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DER SPIEGEL - Schlagzeilen

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Hautkrebs: Wie erkenne ich die verschiedenen Typen – und wie schütze ich mich im Urlaub?
Veronika Hackenbroch · 2026-06-18 · via DER SPIEGEL - Schlagzeilen
Gesund leben, sich gut fühlen – immer donnerstags
Ausgabe Nr. 25

Woran Sie die verschiedenen Arten von Hautkrebs wirklich erkennen

355.000 Menschen werden dieses Jahr in Deutschland wohl an Hautkrebs erkranken. Den Dermatologen Eckhard Breitbart hat es schon 23-mal getroffen. Wie Sie sich selbst untersuchen können und was Sie im Sommer unbedingt lassen sollten.
Außerdem in dieser Ausgabe

SPIEGEL: Sie hatten selbst schon mehrmals Hautkrebs. Wie haben Sie das erkannt?

Breitbart: Na ja, ich bin seit 45 Jahren Dermatologe. Da sollte mir diese Krankheit schon auffallen. Inzwischen habe ich 23-mal Hautkrebs gehabt, meist Plattenepithelkarzinome, das ist eine Form des weißen Hautkrebses. Zum Glück ist auch meine Frau Dermatologin – sie schneidet mir die Dinger mit größter Freude heraus. Plattenepithelkarzinome entstehen überall da, wo eine chronische UV-Belastung stattgefunden hat – im Gesicht, auf der Glatze und auf den Unterarmen zum Beispiel. Schon die gutartige Vorstufe dieses Krebses, die sogenannte aktinische Keratose, kann man gut erkennen, wenn man zum Beispiel morgens in den Spiegel guckt.

SPIEGEL: Wie das?

Breitbart: Bei der aktinischen Keratose entsteht zunächst ein leicht rötlicher Fleck, der mit vielen Gefäßen durchzogen ist. Dann entwickelt sich in der Mitte eine sogenannte Hyperkeratose, eine verstärkte Verhornung. Wenn Sie mit dem Finger darüberstreichen, fühlt sich das an wie ganz feines Sandpapier. Diese Körnung wird dann im Laufe der Zeit gröber. Viele kratzen die Verhornung auch immer ein bisschen mit dem Fingernagel ab. Aktinische Keratosen lassen sich mithilfe der sogenannten photodynamischen Therapie – bei der eine spezielle Creme aufgetragen und anschließend mit Licht bestrahlt wird – gut behandeln. Auch wenn Sie nichts tun, geht es oft eine ganze Weile lang gut. Aber irgendwann tut es plötzlich weh, wenn Sie kratzen – so ein ganz kleiner, feiner, heller Schmerz. Wenn Sie den haben, spätestens dann müssen Sie sofort zum Arzt gehen, denn dann fängt das Ding an, bösartig zu werden.

SPIEGEL: Was passiert, wenn man nichts unternimmt?

Breitbart: Dann kriegen Sie die Hornmasse irgendwann nicht mehr abgekratzt, und es entwickelt sich ein sogenanntes Hauthorn. Wenn Sie dann immer noch zögern, zum Arzt zu gehen, entsteht an der Basis des Horns plötzlich neues Gewebe, rötlich, das aufbricht, einen Knoten bildet und das Horn nach oben drückt. Das kann rasant gehen – und dann haben Sie ein invasives Plattenepithelkarzinom, das ab einer bestimmten Tumordicke auch metastasieren kann.

SPIEGEL: Warum hatten Sie schon so oft Hautkrebs?

Breitbart: Ich bin ein Nachkriegskind. Meine Eltern waren aus dem Osten geflohen. Ich war das vierte Kind von sechsen. Und es gab weder viel zu essen noch irgendetwas anderes, was dafür hätte sorgen können, dass wir Kinder gesund aufwachsen. Deswegen wollten unsere Eltern wenigstens dafür sorgen, dass wir genug Vitamin D produzieren – und haben uns immer in die Sonne gejagt. Dabei entstehen, wenn wir unsere Haut in die Sonne halten, in der DNA jeder einzelnen Hautzelle zahlreiche Mutationen. Deswegen zählt die Weltgesundheitsorganisation WHO UV-Strahlung auch zu den Karzinogenen der höchsten Risikostufe, so wie Tabak und Asbest.

