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DER SPIEGEL - Schlagzeilen

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Erdbeben in Venezuela: Mehr als 200 Menschen verschüttet – auch das THW rückt an
DER SPIEGEL · 2026-06-26 · via DER SPIEGEL - Schlagzeilen
Szene in La Guaira: Von manchen Gebäuden ist nicht mehr viel übrig
Szene in La Guaira: Von manchen Gebäuden ist nicht mehr viel übrig

Szene in La Guaira: Von manchen Gebäuden ist nicht mehr viel übrig

Foto: Maxwell Briceno / REUTERS

In Venezuela laufen die Bergungsarbeiten nach den schweren Erdbeben, doch die Zeit drängt (mehr dazu hier ). Knapp einen Tag nach der Katastrophe sind offiziell mindestens 200 Menschen immer noch verschüttet, wie der Präsident der Nationalversammlung Jorge Rodríguez mitteilte.

Die bestätigte Totenzahl stieg weiter auf 188, mehr als 1500 Menschen wurden verletzt. Die Zahl der komplett eingestürzten oder beschädigten Gebäude wurde mit rund 250 angegeben. Teilweise kam es in den besonders betroffenen Gebieten zu Plünderungen. Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten am Donnerstag in Catia la Mar nördlich der Hauptstadt Caracas, wie eine Gruppe Menschen ein ausgebranntes Lebensmittelgeschäft mit Taschen voller Waren verließ.

Nach den Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 am Mittwochabend (Ortszeit), die sich im Abstand von nur 39 Sekunden ereigneten, geben die Rettungskräfte die Hoffnung nicht auf. Dutzende Menschen konnten lebend aus den Trümmern geborgen werden, darunter zwei verletzte Kleinkinder in La Guaira, deren Mutter nach Angaben örtlicher Fernsehsender noch vermisst wird.

Auf Internetseiten, die nach den Beben eingerichtet wurden sowie in sozialen Medien kursierten Listen mit den Namen von Menschen, die von ihren Familien gesucht werden. Demnach galten am Tag nach der Katastrophe rund 12.000 Menschen als vermisst – verifizieren lassen sich diese Daten jedoch nicht.

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Die Kommunikationskanäle sind wegen der Schäden teilweise unterbrochen. In der Nacht teilte das US-Unternehmen Starlink mit, dass es bis Mitte Juli kostenlosen Internetservice für Betroffene anbieten will. Das System der Firma von Techmogul Elon Musk setzt auf Satelliteninternet, das auch in abgelegenen oder von Unglücken betroffenen Gebieten funktioniert.

Die Bundesregierung sowie auch andere Länder wollen dem südamerikanischen Land in Not schnell Hilfe leisten. »Dafür stehen Hilfsgüter, wie etwa Wasserfilter, Feldbetten, Zelte oder Generatoren bereit«, teilten das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium nach einer koordinierenden Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung mit. Internationale Such- und Rettungsteams, darunter aus den USA, sollen die Bergungsarbeiten unterstützen.

Einsatzgruppe aus Deutschland rückt an

Das Technische Hilfswerk (THW) schickt knapp 50 Hilfskräfte in das Katastrophengebiet. Im Vordergrund stehe aktuell die Bergung und Rettung von verschütteten Personen aus zerstörten Gebäuden, teilte das THW mit. Zu der Schnelleinsatz-Einheit gehörten vier Rettungshundeführer mit jeweils einem Hund. Der Abflug des THW-Teams war für Freitagmorgen vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen aus mit einer Bundeswehrmaschine geplant.

Nach Angaben des stellvertretenden deutschen Botschafters in Venezuela, Stephan Wendt, wurde auch das deutsche Botschaftsgebäude beschädigt. »Wir können aktuell nicht vom klassischen Botschaftsgebäude aus arbeiten. Wir befinden uns aktuell in der deutschen Residenz, arbeiten von dort aus«, sagte er im ZDF. Wendt weiter: »Auch einigen Kolleginnen und Kollegen ist es momentan nicht möglich zurückzukehren in ihre eigene Wohnung, es haben ja auch einige in der Residenz übernachtet auf Feldbetten.«

Foto:

Boris Vegraga / EPA

Uno-Generalsekretär António Guterres sprach Betroffenen und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus und der Regierung sowie der Bevölkerung Solidarität zugesichert. »Der Generalsekretär ist tief betroffen über die Todesopfer und die weitverbreitete Zerstörungen«, teilte der Sprecher Stéphane Dujarric in New York mit.

»Die Vereinten Nationen in Venezuela, einschließlich des humanitären Länderteams, mobilisieren Hilfe und arbeiten eng mit der Regierung und unseren Partnern zusammen, um die Hilfsmaßnahmen zu unterstützen«, so Dujarric. Das Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) koordiniere zudem den Einsatz von Such- und Rettungsteams für städtische Gebiete.

Schwerste Naturkatastrophe seit Jahrzehnten

Das US-Außenministerium kündigte derweil an, zusätzlich zur logistischen Unterstützung 150 Millionen Dollar an Hilfsgeldern zu mobilisieren. 100 Millionen davon sollen direkt an das Uno-Büro gehen.

Laut dem Präsidenten der Nationalversammlung wurden neben zahlreichen Wohngebäuden auch acht Krankenhäuser, 20 Einkaufszentren und 68 öffentliche Infrastruktureinrichtungen beschädigt. Es sei die schwerste Naturkatastrophe, die Venezuela in den vergangenen 30 Jahren erlebt habe, sagte Rodríguez. Der Bruder der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez kündigte an, dass die Staatschefin in das besonders betroffene Katastrophengebiet La Guaira in Norden des Landes gereist sei.

Die Beben ereigneten sich gegen 18 Uhr Ortszeit an einem Feiertag. Viele Menschen waren daher zu Hause oder hielten sich im Freien auf. Auf den beiden Hauptbeben folgten laut Behörden mindestens 138 Nachbeben.

Nach den Beben fiel vielerorts die Strom- und Wasserversorgung aus, auch das Mobilfunknetz und das Internet funktionierten zeitweise nicht, wie Bewohner berichteten. Der Zugverkehr wurde eingestellt, der internationale Flughafen wurde wegen Schäden geschlossen. Auch die U-Bahn in Caracas stellte den Betrieb ein, Schulen blieben geschlossen.

Ein schweres Erdbeben hat Venezuela getroffen. Die Politologin Sabine Kurtenbach erklärt, wie nun auch der marode Zustand des Landes in den Blick rückt – und seine politische Führung. Mehr dazu hier .