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KI-Update: Mythos, OpenAI, Meta-KI hilft Hackern, KI-Modelle regieren die Welt
Marko Pauli, The Decoder · 2026-06-03 · via heise online News

Anthropic öffnet sein im April 2026 gestartetes Cybersecurity-Programm „Project Glasswing“ für rund 150 weitere Organisationen aus mehr als 15 Ländern. Sie erhalten frühen Zugriff auf das Modell Claude Mythos, um Zero-Day-Schwachstellen in kritischer Software aufzuspüren. Bisherige Partner fanden laut Anthropic bereits über 10.000 schwere Sicherheitslücken. Die neuen Teilnehmer kommen aus Energie, Wasser, Gesundheit und Kommunikation. Auch die EU-Agentur für Cybersicherheit verhandelt offenbar über Zugang.

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Anthropic warnt zugleich, andere Anbieter könnten in sechs bis zwölf Monaten vergleichbare Modelle besitzen, möglicherweise ohne Schutzmechanismen. Das eigene Mythos-Modell soll in den kommenden Wochen allgemein verfügbar werden. Parallel baut Anthropic mit Claude Security ein kommerzielles Geschäftsfeld auf, das Code scannt und Reparaturen vorschlägt.

Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier hat Klage gegen OpenAI und persönlich gegen Firmenchef Sam Altman eingereicht. Vorwurf: ChatGPT gefährde die öffentliche Sicherheit. Der Chatbot habe etwa einem Nutzer eine tödliche Medikamentenkombination empfohlen und einem späteren Amokläufer hilfreiche Ratschläge zu Waffen, Munition und Tatzeitpunkt gegeben. Bei dem Angriff an der Florida State University im April 2025 starben zwei Menschen, sechs wurden verletzt.

OpenAI bestreitet eine Verantwortung der KI und verweist auf Schutzmaßnahmen wie Alterserkennung und Elternkontrolle. Viele dieser Funktionen führte das Unternehmen jedoch erst nach Todesfällen und öffentlicher Kritik ein.

US-Präsident Trump hat einen KI-Erlass unterzeichnet, der der Regierung Vorrang bei den fortschrittlichsten KI-Modellen einräumt. Entwickler sollen ihre „frontier models“ zunächst 30 Tage lang exklusiv der Regierung bereitstellen. Auch danach bleibt der Zugang beschränkt: Betreiber und Behörden legen gemeinsam fest, welche Partner ein Modell nutzen dürfen.

Da der Präsident dies nicht erzwingen kann, setzt er auf ein freiwilliges Framework und drängt KI-Konzerne zur Teilnahme. Zuständig ist ein Arbeitskreis aus NSA, CISA und Finanzministerium. Weitere Teile des Erlasses betreffen IT-Sicherheit und Förderungen für KI zur Entdeckung von Schwachstellen. Konkrete Sicherheitsvorgaben für die KI selbst fehlen.

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Nvidia hat mehrere neue KI-Modelle vorgestellt. Das leistungsstärkste, Nemotron 3 Ultra, soll deutlich schneller und günstiger arbeiten als seine Vorgänger und sich für lange, komplexe Aufgaben eignen.

Daneben steht mit Cosmos 3 ein Weltmodell, das physikalische Zusammenhänge lernt und vorhersagt, wie sich Objekte verhalten. Sprachmodelle beschreiben zwar, dass ein Ball fällt, verstehen die Schwerkraft aber nicht. Weltmodelle simulieren Szenarien, bevor eine Maschine handelt, was vor allem für Roboter und autonome Fahrzeuge wichtig ist. Cosmos 3 vereint Weltgenerierung, Szenenverständnis und Regelsatzgenerierung in einem Modell. Nvidia bezeichnet es als weltweit erstes vollständig offenes Omnimodell.

OpenAI erweitert ChatGPT um Werkzeuge für die Jobsuche. Das System zeigt Stellenangebote und freiberufliche Aufträge aus Quellen wie Indeed, Upwork und Appcast und filtert sie nach Erfahrungen, Fähigkeiten und Zielen der Nutzer. Bewerbungen laufen weiter über die jeweiligen Plattformen. Zusätzlich können Nutzer Lebensläufe hochladen, anpassen lassen und exportieren.

Die Jobsuche ist vorerst auf die USA beschränkt, der Lebenslauf-Editor weltweit in der englischen Webversion verfügbar. Wer einen Lebenslauf an ChatGPT schickt, riskiert allerdings, dass sensible Daten außerhalb der EU gespeichert und zum Training genutzt werden.

Alphabet, der Mutterkonzern von Google, plant eine Kapitalerhöhung von 80 Milliarden Dollar, vor allem für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Begründet wird das mit hoher Kundennachfrage. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit Investitionsausgaben von bis zu 190 Milliarden Dollar.

