

















Eine Studie des Center for Law and the Economy der Columbia Law School hat Software untersucht, mit der Arbeitgeber ihre Mitarbeiter tracken. Alle untersuchten Anwendungen teilen Daten auch mit externen Unternehmen wie Google, Facebook und Microsoft. – ein gravierendes Datenschutz-Problem für Arbeitnehmer.
Die Studie, geleitet von Stephanie Nguyen, Senior Fellow an der Columbia Law School und ehemalige Chef-Technologin der Federal Trade Commission unter Lina Khan, untersuchte neun Dienste. Hierfür werteten die Forscher Informationen wie Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärungen aus. Zusätzlich fingen sie den Netzwerkverkehr mit einem Open-Source-Tool ab, um zu sehen, welche Daten an welche anderen Dienste übertragen wurden. Mit dabei waren Informationen wie Namen, E-Mail-Adressen, IP-Adressen und Unternehmen der Arbeitnehmer sowie Daten über deren Online-Aktivitäten, einschließlich der von ihnen besuchten Webseiten. Drei der neun untersuchten Plattformen waren außerdem in der Lage, den genauen Standort der Arbeitnehmer zu verfolgen – auch wenn die App im Hintergrund lief.
Für neun Dienste hat die Studie so einen Datenabfluss nun nachgewiesen. Mit dabei war Apploye, Hubstaff und When I Work – alles Programme, die Mitarbeiteraktivitäten wie Arbeitszeiten erfassen. Es ist davon auszugehen, dass zahlreiche weitere Anwendungen eine ähnliche Datensammel-Praxis haben. Denn viele verbreitete Sub-Dienste wie Firebase Crashlytics – ein kostenloses Tool für Absturzberichte, das Entwickler einfach in Apps einbauen können – schicken standardmäßig Daten zu Analyse- und Marketingzwecken an Google. Das kann von den Programmierern aktiviert und deaktiviert werden – wie viele das tun, ist aber nicht klar.
Das Problem geht dabei weit über Marketing hinaus. Zahlreiche digitale Anwendungen – insbesondere die „kostenlosen“ – tracken das Onlineverhalten ihrer Nutzer. Diese Daten werden häufig automatisiert an den globalen Datenhandelsbörsen zu einem Profil zusammengefasst und ermöglichen es, sehr exakte Aussagen über Personen zu treffen. Offline-Dienste wie Versicherungen, Banken und sogar Geheimdienste zeigen ein zunehmendes Interesse an diesen Datensätzen. Ebenso wie Personalagenturen. Erste Unternehmen nutzen die Analysedaten, die online an den Datenhandelsbörsen verfügbar sind, um einzuschätzen, ob ein Bewerber zum Beispiel fleißig ist oder ein erhöhtes Risiko hat, bald schwer zu erkranken. Die Verfasser der Studie warnen davor, dass Daten zum Verhalten am Arbeitsplatz hier dazu beitragen könnten, eine „Schattenwirtschaft der Arbeitnehmerreputation“ zu schaffen, die Menschen noch lange nach ihrem Ausscheiden aus dem Unternehmen verfolgt. Und somit beeinflussen, welche Stellen sie zukünftig noch bekommen können.
The Verge versuchte, Stellungnahmen der neun Unternehmen zu bekommen. Nur zwei antworteten auf die Anfrage.
Wer prüfen möchte, ob auf dem eigenen Arbeitsrechner solche Software läuft, findet in unseren Tipps zum Aufspüren von Überwachungsprogrammen praktische Hinweise.
(rie)
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