SPIEGEL: Trotzdem stimmt es ja, dass in der Haut mithilfe der UV-B-Strahlung der Sonne ein Großteil des lebenswichtigen Vitamins D3 produziert wird.

Breitbart: Ja, aber dafür reicht es, zweimal pro Woche für jeweils 15 Minuten sechs Prozent der Körperoberfläche der UV-Strahlung auszusetzen. Das passiert automatisch im normalen Alltag. Damals wusste man das aber noch nicht. Mein Vater war selbst Dermatologe und hat uns immer in die Sonne gejagt. Ab dem 5. oder 6. Lebensjahr hatte ich jeden Sommer Sonnenbrand. Und deswegen bekomme ich jetzt in höherem Alter meinen Hautkrebs. Ja, oft genießen wir es, in der Sonne zu sitzen, die Wärme ist angenehm, unsere Stimmung wird besser. Aber das täuscht. Keine Sinneswahrnehmung warnt uns davor, dass UV-Strahlung gefährlich ist. In unserer Jugend setzt die UV-Strahlung die Schäden. Und nach ungefähr 40 Jahren, bei vielen ab 60, spätestens ab 70 Jahren, kommt der Hautkrebs – ungefähr 355.000 Neuerkrankungen werden in diesem Jahr erwartet.

Babys unter einem Jahr sollten überhaupt nicht in die Sonne, das ist Körperverletzung!

SPIEGEL: Der Sommerurlaub steht bevor. Was empfehlen Sie Menschen, die nun bald am Strand in der Sonne liegen wollen?

Breitbart: Vermeiden, kleiden, cremen. In dieser Reihenfolge. Mittags, also zwischen 11 und 15 Uhr, sollte man grundsätzlich nicht an den Strand gehen. Und für die anderen Zeiten sollte man sich bei den Wetterdiensten den UV-Index ansehen. Ab einem UV-Index von drei sollte man nur noch im langärmligen Hemd und langen Hosen rausgehen und mit einem Hut, der mindestens acht Zentimeter Krempe hat. Außerdem mit Sonnenbrille, damit die UV-Strahlung die Augen nicht so stark schädigen kann. Und auf die unbedeckten Hautstellen sollte man ausreichend Sonnenschutzmittel auftragen, zwei Milligramm pro Quadratzentimeter, mit Lichtschutzfaktor 30 oder höher. Das sind bei Erwachsenen fünf bis sechs Esslöffel für den gesamten Körper, bei einem zehnjährigen Kind etwa eineinhalb Esslöffel – deutlich mehr, als die meisten denken. Wichtig ist, sich etwa eine halbe Stunde, bevor man in die Sonne geht, einzucremen, und außerdem regelmäßig nachzucremen. Babys unter einem Jahr sollten überhaupt nicht in die Sonne, das ist Körperverletzung!

SPIEGEL: Was ist, wenn man nicht total verhüllt am Strand sitzen möchte? Reicht es nicht aus, konsequent und ausreichend Sonnenschutzmittel aufzutragen?

Breitbart: Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor verhindern Sonnenbrand, sie reduzieren die DNA-Schäden. Aber es gibt, außer vielleicht beim Plattenepithelkarzinom, in der Literatur keinen Hinweis darauf, dass sie auch Hautkrebs verhindern können. Wahrscheinlich kommt immer noch zu viel UV-Strahlung durch. Sonnencreme ist deshalb nur eine Ergänzung zu den anderen Maßnahmen.

SPIEGEL: Ist die natürliche Sonnenbräune der Haut nicht auch ein Schutz gegen UV-Strahlung?

Breitbart: Die Sonnenbräune, also das Pigment Melanin, das der Körper bereitstellt, um seine DNA vor der UV-Strahlung zu schützen, hat maximal einen Lichtschutzfaktor von 4. Sonnengebräunte Menschen wurden in Nazi-Propagandafilmen als besonders gesund dargestellt. Anders als viele heute noch denken, ist sonnengebräunte Haut definitiv kein Zeichen von Gesundheit. Jeder Mensch, der von der Sonne braun geworden ist, zeigt, dass die DNA in seinen Hautzellen schwerst geschädigt ist. Sonnenbräune ist die letzte, verzweifelte Abwehrreaktion unserer Haut, um DNA-Schäden in den Zellen zu verhindern. Aber dieses System schützt eben nur sehr schlecht.

