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Getty kuschelt mit OpenAI – die Fotonews der Woche 26/2026
Thomas Hoffmann · 2026-06-27 · via heise online News

Wer hätte das kommen sehen? Getty Images, früher einer der lautesten OpenAI-Kritiker und obendrein mit einer Klage gegen Stability AI am Start, schmiegt sich plötzlich an den KI-Riesen. Was ist da los? Vermutlich hat Getty kalkuliert: Lieber den Gegner umarmen, bevor er einen plattmacht. Weniger dramatisch gesagt – wennschon KI, dann wenigstens gegen Lizenzgebühren.

Das Titelbild der Ausgabe 03 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

(Bild: 

heise

)

Die Nachricht traf diese Woche ein wie eine offene Blende bei Mittagssonne: Getty Images und OpenAI haben eine „Display Partnership“ verkündet. Klingt harmlos, ist aber ein ziemlicher Kurswechsel. Jetzt dürfen ChatGPT-Nutzer auf Gettys gewaltiges Archiv zugreifen – ordentlich lizenziert und vergütet, versteht sich.

Die Börse reagierte prompt. Gettys Aktie schoss nach oben, zeitweise um mehr als 145 Prozent. Investoren scheinen darauf zu setzen, dass dieser Deal ein Vorbild sein könnte – eines, bei dem Bildagenturen nicht von der KI verdrängt, sondern eingebunden werden. Konkret heißt das: Wer bei ChatGPT etwas anfragt, bekommt direkt Getty-Bilder serviert, samt Lizenz und Wasserzeichen.

Für Fotografen, deren Bilder bei Getty liegen, ist das so eine Sache. Einerseits Sichtbarkeit in einem der meistgenutzten KI-Tools weltweit – das ist nicht nichts. Andererseits steht in den Sternen, wie die Vergütung konkret aussieht und ob sie überhaupt fair ausfällt. Getty verspricht eine Beteiligung der Fotografen, bleibt bei den Details aber auffällig wortkarg.

Und dann sind da die größeren Fragen: Beginnt hier eine neue Ära, in der Bildagenturen und KI-Firmen kooperieren, statt sich zu bekriegen? Oder ist das bloß der verzweifelte Versuch, im KI-Zeitalter nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden? Wahrscheinlich von beidem etwas. Getty hat begriffen, dass man den Kampf gegen die KI nicht gewinnt – also wird man eben Teil der Lösung.

Für OpenAI ist der Deal ein kluger Schachzug. Das Unternehmen sichert sich so nicht nur Zugriff auf Millionen hochwertiger Bilder, sondern gleich noch ein Stück Legitimität dazu. Der Vorwurf, KI-Modelle würden mit gestohlenem Material gefüttert, wird schließlich immer lauter. Genau darauf antworten Partnerschaften wie diese. „Schaut her, wir zahlen für Inhalte!“, lautet die Botschaft. Ob das die Kritiker beruhigt? Eher fraglich. Aber es ist immerhin ein Anfang.

Spannend ist auch die Frage, wer nachzieht. Shutterstock hat längst ähnliche Vereinbarungen mit KI-Unternehmen geschlossen. Es riecht nach neuer Normalität: KI-Firmen lizenzieren Inhalte, Agenturen verdienen mit – und Fotografen bekommen, nun ja, hoffentlich auch ihren Anteil.

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Während Getty die Nähe zur KI sucht, geht VSCO einen ganz anderen Weg. Die bei vielen Fotografen beliebte App bringt mit „VSCO One“ eine All-in-One-Plattform für Profis – für satte 500 Dollar im Jahr. Das ist kein Abo mehr, das ist eine Ansage. Zum Vergleich: Das reguläre VSCO-Abo schlägt mit rund 30 Dollar jährlich zu Buche.

Und was steckt drin? VSCO One verbindet die bekannte Bildbearbeitungs-App mit „VSCO Workspace“, einer Desktop-Anwendung für den professionellen Workflow. Obendrauf gibt es erweiterte Portfolio-Funktionen, Cloud-Speicher und Werkzeuge zur Kundenverwaltung. VSCO will damit die Komplettlösung für Profis sein – von der Aufnahme über die Bearbeitung bis hin zur Präsentation und Kommunikation mit dem Kunden.

