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Rokid Glasses im Test: Smart Glasses mit KI, Live-Übersetzung & Navigation
Silas Zbornik · 2026-05-21 · via heise online News

Als Smart Glasses bringen die Rokid Glasses sowohl ein AR-Display als auch eine KI-gestützte Live-Übersetzung mit, die beeindruckt.

Mit AR-Display ausgestattet, zeigen die Rokid Glasses Informationen direkt im Sichtfeld des Trägers der Smart Glasses an, ohne dabei die Sicht stark zu beeinträchtigen. Dank der KI-Integration greift man jederzeit auf einen Assistenten zu, der einem Sprachen in Echtzeit übersetzt, mit Bilderkennung Dinge über die integrierte Kamera identifizieren kann und auf Basis von ChatGPT oder Gemini jederzeit Informationen bereitstellt. Wie gut das Zusammenspiel von KI, AR-Display und kompakter Brille funktioniert, zeigen wir im Test. Das Testgerät hat uns der Hersteller zur Verfügung gestellt.

Lieferumfang

Die Rokid Glasses kommen mit dreieckigem Brillenetui, einem Putztuch, zwei zusätzlichen Nasenpads, einem magnetischen Ladeadapter mit USB-C-Port sowie einer kurzen Betriebsanleitung samt Garantie- und Sicherheitshinweisen.

Ein USB-C-Kabel liegt nicht bei, zum Laden der Brille muss man entweder ein bereits daheim vorhandenes verwenden oder eines separat kaufen.

Design

Mit gerade einmal 49 g bei einer Bügellänge von 155 mm, einem Scharnierabstand von 146,3 mm, einer Glasbreite von 49 mm und einer Fassungshöhe von 44,4 mm ist die Brille angenehm leicht – bedenkt man die Technik, die in ihr steckt. Das Gestell ist aus Kunststoff und vollständig schwarz, die Scharniere bestehen aus Metall. Abseits von den etwas breiteren Bügeln würde man auf den ersten Blick nicht zwangsläufig erwarten, dass es sich um eine Smart-Brille handelt. Schaut man etwas genauer hin, fällt jedoch die Kameralinse auf, die neben dem linken Brillenglas ins Gestell eingelassen ist. Ist sie aktiv, leuchtet eine weiße LED.

Rokid Glasses - Bilder

Rokid Glasses - Bilder

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Rokid Glasses - Bilder

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Rokid Glasses - Bilder

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Rokid Glasses - Bilder

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Rokid Glasses - Bilder

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Rokid Glasses - Bilder

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Außen am rechten Bügel befindet sich ein Touchpad, markiert durch eine leicht hervorstehende Linie, oben auf dem Bügel ein Knopf, der unter anderem zum Aufnehmen von Fotos und Videos dient. Die Lautsprecher und Mikrofone der smarten Brille sind zum Ohr hin auf beiden Bügeln oben und unten positioniert. Die Brillengläser können aus dem Gestell herausgenommen und durch welche mit Sehstärke ausgetauscht werden. Dafür benötigt man einen zusätzlichen Rahmen, den man im Rokid-Shop für 40 Euro kaufen kann.

Bei der Verarbeitung gibt es für uns nichts zu beanstanden. Dank der robusten Scharniere aus Metall klappen die Bügel sicher zu. Hier wackelt nichts. Aufgrund des Kunststoffgehäuses würden wir aber nicht unbedingt empfehlen, sie fallen zu lassen oder sich je nach Unterlage versehentlich draufzusetzen.

Ausstattung

Die Rokid Glasses arbeiten mit Waveguides, eine ausführliche Erklärung der Technologie liefern die Kollegen bei heise online. Kurz und knapp: Eine im Rahmen verbaute Light Engine mit Micro-LED-Display sendet das Bild via Lichtstrahlen auf das spezielle Waveguide-Display. Das Display fängt die Lichtstrahlen ein und leitet sie weiter, um sie im Sichtfeld des Trägers zu platzieren und schlussendlich das Bild vergrößert auszugeben.

Die Darstellung des Interfaces erfolgt monochrom in Grün und erinnert direkt an die ebenfalls grüne Benutzeroberfläche des Pip-Boys aus der Fallout-Videospielreihe. Die hier verbaute 0,15cc Micro-LED-Engine arbeitet mit 1500 Nits. Anpassungen an der Farbe kann man nicht vornehmen, die Helligkeit lässt sich allerdings in 15 Stufen einstellen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man auf einen helleren Hintergrund wie den PC-Monitor schaut. Die Positionierung des projizierten Interfaces richtet man, wenn gewünscht, per App aus. Für uns war die Standardpositionierung zu weit oben, weswegen wir sie mittig platziert haben.