SPIEGEL: Der häufigste bösartige Tumor der Haut ist das Basalzellkarzinom. Es tritt ebenfalls typischerweise an Hautstellen auf, die viel Sonne abbekommen, also zum Beispiel auf der Nase oder der Glatze. Woran kann man es erkennen?

Breitbart: Zu Beginn sieht es aus wie ein sehr unscheinbares Knötchen, eine kleine Erhebung, die völlig hautfarben ist. Dieses Knötchen schauen Sie sich die nächsten zwei, drei Jahre morgens im Spiegel an und merken, dass es sich ganz langsam verändert: Die Hautfarbigkeit verschwindet, es nimmt eine etwas fahle, porzellanähnliche Farbe an. Und es wächst weiter, der Knoten wird größer, und wenn Sie ihn anfassen, ist er ganz hart. Wenn Sie dann noch länger mit dem Arztbesuch warten, sehen Sie, dass sich der porzellanfarbene Knoten an der Oberfläche mit vielen feinen Gefäßen versieht. Und irgendwann hat er plötzlich in der Mitte eine kleine Delle. Wenn Sie weiter warten, wird diese Delle immer tiefer, sie bricht auf und blutet ab und zu. Dann wird sie immer größer, und irgendwann haben Sie ein richtiges Loch – und das Basalzellkarzinom wächst in die Tiefe. Es metastasiert zwar nicht, aber es zerstört alles, was ihm im Weg ist – Haut, Muskeln und Knochen. Warten Sie deshalb nicht, bis das Loch in der Mitte dieses Tumors entsteht. Gehen Sie bitte unbedingt schnell zum Arzt.

SPIEGEL: Die gefährlichste Hautkrebsart ist das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs. Wie kann man diesen Krebs erkennen?

Breitbart: Das ist relativ schwierig, weil das Melanom keine Vorstufe hat. Vor allem, wenn jemand sehr viele Pigmentmale hat, die alle unterschiedlich aussehen, ist es nicht leicht, darin ein Melanom zu erkennen. So etwas sollte grundsätzlich von einem Arzt, der viel Erfahrung hat, angeschaut werden. Man muss lernen, unter 50 oder 60 Pigmentmalen das eine zu erkennen, das anders aussieht. Dann guckt man sich die Ränder an: Wenn der Rand nicht mehr glatt begrenzt ist, sondern ausläuft, verschwindet, dann ist das kein gutes Zeichen. Wenn dann am Rand auch noch filigrane Ausläufer zu sehen sind, wie kleine Finger, und wenn innerhalb des Mals eine sehr unterschiedliche Farbgebung herrscht – bräunlich, grau-weißlich, schwärzlich – und wenn vielleicht an einer Stelle auch noch ein kleiner Knoten wächst, dann müssen Sie sehr schnell zum Arzt. Sonst ist es möglicherweise schon zu spät, und es ist schon zu einer Metastasierung gekommen. Auf keinen Fall sollte man warten, bis Melanome anfangen zu bluten. Das Melanom ist ein sehr aggressiver Tumor. Mein Vater ist qualvoll an einem Melanom gestorben.

SPIEGEL: Nun ist es nicht unbedingt leicht, schnell einen Hautarzt-Termin zu bekommen. Haben Sie einen Tipp, wie es schneller geht, wenn es dringend ist?

Breitbart: Ich weiß, dass es schwierig ist, schnell einen Hautarzt-Termin zu bekommen. Sagen Sie am Telefon einfach die Wahrheit: Dass Sie Ihre Haut regelmäßig selbst untersuchen, dass Sie ein auffälliges Pigmentmal gefunden haben, das neu ist oder sich stark verändert hat und dass Sie befürchten, Hautkrebs zu haben. Wenn das nicht klappt, sagen Sie zur Not, dass Sie auch als Selbstzahler kommen würden. Leider ist es realistischerweise so, dass es dann oft schneller geht.