Die Zahlen stützen den Kurs: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 22 Prozent auf knapp 110 Milliarden Dollar, Google Cloud wuchs um 63 Prozent. Der Cloud-Boom entsteht allerdings stark durch KI-Startups wie OpenAI und Anthropic, die derzeit hohe Verluste schreiben.

Tech-Konzerne rechtfertigen den hohen Energieverbrauch ihrer Rechenzentren häufig damit, KI helfe bei der Bewältigung der Klimakrise. Eine Studie mehrerer Nichtregierungsorganisationen, darunter AlgorithmWatch und Beyond Fossil Fuels, widerspricht. Die beworbenen Klimaeffekte stammen fast ausschließlich von herkömmlichen KI-Anwendungen mit geringem Ressourcenverbrauch. Der aktuelle Boom kommt aber von generativer KI wie ChatGPT, Copilot oder Gemini. Diese Systeme verbrauchen viel Energie und Wasser und verursachen CO2-Emissionen in der Größenordnung ganzer Länder.

Einen messbaren Klimanutzen generativer KI konnten die Autoren nicht finden. Die Vermischung beider Bereiche nennen sie eine neue Form des Greenwashings. Von 154 untersuchten Behauptungen stützte sich nur ein Viertel auf wissenschaftliche Studien, ein gutes Drittel führte gar keine Belege an.

Ein im Frühjahr von Meta freigegebener KI-Chatbot für den IT-Support hat Angreifern bei der Übernahme fremder Instagram-Konten geholfen. Auf Anfrage schickte er die Mail zum Zurücksetzen des Passworts an eine beliebige neue Adresse. Anschließend konnten Angreifer das Passwort ändern und den Account übernehmen. Mit einem VPN ließ sich der passende Standort vortäuschen, danach reichte oft die Behauptung, es handle sich um den eigenen Account.

In Telegram-Gruppen kursieren Listen angeblich übernommener Konten, darunter ein früher dem Weißen Haus unter Barack Obama zugeordnetes Profil. Meta hat das Problem eingeräumt und will Betroffenen helfen. Der Vorfall zeigt das Risiko, KI direkten Zugriff auf sensible Support-Funktionen zu geben.

Den KI-Sonderpreis auf Bundesebene bei Jugend forscht 2026 hat der 18-jährige Magnus Schlinnsok aus Brandenburg gewonnen. Er trainierte ein großes Sprachmodell auf Leichte Sprache. Ursprünglich suchte er nur ein Thema für eine Seminararbeit; seine Mutter brachte ihn auf die Idee, weil es für Leichte Sprache klare Regeln gibt.

Das Ergebnis heißt Jacob und soll wie ChatGPT als Chatbot funktionieren, jedoch für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die EU hob das Projekt als Beispiel für digitale Teilhabe und Bildung hervor. Nach dem Landessieg folgte der Bundessieg.

Das Labor Emergence AI ließ GPT, Grok, Claude und Gemini je eine virtuelle Stadt mit zehn KI-Agenten 15 Tage lang regieren. Die Ergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus. Gemini-Stadt verzeichnete 683 Verbrechen und wirkte wie eine "geteilte Halluzination" der Agenten. Claude schuf das Gegenstück mit null Verbrechen und nahezu einstimmigen Parlamentsbeschlüssen. In OpenAIs GPT-5-mini-Welt starben alle Agenten, weil sie das Essen vergaßen; nur zwei Gesetze entstanden. Grok erließ viele Gesetze, doch niemand hielt sich daran, nach vier Tagen brach die Gesellschaft zusammen.

Auch ein Folgeversuch mit geteilten Aufgaben scheiterte: über 150 Verbrechen, Streit um Gesetze, nur drei Überlebende. Die Tester nutzten eher die schnellen als die gründlichen Modellvarianten. Offen bleibt, ob Sprach- oder Reasoning-Modelle für solche Aufgaben überhaupt taugen oder ob es dafür einen anderen KI-Typ wie Weltmodelle braucht.

In der aktuellen Folge des c't-Podcasts „They Talk Tech“ sprechen Svea Eckert und Eva Wolfangel mit der Philosophin und KI-Forscherin Dorothea Winter über Deskilling, also das Verlernen menschlicher Kulturtechniken durch KI-Nutzung. Schüler, die nicht mehr mit der Hand schreiben, merken sich Inhalte schlechter. Auch Kreativität leide, weil sie wie ein Muskel trainiert werden müsse. Wer kreative Arbeit auslagert, verliert die Fähigkeit dazu.

Bildungsforscherin Katharina Scheiter, von Wolfangel zitiert, warnt zudem vor dem Zusammenfassen-Lassen von Texten. Lernen bedeute, an Grenzen zu kommen und sich anzustrengen. Wer komplexe Inhalte nicht mehr selbst durchdringt, verlerne das Lernen selbst.

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(mali)