
























Die 67. Liste der schnellsten Supercomputer, auch bekannt als Top500, hat es wieder einmal in sich. Nun knackt ein chinesisches Eigengewächs als erster Supercomputer die prestigeträchtige Marke von 2 Trillionen Berechnungen pro Sekunde (2 EFlops) im Benchmark High Performance Linpack (HPL). Dieser misst die Rechenleistung bei der Lösung riesiger linearer Gleichungssysteme mit doppelter Gleitkommagenauigkeit (FP64). Die Ausfuhrbeschränkungen für US-Hardware scheint China zwar vor ein paar Herausforderungen gestellt, am Ende aber nicht dauerhaft behindert zu haben.
Vor Jahresfrist war noch der Jupiter Booster aus Jülich als schnellstes europäisches System und später als erstes europäisches Exascale-System eines der Highlights. Bei Exascale-Systemen handelt es sich um Supercomputer, die pro Sekunde mindestens eine Trillion (1018) Rechenoperationen im HPL schaffen.
Ebenfalls neu in den Top 10 der Liste ist ein zweites kommerzielles System des italienischen Mineralöl- und Energie-Konzerns Eni auf Platz 6. Aus der Top-10-Liste fallen der finnische LUMI und der italienische Leonardo.
Insgesamt schafften es 44 neue Systeme mit durchschnittlich 91 PFlops und Zusammen 3994 PFlops in die 67. Top500-Liste. Der neue Spitzenreiter aus China steuert also mehr als die Hälfte der neuen Rechenleistung bei. Wenn Sie selbst Ihr Glück versuchen wollen: Für den Einstieg auf Platz 500 braucht Ihr PC mehr als 2661,56 TFlops.
LineShine - from Chip to System
(Bild: Carsten Spille / heise medien)
Nachdem China zu einem der führenden Länder auf der Top500-Liste avanciert war, stoppte es ab 2019 auch aufgrund der US-Exportbeschränkungen die Veröffentlichung von Zahlen für seine Supercomputer. Davor war der Sunway TaihuLight im Jahr 2017 das letzte chinesische System auf dem Top500-Spitzenplatz. Allerdings war es ein offenes Geheimnis, dass in China bereits mehrere Exascale-Systeme liefen.
Aufbau des LX2-Prozessors mit ARMv9-Kernen des chinesischen Supercomputers Lineshine.
(Bild: NSCCSZ)
Das neue System hört auf den Namen LineShine und war bereits im April 2026 vorgestellt worden. Es fehlten allerdings konkrete Leistungswerte der auch Ling Chen oder Ling Shen (灵晟) genannten Maschine.
Lineshine setzt voll auf chinesische Hardwareentwicklungen. Die Plattform hört auf den Namen LingKun und verzichtet auf den Einsatz von Beschleunigern, die acht der anderen Top10-Systeme verwenden. Die Rechenleistung stammt aus Lineshine-LX2-Prozessoren mit ARM-v9-Architektur, die jeweils über 304 Kerne mit 1,55 Gigahertz verfügen. Sie orientieren sich mit einem integrierten Interconnect namens LinqQi und beigepacktem High Bandwidth Memory (HBM) stark am Fujitsu A64FX des japanischen Supercomputers Fugaku. Ebenso wie dessen ARM-Kerne besitzen die des LX2 die ARM-Vektorerweiterung SVE, aber zusätzlich auch Scalable Matrix Extensions (SME).
LineShine LX2-CPU
(Bild: Carsten Spille / heise medien)
Insgesamt liefen im HPL-Benchmark 45.360 LX2-Prozessoren mit zusammen 13.789.440 Kernen. Deren theoretische Rechenleistung liegt mit 2,736 EFLops knapp unter der des bisherigen Spitzenreiters El Capitan (2,821 EFlops), aber Lineshine schafft es, die Rohleistung etwas besser auf die Straße zu bringen. Der proprietäre Interconnect namens LingQi liefert 1,6 Tbit/s (200 GByte/s) pro Compute-Node, als Betriebssystem läuft das Linux-Derivat Kylin OS.
