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DER SPIEGEL - Schlagzeilen

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Meinung: Die Lage am Morgen - Was Cem Özdemir über die Af...
Christoph Hickmann · 2026-06-26 · via DER SPIEGEL - Schlagzeilen

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Podcast Cover

Demokratie, ausgerechnet

Man stelle sich vor, die Hells Angels würden einen Kongress zum Thema Gewaltfreie Kommunikation veranstalten. Oder Elon Musk würde ein Symposium zur gerechteren Verteilung des globalen Reichtums ausrichten. Klingt nicht so richtig glaubwürdig? Naja, die AfD lädt heute zu einem »Demokratiekongress«.

AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla: Unterstützung aus dem Ausland

AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla: Unterstützung aus dem Ausland

Foto: Andreas Gora / picture alliance

Nein, das passt nicht so richtig zusammen, schließlich steht die AfD der liberalen Demokratie ungefähr so freundlich gegenüber wie einst Viktor Orbán. Womöglich sogar noch unfreundlicher (mehr hier ). Aber vermutlich soll der Titel dieses Kongresses genau das leisten: bewusst provozieren, Aufmerksamkeit wecken, schließlich werden im Bundestag neben den Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla Teilnehmer wie der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, oder der Verleger Holger Friedrich erwartet.

Was also ist von diesem Kongress zu erwarten? Meine Kollegin Ann-Katrin Müller, die sich mit der AfD hervorragend auskennt, wird sich davon ein Bild machen und hingehen. »Die AfD verdreht gerne Dinge, in diesem Fall tut sie so, als sei sie besonders demokratisch«, sagt Ann-Katrin. Bei dem Kongress solle es vorrangig um Meinungsfreiheit gehen, die laut AfD bedroht sei – obwohl der Meinungskorridor breiter sei, als er es in den vergangenen Jahrzehnten war. »Und natürlich geht es auch ganz viel um Medien, etwa um die Frage, wie man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk am besten abschaffen kann.«

Unterstützung für all das hat sich die AfD mal wieder aus dem Ausland besorgt, dieses Mal aus Tschechien und Österreich. Der ehemalige tschechische Präsident Václav Klaus, mittlerweile bekannt als Unterstützer rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien in ganz Europa, soll eine Rede halten. Ebenso eine Abgeordnete der FPÖ. Man kennt sich, man schätzt sich.

Ein Grüner, der nicht wie ein Grüner spricht

Zur AfD fallen Cem Özdemir ein paar bemerkenswerte Sätze ein. Özdemir ist jetzt seit Mitte Mai Ministerpräsident von Baden-Württemberg und damit der zweite Regierungschef, den die Grünen auf Länderebene stellen. Meine Kollegin Christine Keck und mein Kollege Roland Nelles haben ihn in einem SPIEGEL-Gespräch befragt. Zu seinem Amtsvorgänger Winfried Kretschmann (der Özdemir einen Stapel Krawatten geschenkt hat). Zu den Gefahren der Sozialen Medien. Zur Ausrichtung der Grünen. Und eben zur AfD.

Ministerpräsident Özdemir: »Wir sind das Land der Schoa«

Ministerpräsident Özdemir: »Wir sind das Land der Schoa«

Foto: Jasper Walter Bastian / DER SPIEGEL

»Ich halte unsere Demokratie für so gefährdet wie noch nie«, sagt Özdemir auf die Frage, wie gefährdet die Demokratie durch das Erstarken der AfD sei (mehr dazu hier ). »Wir sehen das Erstarken dieser Kräfte in vielen Ländern der Europäischen Union und auch global. Aber wir sind das Land der Schoa. Wir sind das Land, das wiedervereinigt werden durfte, weil unsere Nachbarn grünes Licht gegeben haben, unter der Bedingung, dass wir ein verlässlicher europäischer, weltoffener Partner bleiben. Wenn die AfD die Macht übernimmt, würde das bedeuten, wir haben unsere Nachbarn und die Welt angelogen.«

Zugleich macht Özdemir einen klaren Unterschied zwischen der Partei und ihren Wählerinnen und Wählern. »Ich darf nicht dazu schweigen, dass es Gründe gibt, warum wir Leute an die AfD verloren haben«, sagt er. »Es ist uns nicht gelungen, das Vertrauen zu gewinnen, dass die Zuwanderung gesteuert wird oder wir die innere Sicherheit im Griff haben.« Für einen Grünen sind das bemerkenswerte Sätze.

