























Das Industrie-KI-Startup Kyrok (gesprochen: Kai-rok) sichert sich 3,1 Millionen Euro in einer Pre-Seed-Runde. Das 2025 gegründete Berliner Jungunternehmen entwickelt das nach eigenen Angaben erste KI-Betriebssystem für das Supply-Chain-Management im europäischen Pharma- und Chemie-Mittelstand mit branchenspezifischen Agenten.
Der Lead-Investor der Runde ist Speedinvest. Zu den Investoren zählen außerdem Arve Capital, das Family Office des Marktführers für aktive Pharmaverpackungen Sanner.
Hinzu kommen renommierte Köpfe aus Industrie und Tech: Marcell Vollmer (Ex-CPO SAP), André Heeg (Managing Director & Partner Pharma & Healthcare bei BCG), Stephan Rohr (CEO TWAICE), die Langdock-Gründer Jonas Beisswenger, Tobias Kemkes und Lennard Schmidt sowie Rodrigo Martinez über HelloWorld.
Daniel Hofinger und Lukas Bierfreund haben das Startup ins Leben gerufen. Ihrer Ansicht nach ist ein großer Teil der deutschen Pharma- und Chemieproduktion nicht mehr zeitgemäß. Viele Prozesse laufen auf Programmen wie Excel und auf dem Erfahrungsschatz von Mitarbeitenden, die in den nächsten Jahren in Rente gehen. Dabei sind Pharma und Chemie der drittgrößte Industriezweig Deutschlands mit mehr als 560.000 Beschäftigten. Doch die Belegschaft altert zunehmend.
Gleichzeitig steigt der Druck auf die Lieferketten und der internationale Wettbewerb wächst. Erhöht die europäische Industrie ihre Produktivität nicht, drohen weitere Produktionsverlagerungen, während asiatische Anbieter verstärkt in den europäischen Markt drängen. Besonders der Mittelstand, der das Rückgrat der Branche bildet, ist betroffen.
Kyroks Betriebssystem für Supply-Chain-Teams der Pharma- und Chemie-Industrie legt sich als Anwendungsebene über bestehende ERP-Systeme (Enterprise-Resource-Planning). Das geschieht ohne Systemmigration. Teams müssen nicht zwischen ERP und weiteren Anwendungen wechseln.
Schritt für Schritt will Kyrok die zentralen Funktionen des Supply-Chain-Managements abdecken. Den Anfang macht der Kundenservice bei der Auftragserfassung und weiteren industriespezifischen Workflows. Produktionsplanung, Materialplanung und Einkauf sollen folgen. Dabei liegen laut Kyrok alle Daten DSGVO-konform auf europäischer Infrastruktur in Frankfurt am Main.
„Wir sind in Produktionswerken, in denen Auftragslisten morgens ausgedruckt, in den nächsten Raum getragen und dort wieder eingetippt werden. Die Menschen dort leisten Erstaunliches und halten verschiedene Systeme manuell zusammen. Sie verdienen Werkzeuge aus diesem Jahrhundert“, sagt Daniel Hofinger, CEO und Mitgründer von Kyrok.
Mehrere mittelständische Pharma- und Chemieunternehmen setzen das Betriebssystem bereits in der Pilotphase ein. Kyrok erfasst nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent komplexer Aufträge fehlerfrei. Bei Routineaufgaben ergebe sich ein hoher Zeitgewinn und eine deutlich reduzierte Fehlerquote durch die Unterstützung von KI-Agenten.
Noch bevor eine Zeile Code geschrieben wurde, hatten Hofinger und Bierfreund schon über 200 Interviews mit Entscheider:innen aus Pharma und Chemie geführt. Sie haben in zahlreichen Werksbesuchen und Workshops die Produktions- und ERP-Prozesse im Mittelstand analysiert.
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„Kyrok liefert eine beeindruckende Branchentiefe. Ich habe in 14 Jahren bei SAP gesehen, wie selten Software-Teams diese wirklich erreichen. Was Daniel und sein Team in den ersten Monaten geliefert haben, zeigt ein enormes Potenzial für unseren Industriestandort in Europa“, erklärt Marcell Vollmer, ehemaliger Chief Procurement Officer bei SAP.
„Daniel und Lukas haben bereits bewiesen, dass sie Industrieunternehmen mit Technologie wettbewerbsfähiger machen. Mit Kyrok modernisieren sie eine ganze Branche, ohne sie für die Modernisierung stillzulegen. Das ist exakt der Hebel, den Europa braucht: für die Wettbewerbsfähigkeit seines Mittelstands und die Resilienz seiner Lieferketten in Pharma und Chemie“, sagt Florian Obst, Partner bei Speedinvest.
Mit dem frischen Kapital baut Kyrok das Betriebssystem aus, entwickelt weitere Module und erweitert gezielt das Berliner Team, um die wachsende Nachfrage zu bedienen.
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