Bei der Kamera der Rokid Glasses handelt es sich um eine Sony IMX681, die 12 MP auflöst und Aufnahmen in 3:4, 9:16 und 4:3 erstellen kann. Videos nimmt sie in 9:16 (3K; 30 fps oder 2K; 30 fps), 3:4 (2,5K; 30 fps), 9:19,5 (2K; 30 fps) und 4:3 (2,5K; 30 fps) auf. Einmaliges kurzes Drücken des Auslösebuttons schießt ein Foto, während anschließendes Gedrückthalten die Videoaufnahme startet. Begleitet wird diese immer von einer weiß leuchtenden LED. Neben der Foto- und Videoaufnahme dient die Kamera auch zur Bilderkennung durch die KI.

Für die Rechenleistung der Rokid Glasses ist der Snapdragon AR1 Gen 1 verantwortlich. Der Prozessor wird von 2 GB RAM unterstützt und durch einen 210-mAh-Akku mit Strom versorgt. Drahtlose Verbindungen stehen in Form von Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.3 zur Verfügung. Vier Mikrofone an den beiden Bügeln sind für die Stimmaufnahme verantwortlich, während zwei Lautsprecher Audio direkt an den Ohren wiedergeben.

Ein Sensor, der zwischen den beiden Brillengläsern platziert ist, soll erkennen, wenn die Brille getragen wird. Das ist an und für sich ein super nützliches Feature, da die Bedienelemente an der Brille nicht reagieren, wenn man sie nicht aufgesetzt hat und die Brille so nicht aus Versehen aus dem Sleep-Modus erwacht. Während unseres Tests erwies sich der Sensor allerdings als sehr unzuverlässig. Sehr willkürlich stellt er plötzlich fälschlicherweise fest, dass die Brille nicht länger getragen wird, wodurch man sie nicht mehr bedienen kann.

Dabei ist es egal, ob man sich zuvor bewegt hat oder komplett ruhig saß. Teilweise verhält sich der Sensor dann wie ein USB-Port mit Wackelkontakt, bei dem die Brille dann abwechselnd zwischen wird getragen und wird nicht mehr getragen hin und her springt, stets begleitet von einem Signalton. Das frustriert nicht nur, sondern treibt einen fast in den Wahnsinn. Zum Glück lässt sich die Trageerkennung deaktivieren und die Brille danach ganz normal verwenden. Um die Brille dann in den Standby-Modus zu befördern, muss man beide Bügel einklappen.

Software

Für die Smart Glasses steht die App Hi Rokid im App Store und im Play Store zur Verfügung. Nachdem man die Rokid Glasses via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden und in der App die WLAN-Zugangsdaten hinterlegt hat, bedarf es in unserem Fall zuerst einmal eines Firmware-Updates. Anschließend ist die Brille voll einsatzfähig.

Über die App kann man sowohl die Funktionen der Smart Glasses steuern (alternativ zu den Bedienelementen am Gerät) als auch diverse Einstellungen an der Brille vornehmen. Neben der Video- und Fotoaufnahme kann man die Live-Übersetzung starten, einen Teleprompter einrichten und aktivieren, die Navigation starten, eine Audioaufzeichnung beginnen oder Alipay einrichten und verwenden. Die Memo- und Kalenderfunktionen sind seltsamerweise hinter dem Menüpunkt Tipps versteckt.

Rokid Glasses - Bilder App

Rokid Glasses - Bilder App

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Rokid Glasses - Bilder App

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Rokid Glasses - Bilder App

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Rokid Glasses - Bilder App

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Rokid Glasses - Bilder App

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Rokid Glasses - Bilder App

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Rokid Glasses - Bilder App

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Möchte man einfach so mit der KI sprechen, ist auch das möglich. Am einfachsten geht das allerdings, wenn man mit aufgesetzter Brille "Hi, Rokid" sagt. Dann springt sie an und erwartet einen Input. Als KI-Modelle stehen ChatGPT und Gemini zur Verfügung. In den Einstellungen kann man jederzeit zwischen ihnen wechseln. Die App ermöglicht in diesem Zusammenhang auch, KI-Shortcuts einzurichten und via der Gestensteuerung zu aktivieren. Neben vordefinierten Prompts wie "Wie ist das Wetter heute?" kann man auch eigene festlegen, dann mit maximal 300 Zeichen.

Hat man mit der Brille Fotos, Videos oder Audio-Dateien aufgenommen, werden diese zuerst auf dem Gerät selbst abgespeichert. Um sie sich ansehen zu können, muss man sie in die App importieren. Das klappt nicht immer auf Anhieb, da die Verbindung bei der Synchronisation gelegentlich abbricht. In der Regel reicht es, den Vorgang erneut zu starten. Das ist kein enormes Ärgernis, sollte bei dem Preis aber deutlich runder laufen.

