





















Pünktlich zur Eröffnung der weltweiten Leitmesse für Solartechnik, Batteriespeicher und Technik rund um E-Mobilität spricht der deutsche Branchenverband Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) von einer durchwachsenen Marktentwicklung. Einerseits kann der Verband zum Auftakt der Intersolar Erfolge vermelden, andererseits schwächeln einzelne Marktsegmente und politische sowie regulatorische Entwicklungen bereiten der Branche wachsende Sorgen.
Im vergangenen Jahr konnte die Photovoltaik ihre Rolle im deutschen Strommix deutlich ausbauen, wie der Verband anhand von Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigt.
Demnach lag der Anteil der Photovoltaik an der deutschen Stromerzeugung 2025 bei etwa 19 Prozent. Damit überholte sie Braunkohle (ca. 14 Prozent) und Erdgas (ca. 17 Prozent) und zählt damit nach der Windenergie (etwa 27 Prozent) zur zweitwichtigsten Stromerzeugungsquelle in Deutschland.
Mit mehr als 17 Gigawattpeak neu installierter PV-Leistung im Jahr 2025 rückte Deutschland im weltweiten Vergleich von Rang fünf auf Rang vier vor. Aktuell liegt die installierte PV-Leistung hierzulande insgesamt bei etwa 124 Gigawatt, wie aus Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur hervorgeht. Für 2026 zeichnet sich laut Verband nach den ersten fünf Monaten aber lediglich ein Zubau auf Vorjahresniveau ab.
Mit anderen Worten: Der Markt wächst, aber eben nicht mehr so schnell und nicht mehr in allen Bereichen mit Macht. Insbesondere klassische Aufdach-Anlagen, wie sie vor allem auf privaten Häusern, aber auch Gewerbegebäuden installiert werden, schwächeln. Im Gewerbedachsegment mit Anlagen über 30 Kilowattpeak (kWp) sank die neu installierte Leistung in den ersten fünf Monaten 2026 um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, so der BSW. Im Heimsegment mit Anlagen bis einschließlich 30 kWp lag der Rückgang demnach bei rund 12 Prozent. Zuletzt habe sich die Nachfrage nach kleinen Solaranlagen nach Branchenbeobachtung jedoch wieder belebt.
Wachstumstreiber sind laut BSW derzeit vor allem Freiflächenanlagen. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 gingen demnach Anlagen mit einer Leistung von rund 3,4 Gigawattpeak neu ans Netz. Das entspricht laut Verband einem Plus von rund 36 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Auch der Speichermarkt entwickelt sich positiv, mit tendenziell negativen Vorzeichen. In den ersten fünf Monaten 2026 wurden nach bisherigem Datenstand rund 225.000 neue Speicher mit einer Gesamtkapazität von etwa 3,4 Gigawattstunden in Betrieb genommen. Das entspricht laut BSW einem Plus von rund 70 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Besonders stark wuchs hier der Bereich der Großbatteriespeicher. Zwischen Januar und Mai 2026 gingen demnach Anlagen mit einer Kapazität von rund 1,5 Gigawattstunden neu ans Netz. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es rund 0,3 Gigawattstunden. Die neu installierte Kapazität hat sich damit mehr als vervierfacht. Großspeicher gewinnen damit für die Integration erneuerbarer Energien und für die Stabilisierung des Stromsystems zunehmend an Gewicht.
Dennoch ist der Speicherboom auch kritisch zu betrachten: „Ob daraus tatsächlich die benötigten Speicherkapazitäten entstehen, hängt entscheidend von den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen ab“, erklärte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW bereits vor der Intersolar in einer Pressemeldung.
Der Verband sieht den weiteren Speicher-Ausbau bis 2029 nämlich eher gefährdet. Bis dahin sollen gesichert lediglich 15 GWh an Speicherkapazitäten entstehen. Weitere rund 58 GWh befinden sich zwar in Planung, ihre Realisierung sei aber mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. „Viele Investitionen stehen bereit. Doch zu lange Netzanschlussverfahren und regulatorische Unsicherheiten bremsen den Ausbau. Hier muss die Politik dringend handeln“, so Körnig.
Doch gerade die Gesetzesvorhaben des Bundeswirtschaftsministeriums hätten die Branche und Investoren zuletzt eher verunsichert. Unter anderem steht noch die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus. Aus ersten durchgesickerten Entwürfen geht etwa hervor, dass die Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen unter 25 kW entfallen, dafür aber die Pflicht zur Direktvermarktung kommen könnte. Damit könnte der Ausbau im Dachsegment weiter ins Stocken geraten.
In der Kritik steht auch das sogenannte Netzpaket. Letzteres sieht unter anderem vor, dass neue Anlagen in Engpassregionen bei Netzüberlastung ohne Entschädigung abgeregelt werden können.
Branchenverbände sehen hier falsche Anreize: Statt Flexibilität durch Speicher zu fördern, werde überschüssiger Strom häufiger abgeregelt. Projekte würden dadurch schwer kalkulierbar, was sich direkt auf ihre Finanzierbarkeit auswirke. In der Folge könnten gerade Speicher, die für den Ausgleich von Netzengpässen benötigt werden, langsamer entstehen als technisch möglich wäre.
Zum Auftakt der Intersolar zeigt sich damit eine Solarbranche, die durchaus Wachstum vermelden kann und unter strukturellem Druck steht: Während Photovoltaik und Speicher an Bedeutung gewinnen, entscheiden politische Rahmenbedingungen und der Umgang mit Netzengpässen zunehmend darüber, wie viel von diesem Wachstum tatsächlich nachhaltig realisiert werden kann.
(ssi)
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