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Mobilfunker greifen nach wichtigen TV-Frequenzen: Was das für dich bedeutet
Thorsten Neuhetzki · 2026-06-12 · via inside digital

Betroffen wären Haushalte mit Antennenfernsehen. Auf der anderen Seite betrifft es aber auch alle, die besseren Empfang auf dem Land erwarten. Brisant: Auch Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr, aber auch Kirchen und Schulen haben bei dem Thema etwas mitzureden. Eine neue Studie von WIK-Consult hat untersucht, wie die Frequenzen aus dem UHF-Band nach 2030 genutzt werden könnten. Ende 2030 endet aktuell die Frequenzzuweisung in diesem Bereich. Was man bei der Studie im Hinterkopf haben sollte: Sie wurde im Auftrag von Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone erstellt.

TV-Frequenzen werden nur von wenigen genutzt

UHF meint hier den Bereich von 470 bis 694 Megahertz. Solche niedrigen Frequenzen reichen weit. Mobilfunker gehen – je nach Rahmenbedingungen – von einer Reichweite von 3 bis 5 Kilometern aus. Sie eignen sich deshalb für Flächen, Gebäude und Zellränder. Heute dient das Band vor allem dem terrestrischen Fernsehen über DVB-T2. Das ist digitales Antennenfernsehen.

In seiner Studie vergleicht WIK-Consult drei Nutzungen: Rundfunk, Mobilfunk und BOS. BOS sind Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, also etwa Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Auf der Weltfunkkonferenz 2023 blieb Rundfunk zunächst Primärnutzer. Mobilfunk wurde aber sekundär geöffnet. Bis 2031 soll das 600-MHz-Band erneut Thema werden. Der zentrale Punkt der Studie: DVB-T2 verliert laut WIK-Consult an Bedeutung. Demnach nutzen noch 2,3 Millionen Haushalte DVB-T2 stationär. Andere Zahlen, wie etwa der ASTRA TV-Monitor, gehen von noch weniger Zuschauern aus. Für private Programme über diesen Weg gab es Ende 2025 nur noch 416.000 Abonnenten. Im Jahr 2020 waren es noch rund 1 Million.

Studienautor Prof. Dr. Bernd Sörries fasste es in der Vorstellung knapp zusammen: „Es gibt einen klaren Trend zum internetbasierten Fernsehen.“ Er sagte auch: „DVB-T2 wird in den Flächen kaum genutzt.“ Genau dort belegen die TV-Frequenzen aber besonders viel Spektrum.

TV-Frequenzen würden tausende Mobilfunksender einsparen

Eine mögliche DVB-T2-Abschaltung wäre für Haushalte relevant, die Antennenfernsehen nutzen. Öffentlich-rechtliche Inhalte wären weiter über Internetangebote erreichbar. Alternativen sind außerdem Satellit, Kabel oder Internet-TV. Die Studie selbst verweist darauf, dass für verbliebene DVB-T2-Nutzer Substitute bestehen.

Aus Sicht der Mobilfunkanbieter geht es nicht nur um mehr Tempo. Es geht um besseren Empfang dort, wo Netzausbau schwierig ist. Laut Studie könnten zusätzliche UHF-Frequenzen die Kapazität in ländlichen Regionen um 33 Prozent erhöhen. In suburbanen Regionen wären es 14 Prozent. Das hilft vor allem in Gebäuden, an Zellrändern und entlang von Verkehrswegen.

WIK-Consult rechnet außerdem vor, dass mit diesen Frequenzen bis 2040 bis zu 4.454 zusätzliche Basisstationen entfallen könnten. Daraus ergibt sich ein mögliches Einsparpotenzial von bis zu 2,7 Milliarden Euro über zehn Jahre.

BOS, Mikrofone und die offene Frage

Vertreter der drei Mobilfunkunternehmen machten bei der Vorstellung der Studie in Berlin aber auch deutlich, dass sie nicht das komplette UHF-Band für sich haben wollen. Es gehe um Aufteilungsszenarien, bei denen der Mobilfunk aber einen Teil abbekommen müsse.

Die Studie bewertet auch ein eigenes breitbandiges BOS-Netz für Polizei, Feuerwehr und andere sicherheitsrelevante Organisationen. Sie nutzen heute unter anderem das in die Jahre gekommene TETRA-Funknetz, haben aber auch Bedarf an breitbandiger Kommunikation. Eine mögliche Folge: ein eigenes BOS-Netz. Laut WIK-Consult wären dafür rund 23.000 zusätzliche Funkstandorte nötig. Die Kosten lägen über zehn Jahre bei rund 9,1 Milliarden Euro. Eine flächendeckende Verfügbarkeit erwartet die Studie nicht vor 2040. Die Nutzung öffentlicher Mobilfunknetze wird dagegen mit rund 1,784 Milliarden Euro modelliert. Wenig überraschend ist das der Weg, den die Mobilfunker bevorzugen.

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Daneben gibt es PMSE. Das sind drahtlose Mikrofone und Funktechnik für Bühnen, Veranstaltungen, Kirchen, Schulen oder Produktionen. Die Studie hält fest, dass PMSE weiter Frequenzen braucht. Sie sieht aber Spielraum, weil der Mobilfunk vor allem auf den oberen Teil des Bandes blickt. Für die Bundeswehr, die ebenfalls eigene Frequenzen in diesem Bereich haben will, und PMSE könnten nach dieser Logik niedrigere Bereiche bleiben. Unter Umständen wäre das aber gerade für die Funkmikrofone mit Kosten für die Frequenzumstellung verbunden.

Kritisch bleibt: Die Studie rechnet stark aus Sicht effizienter Spektrumsnutzung. Beim Mobilfunk kommt sie auf den Faktor 3,006. DVB-T2 liegt bei 0,152, BOS bei 0,039. Der Wert beschreibt, wie viele Nutzer oder Geräte pro Megahertz erreicht werden. Das ist zwar ein plausibler Maßstab, er ersetzt aber keine politische Abwägung zu Rundfunkversorgung, Kulturtechnik und Krisenkommunikation.

Was sich für dich jetzt ändert

Zunächst nichts. Du musst keine Antenne abbauen. Du brauchst keinen neuen Vertrag. Und dein Mobilfunk wird nicht sofort besser. Die eigentliche Entscheidung liegt noch in der Zukunft. Wichtig ist aber: Die Debatte ist eröffnet. Nicht erst seit heute, schon seit Jahren wird über die Zukunft der Frequenzen debattiert. Doch die Entscheidung rückt näher und die Stimmen werden lauter.

Für DVB-T2-Nutzer bleibt die offene Frage, wie lange der Empfang in heutiger Form politisch und wirtschaftlich gewollt ist. Bis Ende 2030 wird sich aber nichts ändern, wenn man von der möglichen Abschaltung einzelner Sendestandorte absieht. Für Mobilfunkkunden geht es um die Chance auf bessere Versorgung ab 2031. Die Mobilfunker sagen, sie könnten die Frequenzen schnell einsetzen. Allerdings brauchst du auch die passenden Handys. Vorteil: Das fragliche Frequenzband n71 kommt heute schon in den USA zum Einsatz. Würde sich nun Europa auch zu diesem Frequenzband bekennen, würde das der Verfügbarkeit passender Handys in die Karten spielen.

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