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3I/ATLAS: Interstellarer Komet ist wohl sogar 10 bis 12 M...
Martin Holland · 2026-06-23 · via heise online News

Der interstellare Komet 3I/ATLAS ist offenbar noch einmal deutlich älter als bislang angenommen und vor 10 bis 12 Milliarden Jahren unter Bedingungen entstanden, die sich von jenen in unserem Sonnensystem deutlich unterscheiden. Darauf deuten Untersuchungen mit dem Weltraumteleskop James Webb hin, deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden. Demnach gibt es auf dem Himmelskörper beispielsweise 30-mal mehr Deuterium als auf Kometen im Sonnensystem. Das deute darauf hin, dass er in einem sehr kalten Sternsystem und viel früher in der Geschichte unserer Galaxie entstanden sei, fasst die Europäische Weltraumagentur ESA die Forschungsergebnisse zusammen.

Vergleiche der Verhältnisse verschiedener Stoffe zueinander auf 3I/ATLAS und auf Kometen aus dem Sonnensystem

(Bild: NASA, ESA, CSA, M. Cordiner, L. Hustak (STScI))

Das Material, aus dem 3I/ATLAS einst entstanden ist, sei dabei wahrscheinlich reichlich Strahlung ausgesetzt gewesen, schreibt die Forschungsgruppe. Gleichzeitig habe es damals aber wohl keine „langfristige Wärme“ gegeben, die das Eis aus dem schweren Wasser Deuterium in jenes Eis umgewandelt hätte, das wir von der Erde kennen. Auf den extrem frühen Ursprung deutet demnach auch das Verhältnis der Kohlenstoff-Isotope 12C und 13C hin. Zusammengenommen würden die Spuren nahelegen, dass der interstellare Komet in einer Epoche entstanden ist, die als „kosmische Mittagsstunde“ bezeichnet werde. Damals habe die Sternentstehungsrate im Kosmos ihren Höhepunkt erreicht. Unsere Sonne ist dagegen erst gerade einmal vor 4,5 Milliarden Jahren entstanden.

Dass 3I/ATLAS wohl deutlich älter ist als unser Sonnensystem, war bereits kurz nach seiner Entdeckung ermittelt worden. Damals hieß es aber noch, dass der interstellare Komet vor mindestens 7,6 Milliarden Jahren entstanden sein dürfte. Dieser Wert wurde nun noch einmal deutlich nach hinten verschoben, bis zu 12 Milliarden Jahre könnte der Komet alt sein. Dazu passt auch eine ebenfalls jetzt verfügbar gemachte Analyse, die bestätigt, dass 3I/ATLAS um einen vergleichsweise primitiven Stern in den Randbereichen der Milchstraße entstanden sein dürfte. Diese Studie ist vorab auf Arxiv einsehbar, die Studie zu den Isotopen wurde im Wissenschaftsmagazin Nature publiziert.

Die Analyse sei überhaupt erst möglich gewesen, weil viele Dinge ideal zusammengekommen seien, allen voran die frühzeitige Entdeckung des Himmelskörpers. 3I/ATLAS wurde Anfang Juli 2025 mit dem Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) in Chile entdeckt, daher sein Name. Der interstellare Komet war überhaupt nur der dritte Besucher in unserem Sonnensystem, der während des Durchflugs entdeckt wurde. Auf seiner Bahn durchs Sonnensystem befand er sich im Herbst aus der Perspektive der Erde hinter der Sonne. Deshalb mussten vorübergehend Sonden aus verschiedenen Ecken des Sonnensystems einspringen und die Beobachtung übernehmen. Später konnte er dann auch wieder von der Erde aus beobachtet werden.

(mho)