Praxistest

Abgesehen von der bereits erwähnten Frustration durch die fehlerhafte Trageerkennung, machen die Rokid Glasses im Alltag einen mehr oder weniger soliden Job. Am spannendsten war für uns die Übersetzung anderer Sprachen in Echtzeit.

Wir lassen Rokid Japanisch, Chinesisch und Spanisch übersetzen. Per WLAN ist die KI in der Lage, 89 Sprachen zu übersetzen, offline sind es sechs. Die Funktion ist an sich praktisch, hat allerdings zwei Nachteile: Zum einen benötigt die KI kurz, um die Sprache zu analysieren und zu übersetzen, zum anderen passt sie die Übersetzung je nach Sprache in Abhängigkeit des Kontexts nachträglich noch einmal an. Man ist mit dem Lesen also schon ein Stückchen weiter, da verändert sich der Text obendrüber nachträglich noch einmal.

An und für sich ist das sinnvoll, da die Übersetzung so genauer sein sollte, schaut man sich aber Inhalte an oder spricht mit einer Person in Echtzeit, kann die Kombination aus Verzögerung und nachträglicher Anpassung der Übersetzung verwirren und überfordern. Praktisch ist hingegen, dass der übersetzte Text zusammen mit der Originalsprache in der App transkribiert wird und man ihn so auch nachträglich in Ruhe durchlesen kann.

Die Bilderkennung der KI via der integrierten Kamera funktioniert erstaunlich gut, sie braucht aber einige Sekunden, bis sie das Bild analysiert. Die anschließende Beschreibung ist dann allerdings sehr akkurat. Video- und Fotoaufnahmen sind passabel, jedoch nicht sonderlich berauschend. Fotos fehlt es an Detailtiefe, schon leichtes Heranzoomen macht sie pixelig. Videos sind ebenfalls nicht sonderlich hochauflösend. Insgesamt ist die Aufnahmequalität hier näher bei Tablet-Kameras als bei performanten Smartphone-Kameras angesiedelt.

Die Navigationsfunktion bedient sich des auf dem Smartphone installierten Google Maps und wirft die Route kompakt auf das AR-Display der Brille. Das ist tatsächlich enorm praktisch, da man das Smartphone dafür nicht permanent in der Hand halten muss, um regelmäßig auf den Bildschirm zu schauen. Die App warnt einen jedoch, dass man die Funktion auf keinen Fall beim Autofahren verwenden soll. Das erscheint uns sinnvoll, da die Animationen auf dem Display durchaus beim Fahren ablenken können.

Die Lautsprecher der Brille vollbringen keine akustischen Wunder, liefern den Sound aber verständlich ab. Bass ist nicht vorhanden, ein Scheppern zum Glück aber auch nicht. Wer gehofft hat, Musik relativ diskret über die Lautsprecher hören zu können, wird enttäuscht. Mitmenschen, die sich um einen herum befinden, können je nach eingestellter Lautstärke problemlos mithören.

Je nach Nutzungsverhalten holt man aus einer Akkuladung etwa sechs bis acht Stunden Laufzeit heraus. Das ist in Ordnung, Vielnutzer werden hier aber über den Tag laden müssen, da Funktionen wie die KI, Navigation sowie Foto- und Videoaufnahmen den Akku ordentlich beanspruchen.

Preis

Die UVP der Rokid Glasses liegt bei 699 Euro. Aktuell gibt es sie bei Amazon für 569 Euro.

Fazit

Die Rokid Glasses bringen vielversprechende und vor allem nützliche Funktionen mit, die aber stellenweise noch etwas unausgereift sind. Besonders beeindruckend ist die Live-Übersetzung via KI, die aufgrund von Verzögerungszeiten und nachträglicher Ausbesserung aber im Einsatz überfordert. Videos und Fotos aufzunehmen gelingt intuitiv, die Aufnahmequalität lässt allerdings zu wünschen übrig. Auch die Trageerkennung per Sensor schwächelt und funktioniert in unserem Fall nur sporadisch.

Für einen Preis von aktuell 569 Euro sind das viele Kompromisse, die man hier eingehen muss. Hervorzuheben ist jedoch die gute Einbindung der KI, die sich gut in das AR-Display der smarten Brille einfügt. Enthusiasten, denen fehlender Feinschliff nicht so wichtig ist, können hier zugreifen. Allen anderen empfehlen wir zu warten, bis die nächste Iteration der Brille erscheint.