SPIEGEL: Ist es sinnvoll, sich regelmäßig selbst zu untersuchen?

Breitbart: Ja, auf jeden Fall!

Das Hautkrebs-Screening in Deutschland wurde gegen die Wand gefahren

SPIEGEL: Wie macht man das am besten?

Breitbart: Entweder Sie stellen sich einmal im Monat mit einem Handspiegel vor einen großen Spiegel. Dann ziehen Sie sich vollständig aus und gucken die gesamte Hautoberfläche systematisch durch. Fangen Sie oben bei den Haaren an, denn auf der Kopfhaut haben Sie auch Pigmentmale, machen Sie im Gesicht weiter und gucken Sie auch in die Ohren rein und ein bisschen in den Mund. Dann kommt der Rest des Körpers, Brust, Bauch, Rücken, Achselhöhlen, Arme, Hände, Beine, Füße, zwischen den Zehen, Analbereich. Und den Genitalbereich nicht vergessen. Es gibt im Internet Anleitungen für diese Selbstuntersuchung . Wenn Sie ein Familien-Event aus der Sache machen und sich mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin gegenseitig untersuchen, ist es sogar noch einfacher. Mit der Zeit kennen Sie Ihre Pigmentmale und Sie merken, wenn eines plötzlich anders aussieht. Wenn eines anfängt, der Beschreibung eines Melanoms, Plattenepithelkarzinoms oder Basalzellkarzinoms zu gleichen oder wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, gehen Sie sofort zum Arzt. Bei Risikopatienten ist die Selbstuntersuchung allerdings kein Ersatz für ein regelmäßiges Hautkrebsscreening.

SPIEGEL: Wer hat denn ein hohes und wer ein niedriges Risiko, Hautkrebs zu bekommen?

Breitbart: Ein hohes Risiko für Hautkrebs haben Menschen mit einem hellen Hauttyp, Menschen mit mehr als 40 bis 50 Pigmentmalen, vor allem, wenn diese sich schnell verändern, Menschen, die schon einmal Hautkrebs hatten und Menschen mit Hautkrebs in der Familie. Ein eher niedriges Risiko haben Menschen mit einem dunklen Hauttyp, vor allem Menschen mit schwarzer Haut. Aber auch sie können an einem malignen Melanom erkranken. Der wichtigste Risikofaktor für Hautkrebs ist allerdings die UV-Exposition. Besonders gefährdet sind daher Menschen, die viel Zeit in der Sonne verbringen, ob bewusst durch Sonnenbaden oder Solarienbenutzung, im Alltag oder aber auch im Berufsleben, weil sie draußen arbeiten.

SPIEGEL: Bislang haben alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren, bei einigen Versicherungen auch schon deutlich früher, alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebs-Screening. Doch dieses Screening soll nun möglicherweise abgeschafft oder eingeschränkt werden. Was halten Sie davon?

Breitbart: Hautkrebs-Screening ist nachweislich wirksam. In unserer großen Machbarkeits-Studie, die vor der Einführung des Screenings durchgeführt wurde, konnte die Melanom-Sterblichkeit um etwa 50 Prozent verringert werden. Aber das Screening in Deutschland wurde gegen die Wand gefahren und sollte in dieser Form nicht weitergeführt werden. Da die rund 3000 niedergelassenen Dermatologen in Deutschland nicht über 40 Millionen anspruchsberechtigte Menschen screenen konnten, wurden auch die Hausärzte mit ins Screening einbezogen. Über die Jahrzehnte ist die Qualität dann schlecht geworden, und es gehen inzwischen nur noch rund zehn Prozent zum Screening. Das reicht nicht aus, um überhaupt irgendetwas zur Wirksamkeit zu sagen. Ich denke deshalb – und das ist auch die Linie der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, deren Vorsitzender ich bin – man sollte risikoadjustiert screenen. Also mithilfe des jetzigen Screenings Risikopatienten herausfiltern und diesen Menschen sagen: Such dir einen Hautarzt, der dich ein Leben lang screent, so wie es deinem individuellen Risiko angemessen ist.

Außerdem in dieser Ausgabe
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