Bleibt die Frage, ob Profis tatsächlich 500 Dollar lockermachen, wenn sie ohnehin schon Adobe-Abos, Speicherlösungen und Portfolio-Websites bezahlen. VSCOs Argument: Erst die Integration all dieser Dienste rechtfertige den Preis. Und ehrlich gesagt – wer Lightroom, Cloud-Speicher, Portfolio-Hosting und Kundenkommunikation einzeln abrechnet, landet schnell in ähnlichen Größenordnungen.

Trotzdem bleibt es ein gewagter Schritt in einem Markt, den Adobe fest im Griff hat. VSCO baut darauf, dass Fotografen die nahtlose Integration und die unverkennbare Ästhetik der Marke zu schätzen wissen. Ob das gegen den Platzhirsch ausreicht? Abwarten. Der Start ist für später in diesem Jahr angekündigt.

Wenn Adobe einkaufen geht, wird es für die Nutzer meistens teuer. Jetzt also Topaz Labs – der Software-Gigant hat sich den KI-Bildbearbeitungs-Spezialisten einverleibt. In der Foto-Community schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Denn Topaz war für viele genau die Alternative, zu der man griff, wenn man Adobes Abo-Modell nicht ausstehen konnte.

Topaz Labs hat sich in den vergangenen Jahren mit Tools wie Sharpen AI, Denoise AI und Gigapixel AI einen Namen gemacht – allesamt Programme, die Bilder per künstlicher Intelligenz aufwerten, hochskalieren und entrauschen. Der entscheidende Unterschied zu Adobe lag im Geschäftsmodell: Man konnte die Software kaufen statt mieten. Einmal zahlen, fertig. Kein monatliches Abo, das sich anfühlt wie ein Fitnessstudio-Vertrag, den man nie kündigt, aber auch nie wirklich nutzt.

Adobe verspricht jetzt, die Topaz-Technologie in die Creative Cloud zu integrieren. Was das für die bisherigen Topaz-Nutzer heißt? Das bleibt offen. Werden die eigenständigen Apps weiter angeboten? Oder verschwinden sie im schwarzen Loch der Creative Cloud und tauchen nur noch als Abo-Feature wieder auf? Die offizielle Pressemitteilung bleibt an dieser Stelle vage – selten ein gutes Zeichen.

Auf Reddit herrscht schon jetzt Katerstimmung. Viele befürchten, dass ihre geliebten Standalone-Tools bald Geschichte sind. „Erst war Topaz die Alternative zu Adobe, jetzt ist es Adobe“, bringt ein Kommentar die Stimmung auf den Punkt. Andere spekulieren bereits über steigende Preise – eine Sorge, die sich bei Adobe-Übernahmen historisch durchaus belegen lässt.

Für Adobe ergibt der Deal natürlich Sinn. Die KI-Technologie von Topaz ist ausgereift und könnte Lightroom und Photoshop um neue Funktionen erweitern. Obendrein verschwindet ein Konkurrent vom Markt, der gerade bei Fotografen, die keine monatlichen Gebühren zahlen wollten, einen guten Ruf hatte. Win-win für Adobe, lose-lose für die Nutzer? Die nächsten Monate werden zeigen, ob die vielen Befürchtungen berechtigt sind.

Zu den Details der Übernahme, allen voran dem Kaufpreis, schweigt sich Adobe jedoch aus. Abschließen möchte man die Integration im Laufe des Jahres 2026. Bis dahin dürften die Topaz-Apps noch eigenständig erhältlich bleiben – vermutlich die letzte Gelegenheit, sie als Kaufversion zu sichern, ehe sie im Creative-Cloud-Universum aufgehen.

Eines steht fest: Die Foto-Community wird die Entwicklung mit Argusaugen verfolgen. Womöglich ist auch die Zeit reif für einen neuen Underdog, der das Erbe von Topaz als Adobe-Alternative antritt. Bis dahin gilt: Willkommen in der Familie, Topaz Labs. Es war schön, euch als unabhängige Alternative gekannt zu haben.

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(tho)