunden für unter 1.000 Dollar komprimiert wurde – verglichen mit sechsstelligen Beträgen bei vergleichbaren Ansätzen.
CEO Stefan Sack erklärt: „Wir haben Ora Computing gegründet, um die Annahme infrage zu stellen, dass massive Skalierung nötig ist, um nützliche Intelligenz zu erreichen. Wir glauben, dass die nächste Welle der KI-Adoption von kompakteren Modellen angetrieben wird, die hocheffizient und für spezifische Anwendungsfälle optimiert sind, anstatt von großen allgemeinen Cloud-Modellen. Ora baut den Software- und Algorithmus-Stack, der diesen Übergang ermöglicht.“
Stefan Sack hat Ora gemeinsam mit Raimel Medina gegründet. Die beiden sind Quantencomputing-Forscher aus der Serbyn-Gruppe am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg. Das Startup ist Ende 2025 aus dem Stealth-Modus getreten. Es hat seine Komprimierungslösung bereits mit Playern aus der Automotive- und Edge-Silicon-Industrie validiert.
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Das frische Kapital fließt in Teamaufbau, die Erweiterung der Komprimierungs-Capabilities auf die größten Frontier-Modelle und den Launch eines kommerziellen Produkts für Cloud-Inferenz-Provider und Edge-AI-Deployments.
Die Investoren sehen Ora als Antwort auf die Skalierungskrise der KI-Industrie. Terhi Vapola, Gründerin und Managing Partner von Greencode Ventures, sagt: „Der Energiehunger der KI wächst schneller, als die Welt die Infrastruktur bauen kann, um ihn zu stillen. Ein Schlüsselansatz ist es, KI selbst effizienter zu machen, und genau das tut Ora. Modelle radikal zu komprimieren, ohne die Genauigkeit zu opfern, macht einen enormen Unterschied für ihre Kunden.“
Valentino Jadrisko, Senior Associate bei Constructor Capital, ergänzt: „Die Ära der Brute-Force-KI stößt an ihre physischen Grenzen: Hyperscaler reaktivieren Atomreaktoren, Frontier Labs verbrennen Milliarden für Compute, Reasoning-Modelle vervielfachen die Inferenz-Kosten jedes Quartal. Die einzige nachhaltige Antwort ist, Frontier-KI dramatisch günstiger zu machen. Das ist es, was Ora Computing tut.“
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