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Berlin: Kinder berichten von Beleidigungen, Mobbing und S...
DER SPIEGEL · 2026-06-22 · via DER SPIEGEL - Schlagzeilen

Studie zu Gewalterfahrungen Kinder berichten von Beleidigungen, Mobbing und Schlägen in Berliner Schulen

Berlins Bildungssenatorin sieht ein Warnsignal: Eine Studie richtet den Fokus auf Gewalterfahrungen von Kindern in Berlins Schulen. Insbesondere in Grundschulen wächst demnach das Problem.

Mädchen im Schulunterricht
Mädchen im Schulunterricht

Mädchen im Schulunterricht

Foto: Florian Gaertner / photothek / IMAGO

Beleidigungen, Schläge, Prügel – in Berliner Schulen hat Gewalt viele Formen. Und dabei geht es nicht um Einzelfälle. Für viele Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gehören Gewalterfahrungen mittlerweile zum Alltag. Eine umfassende Studie mit wissenschaftlicher Begleitung rückt das Problem nun in den Fokus. Demnach werden Gewalt und Mobbing immer häufiger auch an Grundschulen zum Problem. Die Daten seien ein deutliches Warnsignal, sagte Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) bei der Vorstellung der Studie.

Für das »Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer« fand eine repräsentative Befragung durch das Institut für Demoskopie Allensbach statt. Demnach nehmen 38 Prozent der Lehrkräfte und pädagogischen Mitarbeiter Gewalt unter Schülern als großes Problem wahr, 18 Prozent sogar als sehr großes Problem.

Das deckt sich mit den Angaben der Schülerinnen und Schüler. Das Spektrum der Gewalterlebnisse reicht dabei von Beleidigungen bis hin zu Treten, Schlagen und Verprügeln. Deutlich wird das vor allem in den Antworten auf die Frage nach entsprechenden Erfahrungen in diesem oder im vergangenen Schuljahr – von Jugendlichen aus der neunten Klasse, in der Gewalterfahrungen besonders häufig sind.

  • 63 Prozent von ihnen berichteten von Beleidigungen,

  • 49 Prozent erklärten, dass sie von Mitschülern lächerlich gemacht oder blamiert worden seien.

  • 26 Prozent gaben an, ausgegrenzt oder gemobbt worden zu sein.

  • 25 erklärten, geschlagen, getreten oder geboxt worden zu sein.

  • 20 Prozent nannten sexistische Kommentare.

  • Vier Prozent berichteten davon, verprügelt worden zu sein.

Junge im Schulunterricht

Junge im Schulunterricht

Foto: Florian Gaertner / photothek / IMAGO

Gewalt wegen Aussehen oder schulischen Leistungen

Gewalt hat der Studie zufolge oft kaum wahrnehmbare Auslöser. So gaben 42 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9 und 12 mit entsprechenden Erlebnissen an, es sei aufgrund von Kleinigkeiten zu Gewalt oder Mobbing gekommen. Häufig ging es um das Aussehen, die Kleidung oder den Körper (33 Prozent), bei 19 Prozent um schulische Leistungen.

Für die Zahl der Vorfälle insgesamt spielt antisemitische, rassistische oder queerfeindliche Gewalt eine untergeordnete Rolle, wie die Studie zeigt. Innerhalb der jeweiligen betroffenen Gruppen sei aber oft ein hoher Anteil von Schülerinnen oder Schülern betroffen.

Gewalt an Schulen hat aber nicht nur Folgen für diejenigen, die direkt davon betroffen sind. Professor Ulrich Bauer von der Universität Bielefeld wies auf die großen Belastungen hin, die regelmäßige Gewaltvorfälle für die Schulen mit sich bringen und den Schulbetrieb oft massiv einschränken. Auch für die Lehrkräfte sei das eine immense psychische Belastung.

Bildungssenatorin Günther-Wünsch: Reden nicht von Einzelfällen

»Wenn mehr als die Hälfte der Lehrkräfte Gewalt und Konflikte an ihren Schulen als großes oder sehr großes Problem wahrnimmt, dann reden wir nicht über Einzelfälle«, sagte Bildungssenatorin Günther-Wünsch. »Wenn vier von fünf Lehrkräften sagen, dass die Frustrationstoleranz und die Impulskontrolle bei Schülerinnen und Schülern nachgelassen haben und Konflikte schneller eskalieren, dann ist das ein deutliches Warnsignal.«

Besonders sorge sie die Entwicklung an den Grundschulen, sagte die Bildungssenatorin. Gerade dort berichteten die Lehrkräfte in der Studie häufig von einer Zunahme von Gewalt und Konflikten, sagte Günther-Wünsch. »Sie berichten von Kindern, die wegen Kleinigkeiten explodieren, und von Konflikten, die deutlich schneller eskalieren.« Wenn solche Entwicklungen bereits im Grundschulalter sichtbar würden, dann gehe es nicht um ein Problem einzelner Schulen, sondern um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Dass Berlin die Studienergebnisse vorlege, bedeute nicht, dass die Themen Konflikte, Gewalt, Mobbing, Antisemitismus, Frauen- oder Queerfeindlichkeit ausschließlich Berliner Probleme seien, sagte Günther-Wünsch. »Die Fragen, die diese Studie aufwirft, betreffen die Schulen in ganz Deutschland.« Sie wünsche sich deshalb, dass sich für solche Untersuchungen bundesweit Nachahmer finden. Die Studie sei die bundesweit erste dieser Art.

Sie verbieten Mitschülern das Pausenbrot, boykottieren den Musikunterricht oder ignorieren weibliche Lehrkräfte: Religiöse Konflikte mit streng muslimischen Schülern fordern Schulen heraus. Was hilft bei solchen Problemen? Mehr dazu lesen Sie hier.