






















Der Xiaomi H50 Pro ist ein günstiger Saug- und Wischroboter mit Komplettstation. Wir haben getestet, was das 500-Euro-Modell im Alltag wirklich leistet.
Bei Saugrobotern beginnt die vernünftige Einstiegs-Mittelklasse mit Komplettstation und automatischer Moppwäsche heute bei rund 500 Euro. Genau dort positioniert sich der neue Xiaomi H50 Pro für 500 Euro. Er bringt eine kompakte All-in-one-Station mit Absaugung, Wischmoppwäsche und Heißlufttrocknung mit, dazu einen ausfahrbaren Wischarm mit Federmechanismus, 15.000 Pa Saugleistung und LiDAR-Navigation samt 129-Grad-Strukturlicht-Hinderniserkennung.
Auf dem Papier liest sich das wie ein vollwertiges Premiumpaket – die Konkurrenz im gleichen Preisbereich, etwa der Mova P50 Pro Ultra, der Ecovacs T90 Pro Omni oder der nur 100 Euro teurere Mova P70 Pro Ultra, sitzt Xiaomi aber im Nacken. Wir haben den H50 Pro im Alltag getestet und zeigen, welche Versprechen er einlöst – und wo er die typischen Sparmaßnahmen erkennen lässt.
Der H50 Pro setzt auf ein schlichtes, komplett weißes Kunststoffgehäuse. Roboter und Station wirken sauber verarbeitet, aber nicht so hochwertig wie teurere Konkurrenzmodelle. Der Roboter misst 35,5 cm im Durchmesser und ist nur 9,3 cm hoch – damit passt er auch unter niedrigere Möbel. Mit 3,9 kg liegt er im üblichen Rahmen.
Xiaomi H50 Pro – Bilderstrecke
Die Station ist mit 32 × 49,5 × 41,1 cm vergleichsweise kompakt und deutlich schmaler als der Roboter, sodass dieser beim Andocken seitlich über die Rampe hinausragt. Auf eine geschlossene Gehäuseform mit klassischem Deckel verzichtet Xiaomi. Stattdessen bilden die beiden Wassertanks (4 l Frischwasser, 3,2 l Schmutzwasser) direkt die Oberseite und werden von oben eingesetzt. Das wirkt etwas zusammengesetzt, ist aber funktional und spart Platz. Der 2,5-l-Staubbeutel sitzt darunter hinter einer Klappe und reicht laut Xiaomi bis zu 75 Tage – ein realistischer Wert für einen Zwei-Personen-Haushalt mit rund 100 m² Fläche.
Eine Besonderheit ist der Wischmechanismus. Xiaomi bewirbt ihn als „Wischarm mit verbesserter Reichweite“ und spricht von 68 Prozent mehr Verlängerung gegenüber älteren eigenen Modellen. Wie genau die Mechanik intern aufgebaut ist, kommuniziert Xiaomi nicht. Im Alltag verhält sich der Arm aber so, als arbeite er mit einer Kombination aus Elektrik und einem nachgebenden Federelement: Ausgefahren, lässt er sich beim Anstoßen an Wände oder Möbel zurückdrücken und springt nach Vorbeifahrt am Hindernis selbstständig wieder in die ausgefahrene Position. Das Ein- und Ausklappen des Arms selbst geschieht elektrisch.
Die Lösung wirkt im Vergleich zu vollelektrisch gesteuerten Wischarmen etwas pragmatischer, funktioniert im Alltag aber gut – einen Innovationsvorsprung gegenüber Roborock, Dreame oder Mova bedeuten ausfahrbare Wischarme an sich aber nicht. Für den Preis und zur besseren Erreichbarkeit von Kanten aber durchaus sinnvoll und gut.
Die Einrichtung läuft über die Xiaomi-Home-App, die als zentrale Schaltzentrale für das gesamte Xiaomi-Ökosystem dient – vom Luftreiniger bis zur smarten Lampe. Wer schon Xiaomi-Geräte nutzt, kennt den Ablauf. Die automatische Umgebungssuche nach koppelbereiten Geräten klappte im Test zwar nicht, dafür ließ sich der H50 Pro problemlos aus der Geräteliste auswählen. Danach geht es zügig: WLAN einbinden (nur 2,4 GHz), Raum zuweisen, Namen vergeben – fertig. Ein anschließendes Softwareupdate von Version 4.5.8_0067 auf 4.5.8_0085 dauert rund zwei Minuten, die Patchnotes bleiben mit „bekannte Probleme behoben“ wenig aussagekräftig.