Özdemir macht außerdem ein interessantes Gedankenspiel auf. Falls die AfD sich von ihrem völkischen Flügel trenne, könne das bedeuten, dass »wir möglicherweise mit einer Art deutschnationaler Partei rechts der CDU/CSU leben müssen«, sagt er. »Ich möchte und brauche eine solche Partei nicht, aber wenn Teile unserer Bevölkerung dieser Partei Vertrauen schenken, dann ist das so.«

Das Gespräch mit Özdemir ist noch deutlich länger. Es lohnt sich.

Immer Ärger für Warken

Ursprünglich hätte heute der große Tag der Nina Warken sein sollen. Falls Ihnen trotz regelmäßiger Lektüre dieser Morgenlage kurz entfallen sein sollte, wer das ist: Nina Warken ist die Bundesgesundheitsministerin von der CDU. Und ursprünglich war mal vorgesehen, dass der Bundestag heute über ihr Sparpaket für die Krankenkassen abstimmt. Das kommt nun anders, die Abstimmung wurde auf Wunsch der SPD vertagt und in die nächste Sitzungswoche des Parlaments verschoben, auf Anfang Juli. Bis dahin wartet Arbeit auf Warken. An ihrer Reform wird noch mal ordentlich rumgeschraubt.

Ministerin Warken im Bundestag: Alles richtig gemacht?

Ministerin Warken im Bundestag: Alles richtig gemacht?

Foto: dts Nachrichtenagentur / IMAGO

Meine Kollegin Milena Hassenkamp und mein Kollege Christian Teevs haben sich für ein lesenswertes Stück über Warken und ihre Reform umgehört – und festgestellt, dass die Ministerin von allen Seiten kritisiert wird.

»Die Krankenhausvertreter sind sauer. Die Ärzte sind sauer. Die Psychotherapeuten, die Hebammen, die Pflegekräfte? Sauer. Und die Pharmaindustrie scheint sogar so vor Wut zu kochen, dass sie für mehrere Millionen Werbekampagnen schaltet, in denen sie um Hilfe bittet – gegen diese Gesundheitsministerin«, schreiben die beiden (mehr hier ).

Man könnte also meinen, die Ministerin hätte alles richtig gemacht – wenn alle wütend sind, wird niemand bevorzugt. Aber die Kollegin und der Kollege kommen zu einem etwas anderen Schluss. Zu welchem genau? Dafür sollten Sie das Stück lesen.

Immerhin, so viel vorweg, sei die Ministerin mit ihrem Vorhaben schnell. »Ganz schnell wurde das Gesetz vorgestellt, ganz schnell sollten Interessenvertreter dazu Stellung nehmen. Ach ja, und ganz schnell soll das Ganze jetzt auch durch den Bundestag: Am letzten Tag vor der sitzungsfreien Sommerpause, dem 10. Juli, sollen die Abgeordneten zustimmen. Dann soll das Gesetz sofort den Bundesrat passieren, pünktlich vor den Ferien.«

Könnte das in Zeiten des Reformstaus nicht schon ein Wert an sich sein? Nach der Lektüre des Textes bleiben mir da Zweifel.

Und bei der WM?

Manuel Neuer gegen Ecuador

Manuel Neuer gegen Ecuador

Foto: Tom Weller / dpa

Da lief es für das DFB-Team gegen Ecuador alles andere als rund. Torwart Manuel Neuer hat bislang nicht beweisen können, dass seine Rückholaktion eine gute Idee war. Der Bundestrainer steht jedoch weiter hinter ihm. Und: Dirk Nowitzki feuert Schweden an. Die WM-News des Tages im Newsblog gibt es hier. 

Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz

Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.

Gewinnerinnen und Gewinner des Tages…

Bücher im Regal: Schlauer und besser gelaunt

Bücher im Regal: Schlauer und besser gelaunt

Foto: clu / iStockphoto / Getty Images

… sind die Leserinnen und Leser dieser Lage, sofern Sie bis zu diesem Punkt gekommen sind und sich außerdem für Bücher interessieren. Denn ab sofort gibt es den neuen SPIEGEL-Newsletter Literatur & Bestseller, persönlich geschrieben von Redakteurinnen und Autoren des Kultur-Ressorts (den Sie hier direkt bestellen können).

Was diesen Newsletter ausmacht? Er verbinde »das Persönliche mit dem Analytischen, das Schwierige mit dem Leichten«, schreibt mein Kollege Xaver von Cranach. »Sie werden in die hintersten Winkel des Literaturbetriebs geführt und bekommen exklusive Mini-Interviews von angesagten Autorinnen und Autoren. Sie werden schlauer sein, wenn Sie ihn lesen, und besser gelaunt.«

Viel Spaß beim Lesen!

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