LineShine - Netzwerk
(Bild: Carsten Spille / heise medien)
Nicht nur im HPL, sondern auch im speicher- und interconnect-lastigeren HP Conjugate Gradient (HPCG) erklimmt Lineshine den Spitzenplatz und erreicht dort 22 PFlops. Nur im HPL-MxP, bei dem die Berechnungen KI-beschleunigerfreundlich in gemischter Präzision ausgeführt werden, langt es nicht. Mit 7,92 EFlops kommt Lineshine nur auf Platz 4, da bei reinen CPU-Systemen wie Lineshine klassischerweise der Geschwindigkeitsgewinn durch verringerte Präzision niedriger ausfällt als bei Supercomputern, deren Rechenleistung zum größten Teil durch Beschleuniger bereitgestellt wird.
| 67. Top500-Liste der Supercomputer (Juni 2026): Top 10 | ||||||
| Rang | Name | Land | CPU-Typ | Beschleuniger | RMax* | Effizienz |
| 1 | Lineshine (Ling Cheng) | China | LX2 | – | 2198 PFlops | 52,1 GFlops/W |
| 2 | El Capitan | USA | MI300A | AMD Instinct MI300A | 1809 PFlops | 60,9 GFlops/W |
| 3 | Frontier | USA | Epyc | AMD Instinct MI 250X | 1353 PFlops | 55,0 GFlops/W |
| 4 | Aurora | USA | Xeon | Intel Xeon GPU Max | 1012 PFlops | 26,2 GFlops/W |
| 5 | Jupiter Booster | Deutschland | GH200 | Nvidia GH200 | 1000 PFlops | 63,3 GFlops/W |
| 6 | Eni HPC7 | Italien | Epyc | AMD Instinct MI300A | 572 PFlops | 65,4 GFlops/W |
| 7 | Eagle (MS Azure) | USA | Xeon | Nvidia H100 | 561 PFlops | k.A. |
| 8 | Eni HPC6 | Italien | Epyc | AMD Instinct MI 250X | 478 PFlops | 56,5 GFlops/W |
| 9 | Fugaku | Japan | A64FX | – | 442 PFlops | 15,4 GFlops/W |
| 10 | Alps | Schweiz | GH200 | Nvidia GH200 | 435 PFlops | 61,1 GFlops/W |
| *RMax ist die per Linpack gemessene Gleitkomma-Rechenleistung (FP64) | ||||||
Bei den Top10 der Green500, der Liste der effizientesten Supercomputer, hat sich nichts getan. Nach wie vor sind rund 73,3 GFlops pro Watt das höchste der Gefühle, die die Systeme in optimierten Durchläufen erreichen können. Dabei wird oft nur ein Teil der Serverschränke genutzt und zum Beipiel das dedizierte Storage-System abgeklemmt.
Die Spitzenplätze der Green500 halten Systeme mit Nvidias GH200-Superchips, AMDs integrierte Instinct MI300A können mit rund 66 GFlops/W nur die Plätze 9 und 10 besetzen. Allerdings sind die effizienten System oft deutlich kleiner als die größten Supercomputer. So belegt der grünste Supercomputer KAIROS auf der Top500 nur Platz 446. Auf Platz 3 verpasst die Levante GPU-Extension des Deutschen Klimarechenzentrums nur knapp die Marke von 70 GFlops/W. Das Hunter-System des HLRS – Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart – belegt Platz 14.
Das Top1-System Lineshine erreicht im Standard-HPL-Durchlauf (ohne Optimierungen) eine Effizienz von 52,07 GFlops pro Watt – pikanterweise knapp doppelt so viel wie Intels Ponte-Vecchio-Beschleuniger Xeon CPU Max 9470 im Aurora mit 26,15 GFlops/W. Der wesentlich ältere Fugaku kommt auf lediglich 15,42 GFlops/W.
Der Lineshine nimmt unter voller Linpack-Last 42,22 Megawatt (MW) Leistung auf. Das ist relativ viel für einen Top500-Supercomputer, aber nur ein Bruchteil dessen, was aktuelle KI-Rechenzentren schlucken.
(csp)
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