Die Erstkartierung unseres knapp 100 m² großen Testbereichs dauert etwa 20 Minuten. Die deutsche Sprachausgabe ist angenehm formuliert, kurz und grammatikalisch korrekt – eine der besseren Sprachausgaben am Markt. In der App lassen sich Möbel einfügen, Sperrbereiche und virtuelle Wände setzen sowie mehrere Etagen anlegen.
Xiaomi H50 Pro – App & Einrichtung
Ein Ärgernis trat im Test bei der Kartenerweiterung auf: Öffnet man eine bei der Kartierung geschlossene Tür, bricht der Roboter aus dem definierten Bereich aus und erweitert die Karte automatisch. Das machen Roborock, Dreame und Mova zwar auch, dort lässt sich diese Funktion aber deaktivieren und die alte Karte bleibt als Backup erhalten. Beim H50 Pro fanden wir weder eine Option zum Abschalten noch eine Möglichkeit, die ursprüngliche Karte wiederherzustellen. Wir mussten den gesamten Bereich neu kartieren.
Zur Orientierung nutzt der H50 Pro einen Lasersensor (LDS) auf dem Turm für die Kartierung sowie ein Weitwinkel-Strukturlicht mit 129 Grad Sichtfeld zur Hinderniserkennung. Laut Xiaomi liegt die Erkennungsgenauigkeit im Millimeterbereich (±6 mm bei Ebenenerkennung), was auch Hindernisse mit geringer Bodenfreiheit erfassen soll. Eine echte KI-Kamera mit Objekterkennung dutzender Gegenstandstypen, wie sie etwa Eufy oder Roborock im ähnlichen Preisbereich anbieten, fehlt allerdings. Hindernisse über 2 cm überwindet er, der Wischaufsatz hebt sich auf Teppichen bis 10,5 mm an. Auch Absturzsensoren an Treppenkanten sind an Bord.
Im Test fährt der Roboter strukturiert in S-Bahnen und ohne Umwege, das Tempo ist durchschnittlich – weder besonders flink noch träge. Hindernisse erkennt er ordentlich: Stuhlbeine umfährt er vorsichtig, Möbel stupst er höchstens leicht mit dem Frontschild an. Auch im Stuhlbein-Wirrwarr unter dem Esstisch und in Engstellen kommt er ohne Brachialgewalt wieder heraus. Bei Möbeln mit mindestens 2,8 cm Bodenfreiheit fahren laut Hersteller die Wischarme aus, um auch darunter zu reinigen.
Der H50 Pro arbeitet mit 15.000 Pa Saugleistung über vier Stufen (leise bis Turbo). Auf Hartboden entfernt er rund 90 % unserer durch Haferflocken simulierten groben Partikel im ersten Durchgang. Nur vereinzelt schleudert die Seitenbürste Partikel weg. Auf Teppich überzeugt die Reinigungsleistung mit über 80 % entfernten Partikeln bei feinem und grobem Schmutz, wobei feiner Staub etwas besser eingesammelt wird. Die Lautstärke liegt je nach Saugstufe zwischen 47 und 67 dB(A) – auf Turbo deutlich hörbar, aber noch erträglich. Das reine Fahrgeräusch beträgt 35 dB(A), die Fahrmotoren sind unauffällig abgestimmt.
Ein klarer Schwachpunkt ist die Hauptbürste. Sie ist an beiden Seiten fest mit dem Gehäuse verbunden – Detangle-Mechanismen wie bei Roborock (zwei kurze, mittig verjüngte Bürsten) oder einseitig offene Bürsten bei Dreame fehlen. Im Test wickelten sich nach nur drei Minuten Haare fest um die Bürste, die sich nicht von selbst lösten. In Haushalten mit langen Haaren oder Haustieren ist das ein echter Nachteil.
