

















Der „ONE Tech Company“ betitelte Konzernumbau des Industrieriesen Siemens soll laut einem Bericht auch zahlreiche Führungspositionen treffen. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Industriekreise schreibt, sollen viele „Chief“-Titel abgeschafft werden. Aktuell gebe es im Konzern zum Beispiel Hunderte CEOs, CFOs und andere C-Posten von Sparten oder Landesorganisationen. Das sei ein Wildwuchs, der nicht zur angestrebten schlankeren Organisationsstruktur passe.
Den vom Handelsblatt zitierten Insidern zufolge könnten bis hinauf zur Vorstandsebene viele solcher Titel künftig entfallen oder aber durch „Head of“ ersetzt werden. Siemens kommentierte das nicht. Siemens-CEO Roland Busch hatte die Strategie „ONE Tech Company“ bereits vor rund anderthalb Jahren angekündigt. Im Wesentlichen soll sie wohl die komplexe Struktur des Konzerns vereinfachen und stärker zentralisieren.
Siemens will zudem seine Software-Tochter evosoft in Nürnberg schließen. Bis Ende kommenden Jahres verlieren damit knapp 380 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet. Die Mitarbeiter seien vergangene Woche bei einer Betriebsversammlung über die Entscheidung informiert worden. Siemens sprach demnach von fehlender Auftragslage und davon, dass man künftig Softwarelösungen verstärkt intern entwickeln wolle – teilweise auch im Ausland.
Für evosoft bricht damit der wichtigste Auftraggeber weg, 95 Prozent der Aufträge stammten laut BR von der Konzernmutter. Nun solle es Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über einen Interessenausgleich geben. Den evosoft-Angestellten wurde empfohlen, sich auf die rund 2.000 offenen Stellen im Mutterkonzern zu bewerben.
Laut Handelsblattbericht hat die Schließung von evosoft aber nicht direkt mit „ONE Tech Company“ zu tun. Die Softwaretochter sei seit Jahren stark defizitär gewesen. Für Siemens gelte weiterhin die Vereinbarung, dass es in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen geben solle.
Dennoch sei die Nervosität im gesamten Konzern groß. „Viele unterschätzen die Auswirkungen noch immer“, zitiert das Handelsblatt einen Insider. Die beiden Kernsparten Digital Industries (DI) und Smart Infrastructure (SI) sollen zunächst erhalten bleiben, ebenso die darunter liegenden sechs Geschäftsbereiche. Dafür sollen aber Funktionen zusammengelegt werden, etwa in den Rechts- und Personalabteilungen. Im Technologiebereich sollen verstärkt Plattformen für den Gesamtkonzern zentral entwickelt werden, für die einzelnen Branchen und Sparten solle es nur noch Anpassungen geben.
Weitere Umstrukturierungen im nächsten Jahr sind laut Handelsblatt auch nicht vom Tisch, was auch eine Auflösung der Sparten DI und SI umfassen könnte. Geschäftlich läuft es derzeit jedenfalls bei Siemens gut: Für das Geschäftsjahr 2025 konnte man zum dritten Mal in Folge einen Rekordgewinn feiern und 10,4 Milliarden Euro Gewinn verbuchen.
Von Gewerkschaftsseite gibt es auch grünes Licht für den Konzernumbau. „Wir tragen das Konzept der integrierten ONE Tech Company mit, weil es aus heutiger Sicht langfristig die besten Aussichten für Siemens bietet. Wenn eine Firma bei industrieller KI den amerikanischen Tech-Konzernen die Stirn bieten kann, dann ist das Siemens“, sagte Jürgen Kerner, 2. Vorsitzender der IG Metall und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Siemens AG. Die angekündigten Veränderungen dürften aber nicht mit einem Stellenabbau einhergehen.
(axk)
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