Der weltweit größte Kryptobörsenbetreiber Binance hat seinen Antrag auf eine Lizenz nach dem neuen EU-Regelwerk „Markets in Crypto-Assets“ (MiCA) in Griechenland zurückgezogen. Trotz dieses Rückzugs betonte das Unternehmen, seine Präsenz in Europa beibehalten zu wollen, und strebt nun eine Autorisierung in einem anderen EU-Mitgliedstaat an.
Die Entscheidung erfolgt unter erheblichem Zeitdruck: Der 1. Juli markiert eine entscheidende Frist für Krypto-Dienstleister in der Europäischen Union. Um weiterhin Kunden in den 27 Mitgliedstaaten bedienen zu dürfen, müssen Unternehmen eine Lizenz einer nationalen Aufsichtsbehörde innerhalb des EU-Binnenmarktes vorweisen können. Sollte Binance bis zu diesem Datum keine neue regulatorische Basis finden, müsste der Börsenbetreiber seine Aktivitäten in der gesamten EU einstellen.
Regulatorischer Widerstand
Obwohl Binance offiziell erklärte, den Prozess in Griechenland nach „sorgfältiger Abwägung des aktuellen Status und des Zeitplans“ beendet zu haben, deuten Berichte auf tiefere regulatorische Hürden hin. Laut Informationen von Reuters stießen Gespräche mit den Aufsichtsbehörden in Griechenland, Irland und Lettland auf Widerstand.
Als Gründe für die Skepsis der Regulierungsbehörden wurden unter anderem die komplexe internationale Unternehmensstruktur von Binance sowie die vergangenen Strafzahlungen des Unternehmens im Zusammenhang mit Geldwäscheproblemen angeführt. Die Behörden äußerten zudem Bedenken hinsichtlich einer als zu risikoreich eingestuften Unternehmenskultur.
Binance versichert Kontinuität
In einer Stellungnahme auf der Plattform X erklärte Co-CEO Richard Teng, dass man weiterhin entschlossen sei, in den kommenden Monaten eine MiCA-Lizenz zu erlangen. „Wir verstehen, dass regulatorische Unsicherheit frustrierend sein kann“, so Teng. Ziel sei es, Klarheit zu schaffen und die Auswirkungen für die Nutzer so gering wie möglich zu halten.
Gillian Lynch, die Leiterin des Bereichs Europa und Großbritannien bei Binance, unterstrich die Strategie des Unternehmens: „Binance verlässt Europa nicht.“ Das Unternehmen habe bereits angekündigt, bei einem Scheitern der griechischen Pläne alternative Wege zu beschreiten.
MiCA als Belastungsprobe für die Branche
Die Einführung von MiCA durch das Europäische Parlament im April 2023 sollte einen einheitlichen Rechtsrahmen für den Kryptosektor schaffen. Während die Regulierung von Befürwortern als wichtiger Schritt zur Marktstabilität begrüßt wird, gilt die Umsetzung für viele Akteure als massive Hürde. Branchenkenner gehen davon aus, dass die strengen Anforderungen dazu führen könnten, dass ein erheblicher Teil der derzeit operierenden Krypto-Börsen die Compliance-Standards nicht erfüllen kann.
Binance, das über 300 Millionen Nutzer weltweit zählt, bezeichnet Europa als einen „wichtigen Markt“. Das Unternehmen versicherte zudem, dass die Kundengelder sicher seien, und kündigte an, betroffene europäische Nutzer direkt über mögliche Änderungen bei ihren Konten zu informieren.
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