

























Der Bitcoin-Kurs ist am Mittwoch zeitweise unter die Marke von 60.000 US-Dollar gerutscht und notiert damit auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2024. Im Laufe des Tages fiel die größte Kryptowährung zeitweise um mehr als fünf Prozent auf rund 59.000 Dollar, erholte sich dann wieder etwas auf etwas mehr als 60.000 Dollar. Seit Jahresbeginn hat Bitcoin damit etwa ein Drittel an Wert verloren; vom Allzeithoch bei gut 126.000 Dollar im vergangenen Oktober ist der Kurs inzwischen rund 52 Prozent entfernt. Die Marke von 60.000 Dollar galt über weite Strecken der vergangenen zwei Jahre als wichtige Unterstützungslinie.
Hinter dem Rückgang steht kein einzelnes Ereignis, sondern eine Häufung belastender Nachrichten. Im Zentrum steht ein Umschwung in der Zinserwartung: Steigende Ölpreise infolge der Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben die Inflationssorgen neu entfacht. Mehrere Notenbanker der US-Notenbank Fed sind daraufhin von Andeutungen über Zinssenkungen abgerückt, einzelne brachten sogar mögliche Zinserhöhungen ins Spiel. Höhere Zinsen belasten typischerweise risikoreichere Anlagen, weil Investoren ambitionierte Bewertungen hinterfragen und in sicherere Werte umschichten.
Parallel dazu gerieten die Aktienmärkte unter Druck. Die Wall Street steuerte auf eine dreitägige Verlustserie zu, der S&P 500 und der technologielastige Nasdaq Composite gaben am Mittwoch nach. Auch in Asien verloren Chipwerte wie Samsung Electronics und SK Hynix an Boden. Da sich Krypto-Assets in den vergangenen Jahren weitgehend im Gleichschritt mit Tech-Aktien bewegt haben, schlug der Ausverkauf direkt auf Bitcoin durch.
Hinzu kamen Abflüsse aus den US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs. In mehreren Handelstagen zuletzt zogen Anleger netto Mittel ab – an einem Tag rund 113,8 Millionen Dollar, wobei BlackRocks IBIT mit etwa 182 Millionen Dollar die größten Abflüsse verzeichnete. Am 23. Juni drehte sich das Bild erstmals wieder: Die Produkte verbuchten netto rund 39,2 Millionen Dollar an Zuflüssen, angeführt von ARK 21Shares‘ ARKB.
Auffällig ist, dass sich die sonst enge Kopplung zwischen Krypto und Aktien zuletzt löst. Bitcoin und Solana liegen im laufenden Jahr rund 32 beziehungsweise 47 Prozent im Minus – und haben sich selbst dann nicht erholt, wenn die Aktienmärkte zwischenzeitlich anzogen. Ein wesentlicher Grund: Vor allem Privatanleger ziehen Kapital aus Kryptowährungen ab und setzen stattdessen auf die Volatilität rund um AI-Aktien und große Börsengänge.
Gerry O’Shea, Leiter Global Market Insights beim Krypto-Vermögensverwalter Hashdex, fasst die Lage so zusammen: Die Stimmung bleibe schwach, weil prominente Börsengänge und AI-Aktien die Aufmerksamkeit auf sich zögen. Tatsächlich verarbeiten die US-Kapitalmärkte derzeit den bislang größten Börsengang überhaupt – den von SpaceX, das Anfang des Monats an der Nasdaq gelistet wurde. Mit OpenAI und Anthropic werden weitere Schwergewichte aus dem AI-Sektor erwartet. Für zusätzliche Unsicherheit am Krypto-Markt sorgt, dass der sogenannte Clarity Act – ein zentrales US-Gesetz zur Regulierung digitaler Vermögenswerte – im Senat festhängt. Banken leisten Widerstand, eine überparteiliche Mehrheit ist bislang nicht in Sicht.
Besondere Beachtung findet die Rolle von Strategy (vormals MicroStrategy), lange Zeit ein Symbol für die „Never sell“-Überzeugung von Unternehmen, die Bitcoin als Reserve halten. Dass das Unternehmen zwischen 26. und 31. Mai 32 BTC verkaufte, wurde am Markt als irritierendes Signal gewertet. Gleichzeitig kaufte Strategy diese Woche allerdings 520 BTC für rund 35 Millionen Dollar nach, und auch Strive Asset Management griff mit 759 BTC zu einem Durchschnittspreis von etwa 65.850 Dollar zu – also bewusste institutionelle Käufe in einen fallenden Markt hinein.
An der Börse spiegelt sich die Schwäche dennoch deutlich wider: Die Strategy-Aktie fiel zuletzt auf ein Zwei-Jahres-Tief. Da der Kurs des Unternehmens stark an der Bitcoin-Entwicklung und am Aufschlag auf die eigenen Krypto-Bestände hängt, trifft ihn der Abverkauf überproportional.
Ob die 59.000-Dollar-Marke einen Wendepunkt markiert, ist umstritten. Geoffrey Kendrick, Leiter der Digital-Assets-Forschung bei Standard Chartered, sieht in dem Niveau den definitiven Zyklus-Tiefpunkt und hält an einem Jahresendziel von 100.000 Dollar fest – was rund 70 Prozent Aufwärtspotenzial entspräche. Drei Bedingungen knüpft er daran: zurückkehrende ETF-Zuflüsse, neue Käufe von Unternehmen sowie sinkende Ölpreise infolge nachlassender geopolitischer Spannungen. On-Chain-Daten zeigen zudem, dass inzwischen rund die Hälfte aller Bitcoin-Bestände im Verlust liegt – eine Schwelle, die in früheren Zyklen häufig einen Boden markierte.
Andere Marktbeobachter bleiben skeptisch: Solange keine klaren Katalysatoren in Sicht seien, könne sich die Schwächephase fortsetzen.
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