Der österreichische Baukonzern STRABAG hat seinen lange erwarteten Corporate-Venture-Arm offiziell an den Start gebracht. Unter dem Namen Loom Ventures geht ein neuer Early-Stage-Fonds mit einem Volumen von 100 Millionen Euro an den Markt, der sich auf europäische InfraTech-Startups fokussiert. Wie Trending Topics bereits 2025 berichtete, hatte der Bauriese mit 86.000 Mitarbeiter:innen bereits damals an einem eigenen Startup-Fonds gearbeitet und die Personalsuche für einen Managing Director gestartet.
Die Struktur dahinter: STRABAG Venture Capital GmbH
Hinter Loom Ventures steht laut Imprint die STRABAG Venture Capital GmbH mit Sitz in Wien, sie ist eine 100%-Tochter der Bau Holding Beteiligungs GmbH, und die gehört wiederum der Strabag. Zum Start wurde die Firma mit einem Stammkapital von 48 Millionen Euro ausgestattet.
Die Gesellschaft positioniert sich als rein finanziell investierender VC ohne strategisches Mandat – jede Zusammenarbeit mit STRABAG ist laut Eigenangabe optional und keine Bedingung für ein Investment. Gleichzeitig verspricht der Fonds seinen Portfolio-Unternehmen durch den Industriepartner STRABAG direkten Zugang zu einem der größten europäischen Infrastrukturkonzerne.
Das Management-Team
An der Spitze von Loom Ventures stehen zwei Managing Directors mit internationaler VC-Erfahrung:
Ilja Aizenberg (Managing Director) kommt von M Ventures, dem über 1 Mrd. Euro großen Corporate-VC-Arm von Merck. Der promovierte Halbleiterphysiker bringt einen Deep-Tech-Hintergrund mit Schwerpunkt auf Sensorik, Industrial Data, Enterprise AI und Secure Compute mit.
Toba Spiegel (Managing Director) war zuletzt bei Trill Impact tätig und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Early- und Growth-Stage-Investing. Sein Fokus liegt auf Unternehmen, die Software eng mit physischen Assets und operativen Prozessen verzahnen.
Komplettiert wird das Team durch Ervin Smajic als Senior Associate, der von T.Capital (dem Corporate-VC-Arm der Deutschen Telekom mit über 2 Mrd. Euro) zu Loom Ventures wechselte. Sein Fokus liegt auf Physical AI und Cybersecurity.
Investmentthese: Drei Säulen der InfraTech
Loom Ventures positioniert sich als europäischer Early-Stage-Fonds für die Kategorie InfraTech. Investiert wird in Unternehmen, die Infrastruktur autonomer, leistungsfähiger und widerstandsfähiger machen. Die These gliedert sich in drei Verticals:
- Digital: Rechenzentren, Kommunikationstechnologie, Software zur Netzsteuerung sowie Orchestrierungs-Plattformen – Compute und KI als neue Infrastruktur.
- Energy: Power Electronics, Materialien, software-definierte Grid-Hardware sowie Speichersysteme – also der Umbau von Stromerzeugung, -speicherung und -ausgleich.
- Industrial: Automatisierung und Intelligenz für die physische Wirtschaft, von Fertigungsrobotik bis hin zu Systemen zur Wartung kritischer Anlagen.
Tickets, Stages und Region
Der Fonds investiert in der Seed- und Series-A-Phase mit Initial Tickets zwischen 1 und 5 Millionen Euro. Der geografische Fokus liegt auf Europa. Zum aktuellen Zeitpunkt weist Loom Ventures noch kein öffentlich kommuniziertes Portfolio aus – der Fonds befindet sich nach eigener Darstellung in der aktiven Sourcing-Phase.
Einordnung
Mit Loom Ventures reiht sich STRABAG in eine Riege österreichischer Konzerne ein, die Corporate Venture Capital für sich entdecken. Wie Trending Topics bereits 2025 berichtete, war zeitgleich Red Bull Ventures an den Start gegangen, während Uniqa Ventures auslief. Frühere Direktbeteiligungen der STRABAG – etwa am deutschen Bau-Logistiker Schüttflix oder die 100-Millionen-Euro-Investition in das EnergyTech CMBlu Energy – haben bereits gezeigt, dass der Konzern Interesse an Startup-Investments im Infrastrukturumfeld hat. Mit Loom Ventures bekommen diese Aktivitäten nun eine institutionelle Heimat.
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