


























Mit Larry Sanger wurde einer der beiden Wikipedia-Gründer von der Online-Enzyklopädie gesperrt, nachdem er gegen Regeln zur Einflussnahme auf interne Entscheidungsprozesse verstoßen haben soll. Das geht aus seiner Profilseite und der Debatte hervor. Die Sperrung ist der jüngste Höhepunkt in einer seit zwei Jahrzehnten geführten Auseinandersetzung. Sanger hatte kurz nach der Eröffnung der Wikipedia begonnen, den Verantwortlichen „Propaganda für das linke Establishment“ vorzuwerfen und wurde entlassen. Sein Mitgründer Jimmy Wales versucht, Sangers Rolle herunterzuspielen. In dem Streit geht es um eine Liste zuverlässiger Medien, die auf der englischen Wikipedia geführt wird. Sanger war nach jahrelanger Abstinenz erst im Herbst wieder auf der Wikipedia aktiv geworden.
Sanger wirft der englischen Wikipedia vor, dass dort bestimmte Standpunkte bevorzugt würden, während angeblich konservative Stimmen unterdrückt würden. Konkreter Anlass für die jüngste Eskalation war sein Umgang mit einem sogenannten WikiProject namens Intellectual Diversity. Das zielte vorgeblich darauf ab, Menschen zusammenzubringen, die an der Wikipedia mitarbeiten und die mehr für faire Entscheidungsprozesse, mehr zulässige Quellen, „echte Neutralität“ und Maßnahmen gegen zu aggressive Sperren unterstützen. Darüber wurde zwar diskutiert, aber der Grund für die Sperre ist ein anderer. Entgegen der Wikipedia-Regeln hatte Sanger vor dem Wochenende außerhalb der Plattform dafür geworben, sich dem Projekt anzuschließen.
Als Sanger auf dem Kurznachrichtendienst X auf die Debatte über sein Projekt hingewiesen hat, hat er damit unzulässig „Reklame“ dafür gemacht. Erklärt wird das bei der Beschreibung der Regeln gegen das sogenannte „Canvassing“. Dort heißt es, dass derartige Kommunikation über die Wikipedia-Werkzeuge geführt werden müsse, außer es gebe triftige Gründe. Dass Sanger darüber Bescheid wusste, hat er selbst deutlich gemacht. Als er auf X gefragt wurde, ob man sich noch an der verlinkten Debatte beteiligen könne, hat er geantwortet: „Sagen wir es mal so, wenn ich diese Frage in einer oder anderer Weise beantworte, könnten die ‚Spielplatz-Mütter‘ die die Wikipedia beherrschen, mich sperren. 😂😂“
Laut seiner Profilseite wurde Sanger „unbefristet“ gesperrt, er selbst spricht vom „‚Konsens’ eines Mobs“. Es habe keinen fairen Prozess gegeben, keinen Ankläger, keinen unparteiischen Richter, keine Jury und keine Auslegung des Gesetzes. Alle Richter seien selbst ernannt und „hassen mich“. Auf Wikipedia selbst wurde derweil weiter diskutiert. Dabei gibt es hauptsächlich Kritik an Sanger, aber auch an einer angeblich zu früh verhängten Sperre. Eigentlich dürfe die erst nach 72 Stunden in Kraft treten. Diese Frist ist inzwischen aber ebenfalls abgelaufen. Hingewiesen wird zudem darauf, dass Sanger beteiligte Administratoren mehrfach über seinen X-Account einer breiteren Masse öffentlich gemacht hat. Sanger selbst kann sich nach der Sperre dort nicht mehr an den Debatten beteiligen.
(mho)
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