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VW kappt mit API-Änderung Besitzern Zugriff auf eigene Fa...
Günter Born · 2026-06-01 · via heise online News

Durch eine plötzliche Änderung von Seiten Volkswagens wird der Umgang mit den Elektroautos des Herstellers seit einigen Tagen umständlicher. Im Zentrum steht dabei eine Progammierschnittstelle (API), auf welche die Nutzer jetzt keinen Zugriff mehr haben. Das ist aber notwendig, um Daten des eigenen Fahrzeugs zu erhalten.

Moderne Fahrzeuge sammeln eine Menge Daten und übermitteln diese per Telemetrie an die Fahrzeughersteller. Bei Elektroautos können deren Besitzer so beispielsweise den Ladezustand des Akkus abfragen, um Ladevorgänge optimiert per Wallbox zu steuern. So ist auch ein netzdienliches Laden bei Solarstrom-Überschuss in den Mittagsstunden möglich. Bei direktionalem Laden per Wallbox ließe sich der Akku des Elektroautos mittelfristig auch zur Stromspeicherung für das eigene Haus oder sogar das Stromnetz einsetzen.

Rund um diese Fragestellung hat sich ein entsprechendes Softwareangebot für Fahrer von Elektroautos gebildet. So lässt sich die Lösung Home Assistant zur Steuerung verschiedenster Systeme von Kühlschrank über Photovoltaik, Fahrzeuge, Überwachung, Sprachsteuerung, Wetterstationen und tausende andere Möglichkeiten einsetzen.

Für Elektrofahrzeuge gibt das Modul EVCC (Electric Vehicle Charge Controller), als Zusatz für den Home Assistant, um das smarte Laden zu beeinflussen. Diese Open-Source-Lösung ist in der Lage, den Ladeprozess von Elektroautos an eigenen Wallboxen zu steuern und zu optimieren. Die auf GitHub bereitgestellte Software EVCC unterstützt verschiedene Ladeszenarien, darunter das Laden mit Photovoltaik-Überschussstrom (PV-Überschussladen), um die Nutzung erneuerbarer Energien und den Eigenverbrauch zu erhöhen.

Dazu greifen die Module der Drittanbieter auf die API der jeweiligen Fahrzeughersteller zu, um die Daten des Fahrzeugbesitzers in Echtzeit abzufragen und auszuwerten. Auch für Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern gab es eine API, um die Daten nach entsprechender Authentifizierung abzurufen. Die auf GitHub angebotene Software „Home Assistant Volkswagen Carnet“ ermöglichte, Daten über den Volkswagen Connect Service abzufragen und an den Home Assistant weiter zu reichen. Diese Lösungen wurden von Besitzern von Elektroautos von VW, Audi, Cupra, Skoda etc. genutzt, um deren Akkus smart zu laden.

VW wirbt im Volkswagen Connect Shop mit entsprechenden Angeboten für die Käufer seiner Elektrofahrzeuge. Es gibt auch eine eigene App von VW, die aber keine Automatisierung wie eine Ladesteuerung bietet.

Am 2. April 2026 gab es von der Volkswagen Group eine wenig beachtete Short-News-Meldung mit dem Titel "Technisches Update: Umstellung auf die nächste Generation von Fahrzeugschnittstellen". Aus der Meldung ging hervor, dass man bei der Volkswagen Group "die Grundlage für ein zuverlässiges und skalierbares Charging-Data-Ökosystem lege" und auf eine neue Generation von Fahrzeugschnittstellen umstelle. Die bisherige Brand-App-Schnittstelle für externe Zugriffe werde ab Kalenderwoche 21, also ab 18. Mai, geschlossen, hieß es.

Am 27. und 28. Mai 2026 stellten Nutzer der Drittanbieter-Lösungen plötzlich fest, dass diese keine Verbindung mehr zu den VW-Servern herstellen konnte – die Authentifizierung an der alten VW-Brand-API scheiterte. Der Autor dieses Beitrags wurde von Betroffenen kontaktiert, wobei gemutmaßt wurde, dass der Abruf der eigenen Fahrzeugdaten künftig nur noch mit einem kostenpflichtigen "VW Connect Plus"-Abo möglich wäre. Es wurde auch befürchtet, dass VW den kostenpflichtigen Zugriff auf die API oder sogar nur über Drittanbieter sowie Betreiber größerer Elektrofahrzeugflotten gewähre.

Der Autor dieses Beitrags hatte den betreffenden Stand zum 29. Mai 2026, auch aufgrund von Leserberichten, in seinem Blog dokumentiert. Auch Leser von heise online wandten sich in den letzten Tagen mit entsprechenden Erfahrungen an die Redaktion.

Inzwischen deutet sich an, dass die Entwickler der Open-Source-Lösungen Möglichkeiten zur erfolgreichen Authentifizierung gefunden haben, sodass diese Tools wieder an die Ladedaten der Fahrzeuge herankommen. In einem GitHub-Thread beschreibt ein Entwickler, dass er einen Weg gefunden hat, der mit seinem Audi-Elektrofahrzeug funktioniert. Ein weiterer Nutzer bestätigt die Funktion mit einem VW ID.3. Allerdings gibt es Wortmeldungen, dass der Ansatz für andere Fahrzeuge nach wie vor scheitert. Das ist also alles noch „work-in-progress“, und ob es dauerhaft sowie kostenlos funktioniert, ist offen.

Weitere Nutzer schreiben in einem anderen GitHub-Thread, dass der "smarte" Stromanbieter Tibber wohl eine Integration der neuen VW-Schnittstelle implementiert habe. Nutzer waren so in der Lage, zumindest einige Daten des Fahrzeugs in Echtzeit abzurufen.

Die API-Änderung bei VW dürfte alle Fahrzeugmarken des Konzerns, von Audi, Bentley, Cupra, bis hin zu Škoda und VW betreffen. Der Vorfall zeigt, wie groß die Macht der Fahrzeughersteller ist und wirft die Frage auf, wie es mit dem Recht des Fahrzeugbesitzers zum einfachen Zugriff auf seine eigenen Daten ausschaut. Der EU Data Act (Verordnung (EU) 2023/2854), der den leichten Zugriff auf diese Daten regeln soll, ist seit dem 12. September 2025 in Kraft.

Die API-Änderung durch die Volkswagen Group sowie die spätere Bereitstellung der Fahrzeugdaten dürfte bei wohlwollender Betrachtung eine eigenwillige Implementation des Herstellers sein. Denn es gibt seit Kurzem eine Möglichkeit, Daten eines VW-Fahrzeugs per Web-Seite abzurufen. Diese werden binnen 24 Stunden dann als ZIP-Archiv geliefert – was aber nicht immer eingehalten wird. Von einer Real-Time-Schnittstelle zur Abfrage von Ladedaten und von einem leichten Zugang zu den Daten ist dort nichts zu sehen, und genau das war vorher mit dem direkten API-Zugriff der Fall.

Das Entwicklerteam der EVCC-Lösung will deshalb über eine Petition bei change.org die Einhaltung des EU Data Act durchsetzen. Hintergrund ist laut Petitionstext, dass BMW derzeit der einzige große Hersteller ist, der Fahrzeugdaten über sein CarData-Portal für Endkunden zugänglich macht. Andere Hersteller lehnen entsprechende Anfragen ab oder verweigern den Zugriff komplett – obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet wären. Über diese Petition wird versucht, Druck zu machen, dass die Fahrzeughersteller den Zugriff auf die Fahrzeugdaten für deren Besitzer kostenlos und auf einfache Art ermöglichen.

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(nie)