




















Der Influencerin Charlotte Weise fällt es manchmal schwer, abzuschalten. Immer überlege sie, »zu welchem Thema ich mein nächstes Reel machen könnte«, sagte sie im Gespräch mit der »Zeit« . »Ich habe das Gefühl, nie krank ausfallen oder mal ein paar Tage Pause machen zu können.« Weise ist seit neun Jahren hauptberuflich Influencerin, sie hat über 200.000 Follower auf Instagram. Auf ihrem Account spricht sie insbesondere über Familienleben, Partnerschaft und gesellschaftskritische Themen.
Ob Weise anderen den Job empfehlen würde? »Wer sich mit dem Job ernsthaft beschäftigt, kennt sowohl die Vor- als auch die Nachteile«, sagt sie. Es sei schwieriger geworden, bei Instagram eine Reichweite aufzubauen, der Algorithmus verändere sich ständig. Außerdem brauche man ein einzigartiges Thema, mit dem man viele Menschen inspiriere. »Ich beobachte, dass viele junge Influencer es immer noch mit Fotos von ihren Outfits, Reisen oder Restaurantbesuchen probieren«, sagt Weise, »das funktioniert nicht mehr.« Dazu käme die hohe psychische Belastung. »Wenn man damit nicht umgehen kann, sollte man lieber einen normalen Beruf wählen. Oder wenigstens einen Plan B haben.«
Weise habe etwa ständig Angst vor negativen Kommentaren, erzählt sie. Besonders, wenn sie Inhalte über ihre Rolle als Mutter oder ihren Erziehungsstil teile, seien die Reaktionen »nicht nur nett«. »Meistens kritisieren mich bei diesen Mütterthemen andere Frauen, die Kinder haben«, sagt Weise. »Sie posten Kommentare oder schreiben mir persönlich Nachrichten, einige sind sehr gemein.«
In der Vergangenheit habe sie immer mal wieder überlegt, nicht weiter als Influencerin zu arbeiten. »Vor allem, wenn man sich in einem verletzlichen Moment öffnet, ganz ehrlich ist und dann kritisiert wird«, sagt sie. Ihren Account hat sie trotzdem nie gelöscht. »Ich würde meinen Beruf nie leichtfertig aufgeben«, sagt sie.
Die 33-Jährige betont auch die Vorteile, die der Job ihr biete. So könne sie etwa vormittags von zu Hause arbeiten und nachmittags Zeit mit ihrem Sohn verbringen. Auch finanziell sieht es demnach nicht schlecht aus. »Ich habe schon mit 33 Jahren so viel Geld eingenommen, dass ich erst ein Haus in Spanien finanzieren konnte, jetzt in Hamburg«, sagt Weise. »Viele denken, mein Freund sei der Sugardaddy, der mich finanziert, weil er 14 Jahre älter ist und als Model arbeitet. Dabei ist es bei uns genau andersrum.«
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