Beim Wischen punktet der H50 Pro mit seinem ausfahrbaren Wischpad samt Federmechanismus. Xiaomi nennt das System „Wischarme neu definiert“ und verspricht eine Reichweitenverlängerung um 68 % gegenüber älteren eigenen Modellen sowie einen Mindestabstand von 0 mm zu Wänden und Ecken. Im Praxistest erreicht das Pad tatsächlich wellige Wände, runde Topfunterseiten oder Möbelfüße fast lückenlos. Zwischen den beiden Pads bleibt zwar in der Mitte eine schmale Lücke ungewischt, diese erreicht der Roboter aber meist beim Abfahren der nächsten Bahn. Die Wischfeuchtigkeit lässt sich in drei Stufen einstellen, ebenso die Bahnenge. Änderungen werden allerdings erst nach Rückkehr zur Station wirksam, da die Mopps nur dort befeuchtet werden.
Xiaomi H50 Pro – Reinigung
Die Wischpads rotieren mit 180 U/min und werden in der Station mit 55 °C warmem Wasser gereinigt. Im reinen Wischmodus gibt Xiaomi den Geräuschpegel mit nur 57 dB(A) an – das passt zu unserer Messung. 55 °C sind allerdings im Vergleich mittlerweile wenig: Der nur 100 Euro teurere Mova P70 Pro Ultra spült bereits mit 100 °C, was hygienisch deutlich überzeugender ist. Die Heißlufttrocknung der Pads dauert laut Hersteller rund zwei Stunden und reduziert die Restfeuchte um über 99 % – das verhindert Gerüche zuverlässig. Die Mopp-Wäsche lässt sich in zwei Intensitäten konfigurieren.
Die Mopp-Wäsche lässt sich in zwei Intensitäten konfigurieren. Auf Teppich werden die Mopps zuverlässig angehoben – mit einer Einschränkung: Steht der Roboter mit nur einem Pad halb auf dem Teppich und einem Pad noch auf Hartboden, klappt er beide Mopps herunter und wischt die Teppichkante feucht an. Die Seitenbürste ist elektrisch ausfahrbar, kommt aber vergleichsweise selten zum Einsatz und arbeitet kaum parallel zum Wischpad.
Der Akku reicht laut Hersteller für bis zu zwei Stunden Betrieb. Im Test reinigte der H50 Pro unseren 56 m² großen Testbereich in 84 bis 89 Minuten und verbrauchte dabei rund 63 % der Akkuladung. Hochgerechnet sollten damit auch größere Wohnungen von rund 90 m² am Stück machbar sein. Bei noch größeren Flächen kehrt der Roboter automatisch zur Station zurück, lädt nach und setzt anschließend dort fort, wo er aufgehört hat. Die Ladezeit gibt Xiaomi mit rund fünf Stunden an – das ist im Vergleich eher viel, fällt im Alltag aber kaum auf, da der Roboter ohnehin meist parkt.
Der Xiaomi H50 Pro kostet zum Marktstart 500 Euro, mit kompletter Station inklusive Absaug-, Wisch- und Trocknungsfunktion. Damit ist er fair bepreist und konkurriert direkt mit dem Mova P50 Pro Ultra und dem Ecovacs T90 Pro Omni. Wer 100 Euro drauflegt, bekommt allerdings mit dem Mova P70 Pro Ultra ein technisch deutlich beeindruckenderes Modell mit 100-Grad-Moppwäsche.
Der Xiaomi H50 Pro ist ein solider, ehrlicher Saug- und Wischroboter mit Komplettstation. Er macht im Alltag wenig falsch: Die Saugleistung ist gut, das Wischergebnis ordentlich, die Navigation strukturiert und die Hinderniserkennung zuverlässig. Der pragmatische Federmechanismus des ausfahrbaren Wischpads funktioniert überraschend gut und sorgt für saubere Kanten. Auch die kompakte Station und die übersichtliche Xiaomi-Home-App tragen zum positiven Gesamteindruck bei.
Schwächen zeigt der H50 Pro bei der Hauptbürste, die sich schnell mit Haaren zusetzt, sowie bei der Kartenverwaltung, die einmal erweiterte Karten nicht zurücksetzen kann. Auch die Moppwäsche mit nur 55 Grad ist im aktuellen Marktvergleich nicht mehr zeitgemäß. Für 499 Euro bietet der H50 Pro trotzdem ein faires Gesamtpaket. Wer aber 100 Euro mehr investieren kann, bekommt mit dem Mova P70 Pro Ultra mehr Technik fürs Geld.
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