Rettungsarbeiten im Katastrophengebiet »Kritische Stunden« für Suchteams nach Beben in Venezuela
Um die Rettungsarbeiten effizienter zu gestalten, hat Venezuelas Regierung den Bundesstaat La Guaira unter Militärkontrolle gestellt und Zugangsstraßen gesperrt. Die Interimspräsidentin wurde in einem Erdbebengebiet ausgebuht.
Mitglied eines Rettungsteams aus El Salvador mit Suchhund in La Guaira
Foto: Leonardo Fernandez Viloria / REUTERSVenezuela steht nach den verheerenden Erdbeben vor entscheidenden Stunden bei der Suche nach Überlebenden. Das sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez mit Blick auf den dritten Tag der Suche nach unter Trümmern verschütteten Menschen. »Es sind kritische Stunden für die Rettung von Leben«, sagte Rodríguez. Mindestens 920 Menschen sind laut Behörden bislang ums Leben gekommen, mehr als 3000 wurden verletzt.
Interimspräsidentin Rodríguez ist bei einem Besuch in einem Erdbebengebiet in Caracas ausgebuht worden. Anwohner und Angehörige von Menschen, die nach dem Einsturz eines Gebäudes unter Trümmern eingeschlossen sind, riefen am Freitag (Ortszeit) »Raus, raus«.
Rodríguez besuchte das Gebiet in einem wohlhabenden Viertel der Hauptstadt. Hinter der Absperrung an einem am Mittwoch eingestürzten Gebäude warfen ihr Menschen vor, aus der Katastrophe politisches Kapital schlagen zu wollen. »Es reicht jetzt, inmitten einer Tragödie wie der, die wir gerade erleben, Wahlkampf zu machen«, riefen Anwohner. Zudem warfen sie der Regierung vor, »nichts für das Volk« zu tun.
Militär übernimmt Kontrolle
Angesichts der schweren Schäden im Bundesstaat La Guaira hat die venezolanische Regierung die Region im Norden des Landes militarisiert. Die Streitkräfte hätten die Kontrolle übernommen, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Arbeit der Rettungskräfte zu erleichtern, sagte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez. Auch die Zufahrtsstraßen nach La Guaira wurden gesperrt. Damit will die Regierung verhindern, dass Menschen unnötig dorthin reisen. Freiwillige Helfer müssen sich zuvor registrieren.
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Rettungsteams aus verschiedenen Ländern kämpfen unter schwierigen Bedingungen gegen die Zeit. Experten gehen davon aus, dass die Überlebenschancen der Vermissten und Verschütteten nach 72 Stunden stark sinken. Mehr als 380 Wohnhäuser sowie 13 Krankenhäuser wurden durch die Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 am Mittwoch zerstört oder schwer beschädigt, wie Rodríguez mitteilte. Auch Einkaufszentren und andere Gebäude seien eingestürzt. Insgesamt geht es um mehr als 1400 Gebäude und Einrichtungen, die teilweise oder vollständig beschädigt wurden.
Die Wohnung des 70-jährigen Juan Salabé im Zentrum von Caracas war betroffen. »Gott sei Dank sind wir am Leben«, sagte er. »Ein Stück Ziegelstein fiel auf meine Tochter, und sie stürzte die Treppe hinunter. Wir schafften es, hinauszulaufen, während die Trümmer herabfielen. Es war schrecklich, einfach schrecklich«.
Mehr als 300 Nachbeben
La Guaira wurde von den Erdbeben am schwersten getroffen, aber auch in der Hauptstadt Caracas und an anderen Orten kam es zu großen Schäden. Mehr als 300 Nachbeben wurden bislang registriert. Am Freitag ereignete sich eine Erschütterung der Stärke 4,7 in einer Tiefe von zehn Kilometern vor Venezuelas Karibikküste, wie die US-Erdbebenwarte USGS mitteilte.
Rettungsarbeiten in Catia La Mar (Bundesstaat La Guaira)
Foto: Federico Parra / AFPAuf einem eigens für die Suche nach Vermissten eingerichteten Internetportal gingen Zehntausende Meldungen ein. Nach Angaben der Betreiber gelten dort derzeit rund 50.000 Menschen als vermisst. Auf der inoffiziellen Plattform können Angehörige und Bekannte Fotos der Vermissten zusammen mit weiteren Informationen hochladen. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhängig überprüfen.
Telefonat mit Trump
Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Rodríguez telefonierte mit US-Präsident Donald Trump. Er und US-Außenminister Marco Rubio hätten angerufen und ihr die Unterstützung der USA für Venezuela angesichts der Katastrophe zugesichert, schrieb Rodriguez auf der Plattform X.
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»Sie bekräftigten ihre Bereitschaft, die Hilfsmaßnahmen durch die Entsendung von Rettungskräften, Spezialausrüstung, Unterstützung für Notunterkünfte und humanitäre Hilfe für die betroffenen Familien zu begleiten. Wir sind zutiefst dankbar für diese Geste der Freundschaft und Zusammenarbeit«, schrieb die Staatschefin.
Im Januar hatte eine Spezialeinheit des US-Militärs den langjährigen Machthaber Nicolás Maduro in Caracas gefangengenommen und in die USA gebracht, um ihn wegen Drogendelikten vor Gericht zu stellen. Seitdem hat Maduros einstige Stellvertreterin Rodríguez die Regierungsgeschäfte übernommen.
Die Politologin Sabine Kurtenbach erklärt, wie durch das Erdbeben auch der marode Zustand des Landes in den Blick rückt – und seine politische Führung. Mehr dazu hier .






















